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Grundlagen der Alchemie

29. April 2015

Ich mag Anime-Serien, bei denen ich das Ende abschätzen kann. Ich meine, ich bin bei „One Piece“ jetzt irgendwo bei Folge 500 und irgendwas. Und da ist ja auch kein Ende in Sicht (zwar wünsche ich mir endlich auch mal eins, aber irgendwie auch nicht – ist so eine äußerst interessante Zwickmühle – aber manchmal ärgert mich dieses künstlich Gestreckte schon extrem, zumal es ja alles doch recht vorhersehbar, aber immer noch sehr unterhaltsam ist). Wenn da ein Ende in Sicht ist, bin ich bei Anime-Serien immer eher gewillt, mir das mal anzuschauen.

Und auch wenn „Fullmetal Alchemist“ als Serie abgeschlossen ist, stellte mich diese Serie vor ein neues, bisher noch nie dagewesenes Dilemma: Es gibt die Serie nämlich zwei Mal. Die erste Version von 2003 mit so 50 Folgen und dann gibt es da noch die zweite Version von 2009 mit etwa 10 Folgen mehr. Diese Variante, „Brotherhood“, soll angeblich auch sehr viel näher am Manga dran sein, der zum Zeitpunkt der ersten Serienvariante noch nicht mal fertig war. Weswegen die natürlich sehr stark vom Original abweicht.

Aus Zeitgründen (und einfach aus der Tatsache heraus, dass ich die erste Variante mal von einem Freund bekommen habe) habe ich die erste Serie jetzt endlich mal geguckt: Darin begleiten wir die Brüder Edward und Alphonse Elric auf ihrer Suche nach dem Stein der Weisen. Die Brüder leben in einer Welt, in der Alchemie allgegenwärtig ist. Als die beiden ihre Mutter verlieren, versuchen sie sie mit Hilfe von Alchemie wieder zum Leben zu erwecken. Ein Frevel, der hart bestraft wird: Edward verliert ein Bein und einen Arm (die später durch metallene Prothesen ersetzt werden – daher auch der Titel) und Alphonse verliert seinen Körper und muss fortan als leere Rüstung (sein Bruder bannte seine Seele an die Rüstung) herumlaufen. Als staatlich anerkannter Alchemist forscht Edward mit seinem Bruder nach dem Stein der Weisen – um so Alphonses Körper wiederherstellen zu können. Doch auch merkwürdige Wesen, wie die Homunkuli, sind hinter dem Stein her.

Who you gonna call? Fullmetal Alchemist!

Lange Rede, kurzer Sinn: „Fullmetal Alchemist“ ist eine großartige Serie. Ich war zuerst nicht so sicher, was ich eigentlich erwarten soll, fing das Ganze doch noch recht verhalten an. Zu Beginn dachte ich noch, die Serie hangelt sich so Episode für Episode durch, erzählt so ein paar Aufträge, die die beiden Brüder für die Armee durchführen müssen und fertig ist’s. Zum Glück aber wird ziemlich schnell deutlich, hier steckt sehr viel mehr dahinter. Je weiter sich die Serie entwickelt, desto mehr offenbart sich das große Ganze. „Fullmetal Alchemist“ liefert eine grandiose Verschwörungstheorie gespickt mit Bürgerkrieg, Spionage, Drama und natürlich jeder Menge Alchemie.

Dabei entwickelt die Serie gerade zum Ende hin so eine Intensität, dass es nur schwer fällt, mit dem Gucken aufzuhören. Das liegt aber auch viel daran, dass sehr stark auf die Charaktere geachtet wird – allen voran natürlich die beiden Brüder Ed und Al. Die beiden sind gequält von ihrer eigenen Vergangenheit, aber auch verbunden in ihrer Suche nach Erlösung und ihrer Liebe zu einander. Dazu kommt ein ganzes Bataillon an spannenden Nebenfiguren – verschiedene Alchemisten und Nicht-Alchemisten, die die Welt von „Fullmetal Alchemist“ vielfältig gestalten… und dafür sorgen, dass man das Gewirr aus Intrigen kaum selbst überschauen kann (was aber nicht heißt, dass die Serie irgendwann unübersichtlich wird).

Ich gebe zu, es hat ein kleines bisschen gedauert, bis ich mit der Serie warm geworden bin, aber irgendwann wird man echt süchtig. Das Gute ist einfach, dass die Serie abgeschlossen ist. Es ist nicht so ein Endlos-Ding wie „One Piece“, es wird nicht langweilig, weil mit zig Schlachten und Kämpfen gestreckt wird und am Ende doch alles vorhersehbar ist. Man fiebert gut mit den beiden Brüdern mit und ist fasziniert von der Welt, die sich da vor einem auftut.

