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Die glorreichen Drei

11. März 2015

Treffen sich ein Rahmenbauer, ein Häftling und ein Schweinefarmer in einer Bar… und machen dann Sachen, die weniger klingen wie ein Witz als es der Anfang dieses Satzes vermuten lässt. Denn a) bin ich jetzt nicht sonderlich gut im Erfinden von Witzen und b) ist „Cold in July“ kein Film über den ich Witze machen werde – egal, wie absurd diese Ausgangsposition auch sein mag.

Wie gesagt, in Jim Mickles „Cold in July“ lernen wir als erstes Rahmenbauer Richard Dane (Michael C. Hall) kennen, der gleich zu Beginn einen Einbrecher erschießt. Aufgewühlt von der Tat findet Richard nur schwer in die Normalität zurück, was nur noch dadurch erschwert wird, dass der Vater des Einbrechers, Ex-Häftling Ben Russell (Sam Shepard), es auf den Mörder seines Sohnes abgesehen hat. Die örtliche Polizei versucht zu helfen… doch sieht Richard ein Bild von Russells Sohn und muss feststellen, dass das nicht der Mann ist, den er erschossen hat. Nun forscht er gemeinsam mit Russell und dessen Freund und Detektiv und Schweinefarmer Jim Bob Luke (Don Johnson) nach der Wahrheit…

Sie suchen noch ihr viertes Musketier…

Ich weiß nicht, was ich als erstes bei „Cold in July“ feiern soll – die Tatsache, dass man Michael C. Hall nach „Dexter“ mal wieder in einem Film sieht; seinen üblen Porno-Balken über der Lippe oder doch lieber Don Johnson als übelster Texaner-Verschnitt mit dem wunderschönen Namen Jim Bob Luke??? Warum also nicht einfach alles nehmen…

„Cold in July“ ist ein Film, der nicht langweilig wird, aber der auch ein bisschen in die Irre führt. Eigentlich ist „Cold in July“ ein Film mit zwei Filmen – ein bisschen wie „The Place Beyond The Pines“. Man bekommt diesen kleinen Twist zur Mitte des Films und plötzlich wird aus diesem Drama um einen besorgten Familien-Vater ein Rachethriller. So gut das Konzept auch ist, habe ich doch ein kleines Problem damit… und dieses Problem lautet Richard Dane, Halls Charakter:

Anfangs wird uns gezeigt, wie sehr er darunter leidet, jemanden erschossen zu haben und wie er gleichzeitig versucht, Vergebung zu finden – besonders beim Vater seines „Opfers“. Hier spielt Michael C. Hall dann auch wirklich richtig gut diese innere Unruhe in Richard, der wirklich mit sich zu kämpfen hat, weil er jemanden ermordet hat. Der selbst mit den Beruhigungsversuchen der Polizei, es sei ja Notwehr gewesen, nicht klar kommt. Er halt jemanden ermordet. Und das ist ein Ereignis, dass sich wohl bei jedem Normalo tief in die Seele und ins Gewissen brennt.

Aber dann, wie gesagt, nimmt der Film ja eine interessante Wendung vor, aus dem Drama wird ein Rachefilm mit diesen glorreichen Drei… und hier wird aus unserem ehemaligen Zweifler ein echter Rambo, der wild um sich schießt und auch ohne zu Zucken ein paar Kugeln einsteckt. So cool der Film an sich auch ist, diese Charakterzeichnung in Richard Dane stieß mir die ganze Zeit sauer auf. Das hat einfach nicht gepasst. Da hätte ich es dann irgendwie cooler gefunden, wenn man Hall im zweiten Teil des Films einfach ein bisschen mehr zurücknimmt…

Was dem Film nicht geschadet hat, denn mit Sam Shepard und Don Johnson hätte man auch ein grandioses Duo. Shepard als der ewig Grummelige und Don Johnson einfach nur als grandioser Texaner – inklusive großem Cowboy-Hut, fetter Gürtelschnalle und Ochsenhörnern am Auto. Die beiden hätten dann den Rache-Part übernehmen können…

Aber naja… auch wenn das mit Michael C. Halls Charakter vielleicht bei mir nicht hingehauen hat, funktioniert der Film trotzdem ziemlich gut. Jim Mickle erzählt seine Story gut und wie gesagt, tut die Wendung dem Ganzen echt gut. „Cold in July“ ist definitiv auch ein Beweis dafür, dass man Mickle im Auge behalten könnte – was ich ja eigentlich schon seit „Vampire Nation“ versuche, aber Mickle geht sein Handwerk ja mit Ruhe an. „Cold in July“ kann sich auf jeden Fall sehen lassen…

Wertung: 8 von 10 Punkten (Dexter hat erst Angst vorm Morden, dann doch nicht…)

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