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Zum Verrückt Werden

24. April 2015

Ich habe mich ja schon oft darüber beschwert, wie merkwürdig manche deutsche Verleiher daran gehen, ihre Filme zu vermarkten. Ob es nun merkwürdige Titel oder noch merkwürdigere Kampagnen sind – man hat schon hin und wieder das Gefühl, diese Leute haben a) den Film selbst noch nie gesehen, b) zu viel merkwürdiges Zeug konsumiert und dabei jegliche Zurechnungsfähigkeit verloren oder c) sie haben einfach keinen Bock. Manchmal könnte es auch eine Mischung aus allen drei Gründen sein.

Das nächste „tolle“ Beispiel dieser Art ist „Sanitarium – Anstalt des Grauens“. Es gibt viele Dinge, die schon von vornherein an dieser deutschen Marketing-Strategie falsch sind: 1) Auf dem Cover versucht sich eine Frau (ich gehe mal von den Gesichtszügen aus, dass es eine Frau sein soll), so etwas wie eine Zwangsmaske fürs Gesicht herunterzureißen. Das Blut an den Finger suggeriert schon mal: Hier wird’s ziemlich heftig zur Sache gehen (ebenso das FSK-18-Siegel, aber das nur am Rande). 2) Der Zusatztitel „Anstalt des Grauens“… allein das Cover sagt mir: Krasser Horror-Streifen in einer Irrenanstalt. Was mal so überhaupt nicht zutrifft.

Cover des Grauens

In der Anstalt von Dr. Stenson (Malcolm McDowell) sind wir nie besonders lang – denn „Sanitarium“ ist ein Episoden-Film, in dem uns Dr. Stenson drei seiner Patienten vorstellt und erzählt, was sie angestellt haben, um in der Anstalt zu landen. Da ist der Künstler (John Glover), der glaubt, seine Kreationen reden zu ihm. Da ist der Junge (David Mazouz), der zuhause misshandelt wird und sich von einem Monster verfolgt fühlt und schließlich ist da noch der Professor (Lou Diamond Phillips), der felsenfest an das vom Maya-Kalender prophezeite Ende der Welt glaubt und sich in einem Bunker verstecken will.

Who watches the crazies???

Ob dieses „Sanitarium“ nun eins des Grauens ist, in dem sich Patienten gewaltsam ihre Masken vom Kopf reißen müssen, bekommen wir also eigentlich gar nicht wirklich mit. Denn Strenson und seine Anstalt dienen nur als roter Faden für drei sehr unterschiedliche Geschichten. Und auch die haben weniger Horror zu bieten als DVD-Cover und Untertitel vermuten lassen würden. Was jetzt aber auch nicht so schlimm ist. Statt Schlachtplatte gibt es hier drei sehr interessante Geschichten.

Ich will jetzt nicht auf jede einzelne eingehen, das würde den Rahmen sprengen und auch zu viel spoilern. Ich will nur so viel sagen: Ich mochte die einzelnen Episoden sehr, gerade weil sie halt kein Horror-Splatter waren, sondern recht subtil. Und auch glaubwürdig. Besonders die erste Geschichte mit dem Künstler macht das recht deutlich… hier wird deutlich, dass „Sanitarium“ mehr von einem perfiden Drama hat als einem Horror-Film. Die drei Filmemacher Bryan Ortiz, Bryan Ramirez und Kerry Valderrama versuchen vielmehr die Untiefen der menschlichen Psyche auszuloten. Was bringt sie dazu, haben sie vielleicht plausible Gründe, warum sie in dem „Sanitarium“ landen?

Bei alle dem Lob muss man aber auch Einschränkungen machen. Vor allem was die Zeit angeht. Denn die nehmen sich Ortiz, Ramirez und Valderrama reichlich. Ich glaube, man hätte jede der Episoden um 10 Minuten kürzen können und ihnen vielleicht so einfach etwas mehr Pfiff verleihen können. So streckt sich „Sanitarium“ irgendwann ganz schön. Zwar verhilft die längere Zeit zu ausgereifteren Charakteren, aber bei den doch recht unkomplizierten Stories hätte man darauf auch ein wenig verzichten können.

„Sanitarium“ ist jetzt keine umwerfende Sammlung an Geschichten, aber es ist auch keine, bei der man sich zu Tode langweilt. Der Film steckt irgendwo dazwischen. Er hat viel Potenzial, dass er leider manchmal etwas ungenutzt zurücklässt. Zum Glück ist es aber auch keine billige Schlachtplatte geworden, sondern hatte schon noch den eigenen Anspruch, sich dem Thema des Wahnsinns ein bisschen glaubwürdiger zu nähern. Darsteller wie Malcolm McDowell oder Robert „Freddy“ Englund kommen auch nicht so ganz zur Geltung… aber naja… das ist halt so einer dieser Filme, der weder gut noch schlecht ist… und den man im Endeffekt auch nicht gucken muss. Wenn man ihn dann aber doch durch Zufall schaut, ist es auch nicht tragisch.

Wertung: 5 von 10 Punkten (interessante Stories übers Verrückt-Werden – nur halt zum Verrückt werden lang…)

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