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Der gute Samariter

27. April 2015

Ich gucke mir ja mittlerweile echt fast alle Comic-Verfilmungen an. Aber gut, Marvel macht es einem da ja auch recht leicht – immerhin kriegen wir immer wieder genug Futter. Und dazu noch Futter, das auch so richtig gut schmeckt, wie wir ja jetzt letztens erst wieder mit „Avengers: Age of Ultron“ feststellen konnten. An die ganzen TV-Serien, die mittlerweile auch das Fernsehen überschwemmen, habe ich mich nie so richtig getraut (zumal hier ja DC mehr auf den Markt wirft als Marvel). Ich hatte es mal mit „Agents of S.H.I.E.L.D.“ versucht, aber schnell wieder aufgehört. Dann war auch mal „Arrow“ dran, doch auch das wurde mir schnell ein bisschen zu langweilig, weswegen auch „Arrow“ wieder aus meinem Blickfeld verschwand… und dann kam die Ankündigung, dass Marvel „Daredevil“ wiederbeleben will.

Nun haben wir alle noch ziemliche Bauchschmerzen, wenn es um „Daredevil“ geht. Schließlich gibt es da dieses eine Machwerk, dass einige von uns genau so gerne vergessen würden wie Indy 4 oder die Star-Wars-Prequels. Und auch wenn ich gerade den Frank-Miller-Run in den Comics sehr mochte, war ich mir nicht sicher, ob ich einem „Daredevil“ auf dem Bildschirm wirklich noch eine Chance geben sollte…

Aber ich habe es getan, sonst würde ich ja auch nicht diesen Artikel hier verfassen… und was soll ich sagen??? Die Serie „Daredevil“ verstärkt meinen Glauben daran, dass auch Superhelden-Serien gut sein können. Die Serie „Daredevil“ lässt auch alles vergessen, was Ben Affleck und Co. Damals angerichtet haben. Die Serie „Daredevil“ ist genau das, was der Charakter „Daredevil“ gebraucht hat und was so für ein PG-13-freundliches Disney-Marvel auf der Kinoleindwand wohl nie möglich gewesen wäre.

In der Serie lernen wir den blinden Matt Murdock (Charlie Cox) und Frankling „Foggy“ Nelson (Elden Henson) kennen, zwei junge Anwälte am Anfang ihrer Karriere als selbstständige, aufstrebende Anwälte. Und gleich in ihrem ersten Fall müssen sie die junge Karen Page (Deborah Ann Woll) verteidigen, der ein Mord angehängt wird… damit beginnt dann der Reigen rund um den gefährlichen Wilson Fisk (Vincent D’Onofrio), ein mächtiger und gefährlicher Gegner für die jungen Anwälte. Doch um seine Machenschaften aufzudecken, braucht es mehr als nur das Gesetz. Es braucht den Mann in der Maske…

Er hat seine Klanghölzer zur Party mitgebracht.

Das Beste mal gleich vorweg: Die Serie lässt euch den Film sofort vergessen!!! Und das, was ich wirklich richtig gut fand, ist die Tatsache, dass man auf eine ewig lange Origin-Story verzichtet. Über die Serie verteilt (13 Folgen sind es) bekommen wir immer so ein paar Details, wie und warum Matt Murdoch blind wurde, warum er trotzdem scheinbar sehen kann und warum er so ein abgefahrener Kämpfer ist. Natürlich wirkt da vieles auch an den Haaren herbeigezogen, aber das ist nun mal der Comic-Charakter Daredevil. Man muss das hinnehmen können. Sonst funktioniert das alles nicht.

Und wie gesagt, „Daredevil“ funktioniert auf so vielen Ebenen so gut. So gut, wie es nur in einer Serie funktionieren kann. Denn so kann sich die Serie auf die verschiedenen Aspekte des Comics und seines Helden konzentrieren. Ich weiß vor Begeisterung gar nicht so recht, wo ich anfangen soll…

Warum also nicht den „Daredevil“ selbst nehmen? Die Serie schafft den Spagat uns sowohl Matt Murdock als auch den Mann in der Maske näherzubringen. Und das, was mich hier am meisten beeindruckt hat, ist die Tatsache, dass wir Murdock nicht sofort als übelst krassen Superhelden serviert bekommen. Das Kostüm gibt es hier noch nicht, da muss schwarze Kleidung und eine Maske herhalten. Und Daredevil ist kein Übermensch wie Captain America oder Iron Man. Er ist einfach nur ein Typ, der für Gerechtigkeit einsteht. Es gibt in der zweiten Folge eine grandiose Szene, nach der ich wusste, dass diese Serie nur geil werden kann:

In bester „Oldboy“-Manier prügelt sich Daredevil in einer schönen Plansequenz durch eine kleine Bande von Menschenhändlern. Aber anstatt am Ende wie der strahlende Held dazustehen, keucht der Typ einfach nur wie verrückt. Hier haben wir einen Helden, der außer Atem ist, der kaum noch stehen kann, bei dem wir jeden Augenblick mitfiebern und hoffen, dass er es schafft, bevor er halbtot zu Boden fällt.

Das behält sich die Serie die ganze Zeit über bei. Egal, wie gut Murdock wird, er ist nie wirklich gut genug. Und um ihm das alles schmerzlich vor Augen zu führen, haben wir Wilson Fisk – Vincent D’Onofrio als legendärer Kingpin. Wie schon bei Matt Murdock gelingt es der Serie auch diesem Charakter die nötige Tiefe zu verleihen. Er ist nicht nur einfach ein Bösewicht, er ist auch irgendwie ein Mensch – mit Höhen und Tiefen, Ängsten und Hoffnungen. Ich muss also auf jeden Fall mein Verdikt aus „Avengers 2“ revidieren: Vincent D’Onofrio lieferten den Furcht einflößendsten Marvel-Schurken seit gefühlten Ewigkeiten.

Extreme Wall-Staring starts in 3… 2… 1…

„Daredevil“ lebt von seinen Charakteren, die bis in die kleinste Rolle sehr passend besetzt sind. Und jedem wird hier genug Platz eingeräumt. Natürlich geht es hauptsächlich um Matt Murdock und Wilson Fisk, aber auch alle anderen Charaktere werden perfekt in die Handlung integriert und sind nicht blosse Stichwortgeber oder Menschen, die Hilfe brauchen. „Daredevil“ lebt aber auch von seiner Atmosphäre – dieser New Yorker Stadtteil (Hell’s Kitchen) trägt seinen Namen zurecht. Es ist dunkel, es ist dreckig, es ist unheimlich. Und „Daredevil“ lebt auch von den grandiosen Kampf-Choreografien. Wenn Daredevil mal so richtig loslegt, geht’s rund (und es wird blutig, so viel Gewalt hätte ich nicht erwartet von etwas, das mit dem Marvel-Logo anfängt, aber holla… „Daredevil“ ist nichts für schwache Nerven!!!)

Die Serie macht mit seinem Charakter alles richtig. Fans des Comic-Charakters dürfen sich auf ein Fest freuen, denn den Comics wird das Ganze hier mehr als nur gerecht. „Daredevil“… hach… einfach nur geil!!!!

Wertung: 10 von 10 (genau so muss das, einfach nur perfekt!!!!)

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11 Kommentare leave one →
  1. 27. April 2015 09:08

    Ich muss an dieser Stelle ja mal wieder sagen – weil er wie Singers Superman zu den meist unterschätzten Filmen seines Genres gehört –, dass der Affleck-Daredevil im Director’s Cut ein richtig guter Film ist. Beziehungsweise einer der besseren Filme seines Genres und um Welten besser umgesetzt als dieser Filmunfall, der laut Polizeibericht unter „Age of Ultron“ geführt wird.

    Die Serie hier ist natürlich auch top.

    • donpozuelo permalink*
      27. April 2015 10:56

      Hmm… gut… 😀 Was soll ich dazu noch sagen??? Das mit dem Filmunfall kann ich jetzt nicht so bestätigen, aber das haben wir ja häufiger mal 😉

      Immerhin sind wir uns bei der Serie einig! Das ist doch auch was… 😉

  2. 27. April 2015 20:24

    Ich guck’s auch grad und bin nicht ganz so, aber fast so begeistert wie Du 🙂

    Arrow hatte ich auch für zwei Staffeln am Wickel, aber dann entnervte mich die unfreiwillige Komik der Darsteller zu sehr. Arrow hat genau einen Gesichtsausdruck. (Ohrwurm: My name is Oliver Queen blablabla).

    • donpozuelo permalink*
      28. April 2015 10:50

      Du guckst ja auch grade erst, warte mal noch ein bisschen ab 😉

      Arrow habe ich, glaube ich, nur für die ersten 7 oder 8 Folgen durchgehalten. Danach war mir das zu viel „Batman“ ohne „Batman“ mit zu vielen hübschen Menschen, die ihre reichen Problemchen haben… einfach zu öde.

  3. 28. April 2015 21:57

    Ich bin seit einigen Tagen auch endlich fertig und werde auch bald was dazu tippen.
    Zu begeistert um nicht darüber zu schreiben 😀

    • donpozuelo permalink*
      28. April 2015 23:07

      😀 Sehr schön… so wie sich das gehört…

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