Ich muss jetzt demnächst dringend noch einmal den Nachfolge-Film zur alten Serie „Der Eroberer von Shamballa“ schauen, denn die Serie endet doch sehr offen und mit einer recht faszinierenden Wendung.

Wertung: 9 von 10 Punkten (dramatisch, bombastisch, unterhaltsam… ich will jetzt auch Alchemist werden)

P.S.: Hat jemand die „Brotherhood“-Variante gesehen und kann mir sagen, ob die sich für mich auch noch lohnt?

9 Kommentare leave one →
  1. 29. April 2015 19:45

    Ich habe nur „FMA: The Brotherhood“ gesehen. Ich weiß natürlich nicht, wie toll der im Vergleich zum alten FMA ist, aber für sich betrachtet war es auch Jahre später noch einer der grandiosesten Anime, die ich bisher geschaut habe. Ich stehe hier gerade also quasi mit virtuellen „Eduuuuaaardo Elricke! Alphonseee!“-Bannern und werfe mit Herzchen um mich. ❤ ❤ ❤ Und ja, die schreibt man natürlich so, wie die Synchronsprecher das sagen. 😀 Hilft dir das Gefangirle irgendwie weiter? ^^

    • donpozuelo permalink*
      30. April 2015 11:57

      “Eduuuuaaardo Elricke!“… hach, ich liebe das. Immer wieder geil, wie die Namen da ausgesprochen werden, die jetzt nicht typisch japanisch sind. Aber gut zu wissen, dass „Brotherhood“ auch so gut funktioniert… vielleicht lasse ich ein bisschen Zeit verstreichen und guck mir die Serie dann auch noch mal an. Immerhin soll sie ja näher am Manga dran sein. 😀

      • 1. Mai 2015 14:38

        Jaaa, ich finde es auch immer wieder herrlich 😀
        Dann bin ich gespannt, wie der Vergleich am Ende ausfällt! 😉

        • donpozuelo permalink*
          2. Mai 2015 23:21

          Ich auch 😀

  2. 1. Mai 2015 17:12

    Genau wie du habe ich bis jetzt nur FMA gesehen, aber nicht Brotherhood. FMA selber wurde mir von sovielen Bekannten empfohlen, dass ich dachte, dass es ein Muss ist. Tatsächlich war ich bei der ersten Folge fast so geschockt von der plötzlichen Härte und dem Verlust von Körper/Gliedmaßen – das war extrem unheimlich. Gegen Ende war ich wieder begeistert, aber zwischendrin fand ich es manchmal etwas öde und war nicht immer so begeistert von den Comedy-Einlagen, das wollte mir immer nicht so richtig zu dem Rest der Serie und zu der Härte passen. Einiges ist ja schon moralisch ziemlich derb. Und dann wieder Comedy – seltsame Mischung. Ich glaube ich weiß bis heute noch nicht so richtig wie ich den Anime fand. Um Brotherhood bin ich auch schon lange rumgeschlichen, kann dir da aber leider auch nicht weiterhelfen. Ich weiß nur, was du weißt: viele finden Brotherhood besser.

    • donpozuelo permalink*
      2. Mai 2015 23:24

      Ja, die Mischung war schon manchmal recht seltsam, ich erinnere mich da besonders an eine Folge, in der Colonel Mustang und seine Crew in irgend einem Warenhaus-Bezirk nach einem Geist zu suchen. Die Episode war komplett losgelöst von allem, total absurd und merkwürdig… ansonsten bin ich aber dennoch recht gut mit dem Humor klar gekommen. Zumal sie das zum Ende hin ja schon extrem zurücknehmen. Da habe ich mir dann fast schon gewünscht, es würde ab und zu noch was kommen.

      „Brotherhood“ wird dann wohl die Aufklärung bringen müssen 😉 Da kommen wir wohl beide nicht dran vorbei…

  3. 1. Mai 2015 17:57

    Habe bisher nur mal in den Manga reingelesen, dessen erster Band mich noch nicht so überzeugt hat – die Prämisse mit der missglückten Wiederbelebung ist toll, ein wenig anders als bei diesen Shonen-Fantasy-Manga üblich, aber was dann folgt, war doch eher Standardware …

    • donpozuelo permalink*
      2. Mai 2015 23:25

      Über die Mangas kann ich nichts sagen… aber die Serie war schon sehr unterhaltsam.

Trackbacks

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