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Rache für Daisy

20. Februar 2015

Was ist eigentlich in letzter Zeit mit all diesen alten Männern los, die in Hollywood auf Action-Helden machen? Ich weiß gar nicht mehr, ob das nun mit Stallones Rentner-Zusammenkunft der „Expandables“ anfing oder doch mit Liam Neeson, der alle in „96 Hours“ damit überraschte, dass in den alten Knochen noch ordentlich was drin streckt. Aber mittlerweile kommt so das Gefühl auf, da entwickelt sich ein neues Sub-Genre des Actionkinos, in dem vorwiegend ältere Männer sich tapfer zur Wehr setzen. Demnächst folgt ja auch irgendwie Sean Penn in den Fußstapfen von Neeson, aber vorher ist der gute alte Keanu Reeves dran und versucht sich noch einmal als Action-Ikone in „John Wick“.

Wer hat Angst vor dem Schwarzen Mann? Nach Aussage von Gangsterboss Viggo (Mikael Nyqvist) sollte der Schwarze Mann auf jeden Fall Angst vor John Wick (Reeves) haben. Denn Wick ist ein knallharter und gewissenhafter Killer. Gewesen, wohlgemerkt – schließlich kam eine Frau dazwischen und John Wick begab sich in den Ruhestand. Doch dann trifft John Wick auf Viggos Sprößling Josef (Alfie Allen), der scharf ist auf Johns Auto und es ihm stiehlt, ohne allerdings zu wissen, wen er da vor sich hat. Das alles wäre vielleicht nicht so schlimm gewesen, wenn Josef nicht auch noch Daisy getötet hätte, den kleinen, süßen Hund, den John von seiner verstorbenen Frau bekommen hat. Und schwupps… ist der Ruhestand von John vorbei.

Neo hat die Seiten gewechselt und trägt jetzt Anzug…

Jaaaaa, man darf nicht zu viel über diese Story nachdenken. Da hat sich Drehbuchautor Derek Kolstad nämlich wirklich nicht allzu viel Mühe gegeben. Wahrscheinlich hat er vor seinem Laptop gesessen und sich überlegt, was war denn noch nicht da? Ein völlig überzogener Rachefeldzug wegen eines Hundes? Why not??? Kann man ja mal ausprobieren. Und so schrieb Kolstad von dem Mann, der seinen Hund rächt, von einem Gangsterboss, der allen erzählt, dass niemand diesen Mann stoppen kann und es trotzdem immer wieder versucht. Kolstad schrieb ein Drehbuch, dass wahrscheinlich recht kurz war… voller Klischees, ohne jegliche Überraschung und ohne viel Verstand.

Dem ehemaligen Stuntman Chad Stahelski wurde dann die Aufgabe zuteil, dieses Drehbuch irgendwie zu verfilmen. Das hätte furchtbar in die Hose gehen können, ist dann aber zum Glück doch recht unterhaltsam geworden… wenn man halt die Story und die öden Dialoge und Einzeiler vernachlässigt. Dann nämlich lässt „John Wick“ – gerade in den erst 45 Minuten – echtes Video-Spiel-Feeling aufkommen. Gerade, wenn der gute John das erste Mal in seinem Haus von mehreren Typen überfallen oder wenn er sich in einem Nachtclub durch mehrere russische Killer kämpft. Da hat man wirklich fast das Gefühl, man spielt „Hitman“ oder irgendwas in die Richtung. Die Fights sind schnell und präzise, John Wick ist der Übermacker im Nahkampf als auch im Umgang mit Waffen und so ziemlich jeder böse Bube wird punktgenau exekutiert – meistens immer mit einem Sicherheitsschuß in den Kopf. Er selbst kriegt natürlich nicht allzuviel ab… er ist ja der Typ, vor dem alle Angst haben sollten. Der Überkiller… so gut die Fights auch aussehen mögen, so ermüdend wird das Ganze doch zum Ende des Films auch, weil einfach immer und immer wieder deutlich gemacht wird, dass man einem John Wick einfach kein Härchen krümmen kann.

Immerhin liefert Keanu Reeves eine halbwegs gute Figur und sieht mit Anzug und Krawatte fast schon wie der härtere, kleine Bruder von James Bond aus. Manch einer hätte sich gerade bei seinem Charakter ein bisschen mehr Tiefe gewünscht, aber dafür ist in diesem Film angesichts der Klopperei einfach keine Zeit. Hund tot, Auto weg… Berserker-Modus an. Alle anderen Darsteller – ob nur Alfie „Theon Greyjoy“ Allen oder Mikael Nyqvist oder die gute Adrianne Palicki und selbst Willem Dafoe – wirken ein wenig flach.

Aber hey… wir reden hier von einem Film, in dem ein Ex-Killer durchdreht, weil jemand seinen kleinen Hund getötet hat. „John Wick“ ist halt Hochglanz-Action mit dürftiger Story, aber dennoch irgendwie unterhaltsam. Es ist halt ein Videospiel… ballern, durchladen… und sich zwischendurch Zeug mit Hilfe von Goldmünzen kaufen. Da muss man nicht viel nachfragen.

Wertung: 6 von 10 Punkten (macht Spaß, ist kurzweilig, aber auch schnell wieder vergessen – zumindest ist Hundchen Daisy wirklich zuckersüß)

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9 Kommentare leave one →
  1. 20. Februar 2015 21:39

    Ich mag den Film 😀

    • donpozuelo permalink*
      21. Februar 2015 21:49

      Sehr gut. Ich mochte ihn eigentlich auch… aber wie gesagt, er ist auch schnell wieder vergessen. Halt gute Unterhaltung, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

  2. 21. Februar 2015 18:33

    Wie’s der Zufall so will gerade gestern erst gesehen. Und hat mir irgendwie Spaß gemacht. Also später dann jedenfalls. Anfangs mit Daisy (fange gerade an an mir zu zweifeln, habe nämlich absolut nicht mitbekommen, dass der Hund Daisy hieß) war es aber bitte … ich musste mich kurz fragen, ob ich jetzt wirklich anfangen will zu heulen …
    und weil ich das so cool fand (obwohl flach), würde ich wahrscheinlich sogar mehr als 6 Punkte geben 😉 XD

    • donpozuelo permalink*
      22. Februar 2015 11:08

      😀 Doch… doch, an dem Käfig war eine Postkarte mit Gänseblümchen und auf dem Halsband stand dann Daisy 😉 Und ja, Spaß gemacht hat er schon.

  3. 21. Februar 2015 18:48

    Ich fand den Film (überraschend) sehr gut und kann deiner Kritik auch nicht wirklich zustimmen. Der Hund selbst ist der Figur denke ich relativ egal, sogar die Tatsache, dass er ein Geschenk seiner Frau ist.

    Vielmehr bietet sich Wick durch den Mord an seinem Hund die Möglichkeit, seiner Trauer und Hilflosigkeit ob des Ablebens seiner Frau (die ja an einer Krankheit starb, Wick somit trotz all seiner Qualitäten hilflos zurück ließ) ein Ventil zu geben. Ich habe seinen Rachefeldzug eher als Frustbewältigung gesehen.

    Und dass er selbst „natürlich nicht allzuviel ab“kriegt muss wohl an einer geschnittenen Filmfassung gelegen haben, die du gesehen hast. Gerade in der Clubszene kommt die Figur am Ende gerade so schwerverletzt mit dem Leben davon, wird anschließend zwei Mal von Willem Dafoe aus der Patsche geholfen.

    Flache Einzeiler und öde Dialoge sind dann wohl eher der Synchronisation geschuldet, ich erwarte jedenfalls in Action-Filmen kein philosophisches Geschwafel.

    Für mich auf jeden Fall jetzt schon ein kleines Highlight des Jahres.

    • donpozuelo permalink*
      22. Februar 2015 11:09

      Der Tag, an dem wir uns mal einig sind, wird ein wunderbarer Tag werden 😀

      Und ja, das mit den Dialogen kann gut daran liegen, dass ich den hier mal in der deutschen Fassung sehen musste.

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