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Manners maketh man

20. März 2015

Ich warte ja schon mit Spannung auf den neuen Bond. Allein die Tatsache, dass sie für Bonds 24. Abenteuer S.P.E.C.T.R.E. wieder aufleben lassen, erweckt in mir die Hoffnung, dass die Reihe vielleicht ein bisschen zu ihrem alten Charme zurückkehrt. So toll „Skyfall“ und Co. mit Craig auch waren, waren sie mir letzten Endes doch auch immer ein bisschen zu ernst. Alles musste glaubhaft wirken… was cool ist, aber bei Bond kann ich auch ein bisschen Gaga gut vertragen. Nicht ganz so viel Gaga wie am Ende bei Roger Moore, aber ein bisschen.

Doch bevor wir abklären können, wie der neue Bond nun werden wird, verschafft ein anderer Film auf nahezu perfekte Weise Abhilfe und versüßt die Wartezeit auf den britischen Doppel-Null-Agenten. Klar, die Rede ist von „Kingsman – The Secret Service“. Darin wird der Tu-Nicht-Gut Eggsy (Taron Egerton) vom Kingsman-Agent Harry Hart (Colin Firth) angeworben, selbst ein Agent zu werden. Immerhin verdankt Hart Eggsys Vater sein Leben und außerdem wurde gerade ein anderer Kingsman ermordet, also ist eine Stelle frei. Und die muss gefüllt werden, denn Milliardär Valentine (Samuel L. Jackson) verfolgt einen noch unbekannten Plan, der die Menschheit bedroht.

Die Style-Polizei kommt gleich…

Man merkt es schon an der Inhaltsangabe: Es ist eigentlich alles da für einen Bond-Film. Der britische Agent, ein Bösewicht, ein Plan, die Welt zu vernichten, Gadgets, schöne Frauen, merkwürdige Schergen… alles da. „Kingsman“ ist in erster Linie wirklich eine grandiose Parodie auf das Bond-Genre, was auch unverfroren im Film angesprochen wird. Es ist halt die Variante von Bond-Geschichte, die zu Roger Moores Zeiten perfekt gepasst hätte – man darf das hier alles nicht zu ernst nehmen, dann funktioniert das schon.

Ich gestehe auch, dass ich eigentlich schon vom ersten Trailer an ziemlich begeistert war. Beunruhigt hat mich irgendwie nur die Tatsache, dass „Kingsman“ die zweite Kollaboration zwischen Regisseur Matthew Vaughn und Comic-Mastermind Mark Millar sein würde. Denn ich stehe ja dazu, dass ich mit „Kick-Ass“ nicht wirklich viel anfangen kann. Aber für alle, die das ähnlich sehen mögen, hier die Entwarnung: „Kingsman“ hat so einiges mehr zu bieten als „Kick-Ass“.

Da wäre zuerst einmal eine „vernünftige“ Story mit coolen Charakteren. Das „vernünftig“ steht natürlich in Anführungszeichen, weil man diesen Film einfach nicht zu vernünftig betrachten soll. Das sieht man an einem lispelnden Schurken, der grandios von Samuel L. Jackson verkörpert wird – ein Schurke, der kein Blut und keine Gewalt vertragen kann und der McDonald’s zum Dinner serviert. Schon mal irgendwie ein Pluspunkt für Absurdität. Dazu geht Vaughn dann einfach voll in der absurden Story auf… und liefert einen gekonnten Mix aus Action und Comedy ab. Zugegeben, der „Origin“-Part von Eggsy, all seine Prüfungen in der Kingsman-Bewerbung, ist etwas lang geraten. Nicht zu lang, aber hart an der Grenze. Wenn Vaughn hier nicht den Ton gehalten hätte, wäre ich wahrscheinlich schon früh ausgestiegen. Aber es passt halt – die Underdog-Story macht Laune…

