Zum Inhalt springen

Gangsta Robot No. 1

4. März 2015

Ich muss ja gestehen, dass ich eigentlich kein so großer Neill-Blomkamp-Fan bin. „District 9“ fand ich anfangs echt gut, aber dann wurde mir der zum Ende doch ein bisschen langweilig. Da aber zeigte sich zumindest, dass Blomkamp immerhin frische Ideen hat und dem ganzen Sci-Fi-Genre vielleicht ein bisschen den nötigen neuen Anstrich verpassen könnte. Dann kam „Elysium“… und wieder habe ich mich dem Blomkamp-Hype hingegeben und wieder waren ein paar nette Ideen dabei, aber auch wieder nichts, was den Hype gerechtfertigt hätte. „Elysium“ war schon irgendwie schwach… und ich find’s ja mittlerweile fast ein bisschen niedlich, dass Blomkamp das so erklärt, dass er den Film ja nicht mit seiner Frau zusammengeschrieben hat. Die war nämlich beim ersten am Drehbuch beteiligt.

Tja, solche Ausreden zählen jetzt nicht mehr, denn die gute Terri Tatchell (Blomkamps Frau) hat fleißig an Blomkamps drittem Film mitgeschrieben. Und, wie es so schön heißt, sind ja aller guten Dinge drei und so kommt für mich nun auch endlich mal die Zeit, einen Neill-Blomkamp-Film richtig gut zu finden. Naja, okay, so richtig gut ist „Chappie“ auch nicht, aber er ist meiner Meinung nach sehr viel unterhaltsamer als Blomkamp-Film 1 und 2. Was für alle Blomkamp-Fans jetzt schon mal bedeuten dürfte, dass sie „Chappie“ so richtig lieben werden.

Wieder einmal führt uns Blomkamp in eine nicht weit zu entfernte Zukunft, in RoboCops für Recht und Ordnung sorgen. Nur heißen die hier nicht RoboCops und haben auch keine menschlichen Komponenten, sondern hier sind es so genannte Scouts. Erfunden hat die Dinger der Wissenschaftler Deon (Dev Patel), sehr zum Ärgernis seines Konkurrenten Vincent Moore (Hugh Jackman), dessen Moose nun aber wirklich nicht verschweigen kann, dass Blomkamp großer „RoboCop“-Fan zu sein scheint (Das Ding sieht nämlich wirklich aus wie der ED 209). Und irgendwann entwickelt Deon in seiner Freizeit eine künstliche Intelligenz, die er in einen defekten Scout einpflanzt. „Chappie“ ist geboren… und landet auch gleich in den Händen von Ninja (Ninja) und Yolandi (Yolandi Visser), die das quasi Neugeborene zum Gangsta erziehen wollen, während Deon ihm was vernünftiges beibringen will.

Der Fist-Bump-Gag ist hier sogar fast noch besser als bei „Big Hero Six“…

„Chappie“ ist wirklich ein bisschen sehr viel RoboCop, aber das kann man an dieser Stelle verschmerzen. Denn auch wenn vieles an den Kultklassiker erinnert, schafft es Blomkamp doch auch noch seine eigene Geschichte unterzubringen. Und die ist, im Vergleich zu seinen beiden Vorgängern, etwas umgänglicher und sogar lustiger. Denn im Mittelpunkt steht ja irgendwann ein Roboter namens Chappie, der aber erst noch was lernen muss… und dabei ist er anfällig auf alles. Und hier steckt dann vielleicht eher Blomkamps Botschaft als in irgendwelchen Diskussionen um Polizei, Recht und Roboter. Denn mit seinem Roboter Chappie zeigt er uns, wie stark Kinder durch ihre Umgebung beeinflusst werden. Gut, das ist jetzt keine wahnsinnige neue Entdeckung, aber Blomkamp macht das alles sehr liebevoll. Immer wieder schwankt Chappie zwischen Gangsta Robot und normalem Kind… er wird ein Spielball der verschiedenen Interessen, aber keiner hört darauf, was der Roboter vielleicht selbst möchte.

Ich glaube, zuletzt hat mich mit „Wall-E“ ein Roboter so sehr bewegt wie „Chappie“. Der wirkt in diesem Film manchmal echt menschlicher als seine menschlichen Gegenparts. Dazu kommt, dass Blomkamp-Mitstreiter Sharlto Copley im Performance-Capturing-Anzug dafür sorgt, dass „Chappie“ so echt wirkt wie nur möglich. Dazu kommt wirklich gute Arbeit der Animationsabteilung… und so hat man echt das Gefühl, der Roboter wäre direkt vor Ort am Set gewesen. Und auch wenn die Öhrchen vielleicht ein bisschen albern aussehen (und den ein oder anderen vielleicht an „Appleseed“ erinnern – was nicht einmal unbedingt unbeabsichtigt ist, war Blomkamp doch ein großer Fan), diese kleinen Öhrchen funktionieren ziemlich gut. Denn wie bei einem Hund zeigen sie ganz genau, was der sonst recht gesichtslose Chappie fühlt. Das zusammen mit der Körpersprache lässt diesen großen Metallhaufen wirklich zu einem Lebewesen werden, mit dem man wirklich mitleiden kann.

Neben Copley gibt es noch zwei andere, die diesen Film wunderbar an sich reißen. Und nein, von den großen bekannten Namen ist es niemand. Sigourney Weaver taucht wohl nur auf, damit Blomkamp sich schon mal auf „Alien 5“ vorbereiten kann. Hugh Jackman versauert auch ein wenig in Shorts und Vokuhila, aber darf wenigstens endlich mal als Schurke über die Stränge schlagen. Und von Dev Patel brauchen wir gar nicht erst sprechen… nein, die Antwort auf die Frage, wer in diesem Film noch besser ist als alle anderen ist „Die Antwoord“ (sorry, das musste sein).

Das Rap-Duo (nennt man die ein Rap-Duo???) aus Südafrika, dass durch wirklich extrem krasse und merkwürdige Musikvideos bekannt wurde, rockt diesen Film. Die beiden geben das merkwürdigste und gleichzeitig sympathischste Mutter-Vater-Gespann überhaupt ab. Und bestücken den Film auch gleich noch mit einem passenden Soundtrack… bessere Werbung hätten die beiden nicht haben können.

Insgesamt ist „Chappie“ wirklich ein amüsanter und nachdenklich stimmender Film… endlich mal ein cooler Blomkamp-Film, auch wenn der am Ende mal wieder ein bisschen ausrastet und den guten Anfang in einem Videospiel-artigen Feuergefecht untergehen lässt. Das hätte vielleicht nicht sein müssen, ist aber verschmerzbar…

Wertung: 7 von 10 Punkten (dieser Roboter ist sehr sympathisch, da verzeiht man das etwas verkorkste Ende)

15 Kommentare leave one →
  1. 4. März 2015 08:03

    Schon lustig, an dem Film habe ich 0 Interesse. Und das, obwohl ich District 9 sehr mochte. Vll später mal auf DVD. Liest sich ja auch durchaus so, als würde das reichen. 😉

    • donpozuelo permalink*
      4. März 2015 10:25

      Es ist jetzt nicht zwingend ein Film, den man im Kino gesehen haben muss. Das ist wohl wahr 😉

  2. 4. März 2015 21:46

    Aber aber aber … o_o als ich den Trailer gesehen hab, musste ich sofort an „Nummer 5 lebt“ denken. Ein niedlicher Roboter, der für böse Zwecke genutzt werden soll … es kann doch nich sein, dass da keine Parallele ist? :O (Nicht, dass du nicht schon genügend andere Parallelen gefunden hättest, nein! xD)

    • donpozuelo permalink*
      5. März 2015 09:51

      Stimmt, ein bisschen „Nummer 5 lebt“ steckt auch mit drin… es ist halt alles ein bisschen zusammengeklaut. Aber die größte „Inspirationsquelle“ muss doch „RoboCop“ gewesen sein 😀

      • 5. März 2015 16:18

        Okay, gutes Argument.^^ Ich wollte es eigentlich auch nur um den Niedlichkeitsfaktor ergänzt haben. 😀

        • donpozuelo permalink*
          5. März 2015 18:43

          Ach so… ja, klar… aber hatte Nummer 5 auch so niedliche Ohren??? 😉 Die sind an Chappie echt sehr putzig (wenn ich das mal so unprofessionell sagen darf 😀 )

        • 5. März 2015 18:47

          Der hat Augen mit rumwackelnden äh Semiaugenbrauen! 😀 Das war damals auch süß. ^^
          Unprofessionell, oh nein, jetzt hast du mein Bild vom professionellen Filmreviewer mit Karohemd und Klemmbrett zerstört! :O

        • donpozuelo permalink*
          5. März 2015 22:57

          Oh verdammt… das wollte ich natürlich nicht… Verzeihung!!!

        • 6. März 2015 09:37

          Zu spät! *schnief* R.I.P. imaginärer Filmbeurteilungsbeamter mit Klemmbrett! ;_;

        • donpozuelo permalink*
          6. März 2015 09:48

          Beim FSK gibt’s die bestimmt noch in genau der Ausführung 😀

        • 6. März 2015 13:06

          XD Na dann kannst du dir da ja bei Bedarf mal einen ausleihen, der deine Beiträge angenehm steif und öde verschlimmschönert. 😉

        • donpozuelo permalink*
          8. März 2015 22:01

          Hmmm… ich weiß nicht 😉

        • 8. März 2015 22:09

          😀 Ich sag ja „bei Bedarf“. Also nie. 😉

  3. 6. März 2015 16:16

    Er hat schon sehr an den alten Robotcop erinnert, in Kombi mit „Nr. 5 lebt!“ und dem klassischen Blomkamp-Südafrikaghettostyle 😀
    Tja „Die Antwoord“ sagte mir bislang nicht viel. Sie kannte ich vom sehen, aber ein Glück mag ich Drum & Bass und diese Art von Elektro gerne, somit war ein großer Teil des Films schon mal anhörbar ;D

    • donpozuelo permalink*
      8. März 2015 22:03

      Ich mag die Mukke sonst eher weniger, aber die beiden finde sogar ich ziemlich cool 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: