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Rollo Tomassi

15. April 2015

Ist es eigentlich immer noch so, dass kleine Jungs gerne Feuerwehrmann oder Polizist werden wollen? Wahrscheinlich eher nicht… wer will sich in Zeiten von Internet und schnellem Ruhm noch die Hände für irgendwas schmutzig machen müssen. Zumal ausgerechnet Polizist-Sein sicherlich schnell viel von seinem Zauber verliert. Ich weiß zumindest, dass ich Polizist werden wollte. Was viel damit zu tun hatte, dass mein Opa auch Polizist war… und meinen Opa habe ich immer sehr bewundert. Das wäre also immerhin eine halbwegs coole Story, wenn man als Polizist gefragt wird, warum man Polizist geworden ist.

In Curtis Hansons „L.A. Confidential“ bekommen wir drei verschiedene Antworten auf diese Frage… von drei Polizisten, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Da wäre Jack Vincennes (Kevin Spacey), Berater einer TV-Serie und mehr Glamour-Cop als alles andere – der weiß nicht mehr, warum er überhaupt Bulle geworden ist. Dann hätten wir da Bud White (Russell Crowe), ein ehrenwerter Draufgänger, der als kleiner Junge mit ansehen musste, wie sein Vater seine Mutter totschlug. Jetzt ist er Retter armer Frauen und ein Cop, der gerne auch mal die Regeln missachtet, wenn es ihm weiterhilft. Und dann wäre da noch Emporkömmling Ed Exley (Guy Pierce), dessen Vater (ein bekannter Polizist) von einem Unbekannten ermordet wurde, dessen Namen wiederum niemand kennt, weswegen Ed ihn Rollo Tomassi nennt. Und wie könnte es sein, diese ungleichen Typen werden im Laufe von „L.A. Confidential“ gezwungen, zusammen zu arbeiten – denn hinter einem Mordfall in einem Diner steckt doch viel mehr als vorher gedacht…

Was? Das hier ist nicht Memento?

Ach so… und weil ich es noch nicht erwähnt habe, „L.A. Confidential“ spielt im L.A. der 50er Jahre. Der Film basiert auf James Ellroys „L.A. Confidential“, seines Zeichens Teil des L.A. Quartetts. Dazu gehörte auch „The Black Dahlia“, was ja ebenfalls ziemlich anseh(n)lich von Brian De Palma verfilmt wurde. Und wer die „Dahlia“ schon toll fand, der wird „L.A. Confidential“ lieben.

Zum einen schafft es Hanson gut, diesen ganzen Fifties-Flair aufleben zu lassen. Musik, Kostüme, Settings… hier taucht man wirklich voll ein in diese Ära. Curtis verleiht ihr was Wunderbares, zeigt aber gleichzeitig auch immer wieder, dass das nur die Oberfläche ist. Und hinter die zu schauen, ist nicht immer einfach und noch seltener wirklich schön. Der Film stützt sich dabei natürlich auch voll auf das ganze Hollywood-Schema – L.A., die Stadt, in die alle Engel wollen, um am Ende doch eher zu kleinen, verbrauchten Teufeln zu werden. Man weiß immer nie so genau, ob man sich nun wirklich wünschen soll, selbst mal Teil dieser Zeit zu sein.

Warum man als „Dahlia“-Fan außerdem noch seinen Spaß an „L.A. Confidential“ haben wird, ist die Story. Natürlich lebt die Story immer von ihren Charakteren, aber zu denen kommen wir gleich. „L.A. Confidential“ liefert uns eine spannende und packende Story… zumal wir (genau wie die ermittelnden Cops) immer mal wieder auf eine falsche Fährte geführt werden. Wir bekommen mehrere verschiedene Geschichten, die natürlich immer an eine der drei Hauptfiguren gebunden sind. Erst nach und nach merken die (und wir als Zuschauer), dass die verschiedenen Geschichten vielleicht doch mehr zusammengehören. Es ist verschachtelt erzählt, aber nie so, dass man gar nicht mehr hinterherkommt. Vielmehr enthüllt sich das alles sehr schön, dass man sich am Ende schon denkt: „Okay, ich hätte es kommen sehen können, aber es ist trotzdem krass!“

Und auch wenn man es an einigen Stellen kommen sehen kann, ist „L.A. Confidential“ trotzdem richtig gut. Womit wir dann wohl zu den Darstellern kommen. Drei unterschiedliche Cops, drei unterschiedliche Darsteller – einer davon zur damaligen Zeit schon bekannt, die anderen beiden eher weniger. Ein mutiger Schritt, aber Russell Crowe und Guy Pearce passen perfekt. Pearce verkörpert diesen Schnösel so perfekt, dass man ihm wirklich mehr als einmal in die Fresse hauen möchte. Dafür haben wir dann ja auch Crowe, der den Schläger-Cop ziemlich gut spielt. Kevin Spacey geht in seiner Glamour-Cop-Rolle bestens auf, genau wie Danny DeVito als schmieriger Klatschspalten-Reporter. Die ganze Reihe durch ist einfach gut besetzt – auch wenn ich mich so ein bisschen frage, wofür genau Kim Basinger ihren Oscar bekommen hat??? Sie ist eine gute femme fatale… aber Oscar würdig??? Naja… egal…

„L.A. Confidential“ macht Spaß, der Film unterhält dank tollem Setting, tollen Darstellern und spannender Story, die schön abwechslungsreich ist und immer wieder neue, frische Momente bietet.

Wertung: 9 von 10 Punkten (ein Bullen-Trio und eine Stadt der Engel, die eigentlich voller Teufel steckt)

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6 Kommentare leave one →
  1. 15. April 2015 14:00

    Oh ja. DIE DVD steht in meinem Regal. Schon lange. Und es ist ein Film, den man sich, mit gewissen Abständen, gern mehrmals anschauen kann

    • donpozuelo permalink*
      16. April 2015 09:02

      Ja, auf jeden Fall… ein sehr unterhaltsamer und auch abwechslungsreicher Film, den man vor allem wegen der guten Darsteller-Leistung immer wieder mal gucken kann… auch wenn man die Auflösung dann schon kennt.

  2. 16. April 2015 15:16

    Ufz. Ein guter Film, von dem mir wenig im Gedächtnis geblieben ist – vielleicht, weil ich im Nachklang die Romanvorlage gelesen habe, die den Film in Sachen Tiefe und Atmosphäre dann doch um Einiges übertrifft.

    • donpozuelo permalink*
      17. April 2015 09:51

      Nichts anderes hätte ich von der Vorlage erwartet. Das lässt der Film ja schon vermuten, dass da eine ziemlich starke Basis vorher war… trotzdem auch ein sehenswerter Film.

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