Womit wir zum zweiten Punkt kommen, der mich sehr begeistert hat: „Kingsman“ ist very british! Und das tut dem Film richtig gut – irgendwie. Der Humor ist schön trocken und wird in bester Gentleman-Manier von einem echten Gentleman abgeliefert. Colin Firth ist spitze – nach diesem Film kann ich mir ihn tatsächlich auch noch gut als Bond selbst vorstellen. Doch auch Neuzugang Taron Egerton überzeugt mit seiner rotzfrechen Straßenköter-Attitüde… (und es empfiehlt sich dann natürlich auch, den Film im O-Ton zu schauen, um den Genuß von Egertons rotzigem Akzent zu kommen)

Also: 1) gute Story, die Bond auf den Arm nimmt, ohne ihn ins Lächerliche zu ziehen (es ist vielmehr ein Verbeugen mit Augenzwinkern), 2) tolle Darsteller (durch die Bank durch gut und vor allem auch passend besetzt… tja und drittens???

Drittens dürfte wohl die Tatsache sein, dass Vaughn noch nie so großartig die Kämpfe inszeniert hat wie in „Kingsman“. Ich will gar nichts verraten, aber es gibt eine Szene, in der Colin Firth gegen eine riesige Horde kämpfen muss (und ich meine nicht den Barkampf, den man schon im Trailer sieht) – selbst im größten Getummel lässt Vaughn die Kamera nicht hektisch werden. Sie bleibt zentriert auf Firth und fängt trotzdem das Geschehen um ihn herum ein. Diese Szene gehört jetzt schon zu meinen Lieblingskampfszenen – was dann nur noch getoppt wird durch das Ende, in dem Vaughn alle Zügel loslässt und einfach mal herrlich durchdreht.

„Kingsman – The Secret Service“ ist großartige Unterhaltung – der Film entwickelt seinen eigenen Stil, bleibt aber auch immer irgendwie Comic und Agenten-Parodie. Ich weiß nicht, was ich noch sagen soll: Das ist schon mal eine richtig positive Überraschung in diesem Jahr.

Wertung: 9 von 10 Punkten (mit „Kingsman“ kann man sich das Warten auf Bond 24 bestens versüßen)

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14 Kommentare leave one →
  1. 20. März 2015 09:47

    Es stimmt, KINGSMAN kann einem die Wartezeit auf JAMES BOND: SPECTRE versüßen. So langsam verstehe ich, wie es wohl gewesen sein muss, als man Liam Neeson zum ersten Mal als Actionheld auf der Leinwand sah. Aber im direkten Vergleich macht Colin Firth eine stärkere Transformation durch. Die Kampfszenen sind der Wahnsinn und ich habe immer mit ihm mitgelitten. Who cares about the boy? Colin Firth ist die Schlagzeile. 😉

    Meine Rezension zu Film: https://filmkompass.wordpress.com/2015/03/17/kingsman-the-secret-service-2014/

    • donpozuelo permalink*
      20. März 2015 12:22

      Ja, Colin Firth ist viel besser… denn er verkörpert ja eben nicht diese Art Action-Typ, auf den Liam Neeson abzielt. Firth ist halt britischer Gentleman-Agent und das macht er verdammt gut.

  2. 20. März 2015 11:26

    Aha! Muss man sich in dem Fall vielleicht doch noch ansehen …

    • donpozuelo permalink*
      20. März 2015 12:23

      Mach das, der ist wirklich sehr zu empfehlen!

  3. 20. März 2015 15:30

    Könnte glatt noch ein drittes Mal rein! Rotzfrech und doch so cool. Schafft nicht jeder.

    • donpozuelo permalink*
      20. März 2015 15:32

      Oh ja… das wird auf jeden Fall auch so ein Kandidat fürs Film-Regal. Den kann man sich echt immer mal wieder anschauen.

  4. 22. März 2015 19:26

    Okay – hatte den Film eigentlich so gar nicht in Betracht gezogen. Das ist jetzt aber schon das zweite Mal, dass ich dermaßen viel Lob über den Film lese. Sollte ich vielleicht doch schauen 🙂

    • donpozuelo permalink*
      23. März 2015 09:17

      Ja, auf jeden Fall!!! Ist ein echt unterhaltsamer Film!!!

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