Skip to content

Gevatter Tod im Knast

30. März 2015

Kennt ihr das auch, wenn ihr einen Film schaut, der eigentlich überhaupt keinen Sinn macht, ziemlich schnell vorhersehbar ist und damit eigentlich eher langweilig sein sollte und ihr den dann trotzdem aus welchen Gründen auch immer einfach nur großartig findet? Allerdings tue ich „Let Us Prey“ auch keinen Gefallen, wenn ich ihn so einleite, aber es entspricht schon der Wahrheit – auf der einen Seite fand ich ihn großartig, auf der anderen aber auch irgendwie belanglos, weil er eben so vorhersehbar und eigentlich auch sinnfrei war.

Die junge Polizistin Rachel (Pollyanna MacIntosh) beginnt ihren ersten Dienst in einem kleinen Kaff irgendwo in Schottland gleich mit einer Verhaftung und einem verschwundenen Unfallopfer. Auf der Wache wird sie dafür müde belächelt… bis zu dem Zeitpunkt, als das Unfallopfer plötzlich auftaucht. Der Mann (Liam Cunningham) spricht erst kein Wort… doch dann untersucht ihn der Arzt, der fremde Mann flüstert ihm was zu und der Arzt dreht durch… und will den Mann umbringen. Beide wandern ins Kittchen – der eine wegen des Angriffs, der andere zur eigenen Sicherheit. Doch da unten, wo noch andere festsitzen, ist bald niemand mehr sicher vor dem Mann in Zelle Sechs.

That happens, when you spoiler GoT!!!

Wie gesagt, es wird in „Let Us Prey“ kein Hehl darum gemacht, dass Liam Cunningham den Tod spielt. Obwohl er vielleicht auch eher so etwas wie der Weihnachtsmann ist, der sich aber nur um die Kinder kümmert, die auf seiner „Böse“-Liste stehen: Denn Rachel findet bei diesem Unbekannten ein Buch mit Namen von verstorbenen Straftätern… und spätestens hier wird jedem klar, was Sache ist. Auch wenn das im Film niemand wahr haben will…

„Let Us Prey“ fängt unheimlich mächtig an… und mir fällt echt kein anderes Wort ein: Man sieht, wie sich riesige Wellen auftürmen und an die felsige Küste Schottlands knallen. Irgendwo aus diesem Chaos steigt eine Gestalt auf, umkreist von Raben und begibt sich auf seine Wanderung. Die Bilder von den Wellen – teilweise in Zeitlupe – die Vögel – ebenfalls hin und wieder in Zeitlupe – und dieser Mantelträger, der sich irgendwann auf einem Feld lässig eine Zigarette anzündet… das alles sieht schon sehr cool aus. Dazu gibt’s noch dröhnende Musik, die mich die ganze Zeit extrem an „Terminator“ erinnert hat und irgendwie hat man dann das Gefühl, man bekommt hier eine schottische Variante von „Die Vögel“ – mit der Ausnahme, dass man dieses Mal weiß, woher sie kommen – von Liam Cunningham.

Dieser nahezu epische Anfang kehrt sich dann ins Minimalistische um und der Film verlässt kaum noch das Polizei-Revier, in dem uns die Abgründe der menschlichen Seele offenbart werden. Und auch hier könnte man dem Film wieder vorwerfen, nicht sonderlich kreativ zu sein, denn hier ist einfach jeder der übelste Mörder und/ oder Psychopath. Es ist so, als hätte sich das Böse der Welt darauf geeinigt, sich auf einer Polizeiwache im Nirgendwo zu treffen… genau in der Nacht, wenn Gevatter Tod auch mal vorbeischaut. Und „Let Us Prey“ liefert hier auch keine kleinen Vergehen, sondern nur so richtig, richtig übles Zeug. Nach dem Motto: „Wenn schon, dann richtig!“

Und trotzdem hat mich der Film von der ersten bis zur letzten Minute gefesselt (na gut, vielleicht nicht bis zur letzten, weil die letzten zwei Minuten wirklich strange sind). Brian O’Malley (nicht verwechseln mit Comiczeichner und „Scott Pilgrim“-Schöpfer Bryan O’Malley) setzt in seinem Debüt auch Minimalismus und lässt die Gemüter auf engstem Raum zum Brodeln bringen. Wir bekommen das Böse auf dem Silberteller serviert und warten gespannt darauf, wie diese Leute in ihrem selbst verursachten Chaos zugrunde gehen. Dabei schert sich O’Malley halt wenig um Plausibilität… und trotzdem schafft er eine unheimliche Stimmung, eben weil man nur darauf lauert, a) welche Grausamkeit wir über die nächste Person in der Wache erfahren und b) in was für einem Inferno das alles enden könnte. Und auch da dreht O’Malley dann einfach fröhlich am Rad… was aber auch einfach nur gut ist.

Es ist also ein äußerst interessantes Regie-Debüt, das O’Malley hier vorlegt. „Let Us Prey“ wird sicherlich genauso viele Freunde wie Feinde finden, denn man muss diesen Film wirklich mögen, ansonsten dürfte er wahrscheinlich wirklich langweilig sein. Ich gehöre zu den „Prey“-Freunden und habe mich prächtig unterhalten gefühlt von O’Malleys kleinem Wahnsinn.

Wertung: 8 von 10 Punkten (Ser Davos als Gevatter Tod ist großartig!!!)

Advertisements
6 Kommentare leave one →
  1. 30. März 2015 15:19

    Das ist jetzt die zweite wunderprächtige Meinung zu dem Film, die ich bisher gelesen habe. Wird mal weiter beobachtet, zumal Liam Cunningham ja ohnehin ein guter ist.

    • donpozuelo permalink*
      31. März 2015 14:20

      Liam Cunningham ist schon ein Guter. Das stimmt. Den Film kann man sich auf jeden Fall anschauen.

  2. 30. März 2015 22:49

    Da haben wir zwei verschiedene Versionen gesehen 😀
    Meine war richtig schlecht. Kein Nullerfilm, aber teilweise echt anstrengend. Gut als 5. Film nach einem langen Tag mag ich das anderes gesehen haben, aber im Mittelteil war er mir zu drüber. Weniger (Sünder) wäre(n) hier mehr gewesen.

    • donpozuelo permalink*
      31. März 2015 14:21

      Echt? Anstrengend fand ich den gar nicht. Aber ich kenne mehrere Menschen, die den jetzt auch nicht so abfeiern wie ich. Naja… die Sache mit den verschiedenen Geschmäckern halt 😀

  3. 4. April 2015 10:50

    Mensch … der Film ist irgendwie total an mir vorbeigegangen – klingt aber so, als ob ich den unbedingt sehen will. Wird bald nachgeholt. 🙂 Ich weiß auch nicht, irgendwie bin ich immer extrem neugierig auf Personifikationen von bspw. dem Tod in Filmen.

    • donpozuelo permalink*
      7. April 2015 09:23

      Es ist auf jeden Fall interessant. Vor allem, weil hier das Interessante für mich die Tatsache war, dass sie es gar nicht groß verheimlichen, dass er der Tod ist. Verheimlicht wird nur, warum und wieso er wirklich da ist. Das macht den Film dann wieder recht spannend…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: