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In Teer geschrieben

10. April 2015

Viele Köche verderben den Brei, heißt es ja immer wieder gerne. Und wir kennen zahlreiche Beispiele, wo das auch mehr als nur zutreffend ist. Aber ab wie vielen Köchen sprechen wir denn davon, dass der Brei verdirbt? Manchmal reichen ja schon zwei, manchmal müssen es ein paar mehr sein. Tja, und manchmal taucht aber die Ausnahme der Regel auf und zeigt uns, dass viele Köche auch einen durchaus interessanten Brei kochen können.

In diesem Fall heißt dieser Brei „The Color of Time“ und wurde von einem ganzen Dutzend Regisseuren gekocht – das sind zwölf Menschen, die das Leben eines Mannes verfilmen. Denn „The Color of Time“ erzählt vom Dichter C.K. Williams, ein Pulitzer-Preis gekrönter Dichter. „The Color of Time“ erzählt von verschiedenen Stadien in seinem Leben, die ihn zu bestimmten Gedichten inspiriert haben.

Also, was lief da jetzt genau zwischen Turk und J.D.?

„The Color of Time“ ist die Art von Brei, die sicherlich nicht unbedingt jedem schmecken wird. Es ist aber auch ein Brei, der nicht wirklich schlecht, aber auch nicht wirklich gut ist. Also bleiben wir vielleicht einfach bei dem vorsichtigen „Interessant“… denn das Konzept, das Leben eines Dichters anhand seiner Gedichte zu verfilmen, ist eigentlich eine nette Idee – verzeihung, eine interessante Idee – aber so richtig funkt das Ganze nicht.

„The Color of Time“ präsentiert sich, wie sollte es anders sein, als Episoden-Film. Den roten Faden bildet ein 40-jähriger Williams, gespielt von James Franco, der sich zurückerinnert. Danach werden Episoden aneinandergereiht, die mal mehr und mal weniger erzählerischen Inhalt haben. Es sind halt einfach die bebilderten Gedichte – mal über die Mutter (Jessica Chastain), über die erste Liebe, erste sexuelle Erfahrungen, halt alles, was man als junger Mann so im Laufe seines Lebens erlebt.

Was mich wohl am meisten erstaunt hat, ist die Tatsache, dass die einzelnen Episoden sich vom Ton, von der Stimmung her schon gleichen. Bei zwölf Regisseuren hätte es ja durchaus sein können, dass hier und da mal herumexperimentiert wird. Jetzt bleibt natürlich die Frage, ob das was gutes oder was schlechtes ist. Vielleicht hätte es „The Color of Time“ gar nicht schlecht getan, wenn sich der Ton hin und wieder schon mal ein bisschen geändert hätte. Auf der anderen Seite geben C.K. Williams’ Gedichte diesen Ton an… und dem ordnen sich die Filmemacher unter.

Auch scheinen die Regisseure, allesamt Studenten der New York University, ein großes, sehr großes Vorbild gehabt zu haben: Terrance Malick. Wenn ich es vorher nicht gewusst hätte, wäre mit Malicks Name mit 100-prozentiger Wahrscheinlichkeit als erstes in den Sinn gekommen. Die schwebende, kreisende Kamera, die vielen Landschaftseinstellungen, die sehr lose, aneinandergereihte Handlung und vor allem dieser essayistische Blick auf Lebensereignisse… eigentlich hätten nur noch Dinosaurier gefehlt und „The Color of Time“ wäre ein zweiter „Tree of Life“ geworden (und Jessica Chastain hat ja in dem auch schon mitgespielt).

Mit einer Laufzeit von knapp einer Stunde gehört „The Color of Time“ wohl mehr in die Kategorie Kunstexperiment als in die Kategorie Spielfilm. Handlung in dem Sinne ist ja nicht unbedingt vorhanden. Es ist ein Film, der sich allein durch Williams’ Gedichte treiben lässt… die Darsteller geraten dabei fast schon ein bisschen in den Hintergrund. So lohnt es sich auch fast nicht über die kleinen Auftritte von Chastain, Franco, Mila Kunis oder Zach Braff zu sprechen. Sie sind solide… Hauptdarsteller sind die Gedichte und wer der Lyrik nicht abgeneigt ist, bekommt hier halt einen interessanten Film. Eine etwas andere Form des Biopics… der Film schafft es auf jeden Fall, auf C.K. Williams neugierig zu machen und liefert seinen jungen Regisseuren sicherlich auch ein gutes Bewerbungsfilmchen für die weitere Laufbahn.

Und nun??? „The Color of Time“… gucken oder nicht??? Lyriker können einen Blick riskieren, Malick-Fans auch (und wenn auch nur um zu meckern) und alle anderen eigentlich auch.. ist ja nur ein kurzer Film, der angenehm an einem vorbeischwebt…

Wertung: 6 von 10 Punkten (nichts Halbes und nichts Ganzes, aber doch irgendwie interessant… um mal beim Wort der Stunde zu bleiben)

2 Kommentare leave one →
  1. 11. April 2015 10:55

    Der Name Terrence Malick lässt mich ja erstmal spontan zurückschrecken. Aber falls mir der Film mal zufällig über den Weg läuft, dürfte ein Blick ja durchaus gestattet sein.

    • donpozuelo permalink*
      11. April 2015 13:54

      Dürfte gestattet sein. Kann man ja durchaus schauen… 😀

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