Skip to content

Opferbereitschaft

17. April 2015

Wer was im Leben erreichen will, der muss Opfer bringen! Es ist eine dieser unschönen Lebenswahrheiten, die man irgendwie nie so richtig wahrhaben will. Als Kind muss man sich das zwar immer von den Eltern anhören, aber man hofft insgeheim doch, dass sie falsch liegen könnten. Vielleicht wird man ja auch ohne harte Arbeit und mit viel Freizeit zum Millionär. Und mit all den Casting-Shows scheint das ja alles in greifbarer Nähe zu sein. Aber egal, wie man es dreht und wendet, man muss immer Opfer bringen.

Das muss auch Sarah (Alex Essoe) in „Starry Eyes“ feststellen. Wie so viele hoffnungsvolle Jungschauspieler kellnert sie in einem Fast-Food-Restaurant und hofft auf den großen Durchbruch. Der scheint zum Greifen nah, als sie beim Casting zu Film „The Silver Scream“ in die zweite Runde kommt… hier allerdings wird’s schon reichlich merkwürdig und doch darf Sarah danach den Produzenten (Louis Dezseran) treffen. Der verspricht hier, dass diese Rolle sie groß rausbringen könnte, wenn sie nur bereit wäre, ein Opfer einzugehen. Erst scheut sich Sarah vor seinen sexuellen Annäherungen und flieht…. doch die Verzweiflung und das „Was wäre, wenn…“ nagt doch an ihr, sie trifft ihn erneut und willigt auf sein Angebot ein… doch hat sie damit noch lange nicht ihr Opfer für die Rolle erbracht.

Beim nächsten Ton ist es sechs Uhr, sechs Minuten und sechs Sekunden…

Auf dem Cover zur DVD sieht man Hauptdarstellerin Alex Essoe mit eingeritzten Pentagrammen um die Augen und darüber steht „Uncut Special Edition“. Folglich wurde meine Erwartung dahin gelenkt, dass ich mit „Starry Eyes“ krasses Horror-Gemetzel bekomme, bei dem ich mir vor lauter „Uncut“ die Augen zuhalten muss. Aber Pustekuchen. Mit Horror hat „Starry Eyes“ erstaunlich wenig zu tun… es spielt zwar immer ein bisschen im Hintergrund eine Rolle, aber es ist nur unterschwellig. Es werden okkulte Themen angedeutet (jetzt nicht nur auf dem Cover), aber sie sind so gering, dass man sich manchmal schon fragen muss, ob sie wirklich da waren.

Viel interessanter ist „Starry Eyes“ tatsächlich in der Hinsicht, dass der Film auf sehr krasse Weise dieses ganze Thema der Opferbereitschaft aufgreift… und damit gleichzeitig auch den gesamten Hollywood-Star-Wahnsinn an den Pranger stellt. Denn letztendlich muss man sich doch schon fragen, wie viele „ähnliche“ Schicksale es tatsächlich gibt. Der ganze Film hinterlässt einen ziemlich bitteren Nachgeschmack… denn er schafft es auf erschreckende Art und Weise die Verbitterung und Verzweiflung von Sarah darzustellen. Gleichzeitig wird auch deutlich, was für eine Hackordnung herrscht, sind doch auch Sarahs Freunde aufstrebende Schauspieler – besonders Fabianne Therese muss man hier ein großes Lob aussprechen, spielt sie doch die eifersüchtige Bitch so gut, dass man ihr wirklich einfach nur eine scheuern möchte.

Doch so richtig kommt man dazu nicht, leidet man doch zu sehr mit einer großartigen Alex Essoe mit, die vor unseren Augen (und nach ihrem Opfer) mehr und mehr zu einer Art Junkie ihres eigenes Traums verkommt… wir dürfen / müssen in einer scheinbar unerklärlichen Wendung des Films mitansehen, wie Sarah mehr und mehr verkommt. Zwar wird ihr immer wieder etwas von einer Transformation erzählt, aber das diese so krasse körperliche Auswirkungen haben wird, hätte ich (und auch Sarah) nicht vermutet.

Und dabei sind die beiden Regisseure Kevin Kölsch und Dennis Widmyer dann auch rigoros. Es tut richtig weh, diese Frau zerfallen zu sehen. Sie wird mehr als nur ein Schatten ihrer Selbst und dabei schwingt dann immer wieder die Frage mit: „War es das wert?“ Wir wissen es nicht, Sarah weiß es nicht… und auch hier muss man sich dann wundern, ob ihre Opferbereitschaft von Hollywood am Ende wirklich belohnt wird oder nicht?

Belohnt werden auf jeden Fall alle die, die sich jetzt immer noch wundern, was es mit der „Uncut Special Edition“ auf sich hat… denn auch wenn der ganze Film schon ziemlich weh tut, wird euch das große Finale den Rest geben und sich den Titel „Uncut“ mehr als nur verdienen.

„Starry Eyes“ ist eine gekonnte Mischung aus Verwirr-Spiel, boshaftem Blick hinter die Kulissen der Traumfabrik, Okkult-Thriller und Horror-Film. Das klingt jetzt nach sehr viel, aber es funktioniert erstaunlich gut… nicht zuletzt dank einer wirklich abgefuckten Story und einer umwerfend guten Alex Essoe.

Wertung: 8 von 10 Punkten (wer nach diesem Film immer noch Schauspieler werden möchte… brrrr….)

Advertisements
4 Kommentare leave one →
  1. 17. April 2015 10:04

    Fand den Film erschreckend. Erschreckend langweilig. Hatte nach dem Trailer erwartet (gehofft?), dass das Ganze mehr eine David-Lynch-Richtung nimmt. Mulholland Drive mäßig. Tut es aber leider nicht, dafür dann wieder zum x-ten Mal ein Aufbacken von „Rosemaries Baby“. Nee. Hab 1,5 Punkte vergeben, und den halben Punkt zusätzlich auch nur, weil der Gore im Finale dann doch relativ erquicklich war.

    • donpozuelo permalink*
      17. April 2015 14:26

      Echt? Hmm… ich hab ihn jetzt zweimal gesehen und fand ihn eigentlich jedes Mal verdammt gut… 😀

  2. 17. April 2015 22:06

    Also was Du so alles in diesem Film siehst… :)) Ich war ja mit meinen 5 Punkten aus meiner Sicht sehr gnädig und mag Okkultstenfilme eigentlich gerne, trotzdem, der hier hatte echt Hänger und schlechte Darsteller – fand ich. Und gelohnt hat sich das ganze Gedöns für die Dame auch nicht, so wie sie dann aussah. Natürlich gebe ich Dir mit der Grundaussage recht. Ich denke, es gibt ganz schön viele Menschen, die für den Erfolg alles machen würden.

    • donpozuelo permalink*
      20. April 2015 09:05

      Ich sehe alles 😀 😀 😀

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: