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Chinese GoodFellas

16. März 2015

Martin Scorsese hat in meinen Augen ein bisschen was wiedergutzumachen. Und ich rede jetzt nicht von meiner Enttäuschung über „The Wolf of Wall Street“. Es geht mir vielmehr um sein Remake von „Infernal Affairs“. Ich weiß, möglicherweise bin ich kleinlich und ja, „Departed“ war kein per se schlechter Film, aber irgendwie hat mich der Film nie so begeistern können. Und man könnte jetzt unken (was ich mir verkneifen werde), dass Scorsese selbst vielleicht deswegen ein schlechtes Gewissen hat. Entweder das oder er wollte einfach mal einen coolen Filmemacher dem westlichen Publikum näher bringen. Oder – Option Nummer 3 – er war einfach zu sehr davon beeindruckt, wie stark sich Andrew Laus „Revenge of the Green Dragons“ an Scorsese-Filmen orientiert. Und bevor jemand fragt, wie die anderen Punkte zusammengehören: Andrew Lau ist einer der Regisseure von „Infernal Affairs“!

„Revenge of the Green Dragons“ erzählt die Geschichte von Sonny (Justin Chon), der als junger chinesischer Immigrant nach New York kommt. Da er ohne Eltern angekommen ist, wird er einfach einer Familie zugewiesen… und gemeinsam mit seinem „Bruder“ Steven (Kevin Wu) gerät er schon als Junge an die Gang der „Green Dragons“. Und mehr und mehr nimmt das Gangleben sein eigenes in Anspruch…

Schalt den Fernseher wieder ein…

Wie gesagt, es klingt schon von der Grundidee wie „GoodFellas“ und es ist halt auch irgendwie „GoodFellas“, dazu vermenge man noch ein bisschen „Gangs of New York“ wegen der ganzen verschiedenen Gangs, die sich in New York auf die Nase geben (ich weiß, ich bin schon verdammt lustig 😉 ), gebe noch ein bisschen „Mean Streets“ dazu, wegen der „Brudergeschichte“ zwischen Sonny und Steven und fertig ist „Revenge of the Green Dragon“. Hier und da blitzt vielleicht noch ein bisschen was von „Scarface“ und „Es war einmal in Amerika“… und fertig ist ein Film, den man sehr gut mit Martin Scorsese assoziieren kann. Und auch sofort wird.

Dabei finde ich es fast ein bisschen schade, dass Lau so extrem bei seinem Gönner abkupfert, hat er doch selbst tolle Filme gedreht. Dieser Film trägt mir dann manchmal doch zu oft den Scorsese-Stempel und wirkt nicht unbedingt wie etwas Eigenes. Vielleicht lag’s bei mir auch einfach daran, dass es gewöhnungsbedürftig ist, so einen Asia-Thriller mit New-York-Setting zu sehen. Denn Lau (und Co-Regisseur Andrew Loo) bleiben dem Genre an sich sehr treu, können aber auch nichts wirklich Neues hinzufügen – außer halte dem Aspekt, dass es sich jetzt mal um chinesische Immigranten handelt. Themen wie Familie, Loyalität, Betrug… kennt man, hat man sicherlich in anderen Filmen auch von Anfang an packender erlebt.

Man muss „Revenge of the Green Dragons“ und sich selbst ein bisschen Zeit geben. Wenn man selbst aufgehört hat, alle Scorsese-Vergleiche herauszuarbeiten, erlebt man einen spannenden Mafia-Thriller, der dem typischen Clan-Gekloppe noch eine nette Wendung hinzufügen kann.

Besonderes kleines Highlight des Films dürfte dann wohl der Auftritt von Ray Liotta sein, der hier den ermittelnden Agenten spielt. Mit einem kleinen Augenzwinkern lässt man hier also den amerikanischen GoodFella gegen die chinesischen GoodFellas ermitteln.

Alles in allem ist „Revenge of the Green Dragons“ ein ordentlicher Mafia-Film geworden, der nach anfänglichen Schwierigkeiten doch recht spannend wird und auch gut an Fahrt aufnimmt. Und wer dazu noch ein kleines Scorsese-Bingo veranstaltet, hat richtig viel Spaß an dem Film.

Wertung: 6 von 10 Punkten (solider Mafia-Streifen, der fleißig Scorsese kopiert)

4 Kommentare leave one →
  1. 16. März 2015 15:39

    Da bin ich mal gespannt, der liegt ganz oben auf meinem SuF. Allerdings war ich damals schon vom Trailer nicht so angetan. Und wenn du jetzt scheibst dass er zu sehr Scorsese sei… meh. Da habe ich direkt weniger Lust auf den Film.

    PS: Endlich mal jemand, der „Departed“ nicht über den grünen Klee lobt! Hatte letztes Jahr versucht den Film durchzuziehen und nach Möglichkeit den Remakegedanken auszublenden… aber irgendwie funktionierte das nicht. Mir war „Departed“ einfach viel zu gestreckt und langatmig, als dass er mich hätte fesseln können. Nach 30 Minuten habe ich ihn dann ausgemacht. Eigentlich schade, da der Film im Prinzip wie für mich gemacht schien.

    • donpozuelo permalink*
      16. März 2015 16:29

      Ja, man muss „Revenge of the Green Dragons“ ein bisschen Zeit geben, der entwickelt sich erst sehr langsam…

      Und was „Departed“ angeht, gebe ich dir vollkommen Recht. Mich hat damals auch geärgert, dass Scorsese dafür seinen lang verdienten Oscar ausgerechnet dafür bekommen hat. Ist bei weitem nicht sein stärkster Film.

  2. 17. März 2015 15:36

    Ich kann das Gemäkel an „The Departed“ nicht recht nachvollziehen. Man muss den Film schon allein dafür mögen, dass er die Fahrstuhlszene richtig hinbekommt, die das Original mit der unnötigen Zeitlupe leider völlig verhauen hat – eines der größten Probleme, das ich mit „Infernal Affairs“ (wenn auch zweifelsohne ein guter Film) habe.

    • donpozuelo permalink*
      18. März 2015 09:12

      Schwer zu erklären, aber irgendwie hat „The Departed“ bei mir nie so richtig gezündet. Und ich glaube, das wäre auch der Fall gewesen, wenn ich das Original vorher nicht gesehen hätte.

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