Skip to content

Die Nase und der Ringer

13. Februar 2015

Ich find’s immer witzig, wie Trailer einen an der Nase herumführen können. Und wie diese Meinung so weit aufrechtgehalten wird, dass man sich über Sachen aufregt, von denen man eigentlich nichts genaueres weiß. Worauf will ich hinaus? Nun auf folgendes: Als ich das erste Mal einen Trailer zu „Foxcatcher“ gesehen habe, dachte ich, der gute Channing Tatum würde in seiner Darstellung des Ringers Mark Schultz im Vordergrund stehen und der mit falscher Nase belegte Steve Carell würde nur eine Nebenrolle spielen. Umso erstaunter war ich dann, dass der gute Channing bei den Oscar-Nominierungen nicht einmal erwähnt, aber Carell als bester Schauspieler nominiert wurde. Ich dachte doch, dass „Foxcatcher“ ein Channing-Tatum-Film wäre, in dem er mal beweist, was er drauf hat. Aber Pustekuchen… man darf halt nicht zu viel auf Trailer geben.

Denn in „Foxcatcher“ zeigt nicht Channing Tatum, was er drauf hat, sondern tatsächlich Steve Carell. Aber fangen wir vielleicht von vorne an: „Foxcatcher“ erzählt die Geschichte von Olympia-Sieger Mark Schultz (Tatum), der nach seinem großen sportlichen Erfolg nichts mehr erreicht hat. Sein Bruder Dave (Mark Ruffalo) scheint – ebenfalls mit einer Goldmedaille im Ringen in der Tasche – besser dran zu sein, was Mark natürlich an die Nieren geht. Umso erstaunter ist er, als der reiche Ringer-Enthusiast John E. du Pont (Carell) sich dazu entschließt, Mark zu coachen und zu unterstützen. Mark zieht auf du Ponts Anwesen und beginnt sein Training.

Tanz, mein Äffchen, tanz…

Wie schon gesagt, ich habe mir „Foxcatcher“ in meinem Kopf ganz anders vorgestellt, aber da kannte ich ja auch noch nicht die tragische Geschichte, die hinter den Schultz-Brüdern und du Pont steckte (zu der ich jetzt aber nicht mehr sagen will). „Foxcatcher“ ist kein Channing-Tatum-Film, so viel ist schon mal sicher. Tatums Schultz macht zwar den Anfang, doch im Mittelpunkt steht ganz eindeutig du Pont. Und wer so glücklich ist wie ich und sich mit der Geschichte nicht so auskennt, wird hier sehr oft sehr überrascht sein. Denn du Pont ist ein merkwürdiger Kauz, der verzweifelt versucht, aus dem Schatten seiner Mutter zu treten. Ein Mann, der versucht, sich seine Freunde zu kaufen, statt sie sich zu verdienen. Somit entwickelt sich im Laufe des Films eine recht merkwürdige Beziehung zwischen Mark und seinem Mäzen. Auch wenn Regisseur Bennett Miller da nur Andeutungen macht, kann ich durchaus die Rage des echten Mark Schultz verstehen, der stark gegen eben diese Andeutungen protestierte. Millers Porträt dieser Freundschaft ist wirklich schwer zu fassen, da du Pont ein sehr wankelmütiger Charakter ist, der schnell in seiner Gemütslage kippt, wenn er nicht bekommt, was er will. Du Pont ist das klassische reiche Kind, das seinen Willen durchsetzen will, egal, was da kommt. Und die Leidtragenden müssen es ausbaden… in diesem Fall sind es die Schultz-Brüder.

Man muss wirklich sagen, Hut ab vor Steve Carell. Der Mann ist auf zwei Arten nicht wiederzuerkennen. Klar ist da zum einen die riesige Nase und die Maske, die Steve Carell verschwinden lassen. Zum anderen ist es aber auch tatsächlich so, dass man den Klamauk-Komiker Carell vergisst… Dazu kommt, dass Carell mit Channing Tatum einen guten Kontrast hat. Tatum spielt den deprimierten, tumben Ringer genauso, dass man deutlich sieht, warum er sich so leicht von du Pont um den Finger wickeln ließ. Carell und Tatum werden im Laufe des Films echt zu einer Art Herr und Hundchen, was manchmal verwirrend und manchmal echt erschreckend wirkt. Zu diesem Duo kommt später im Film verstärkt auch Mark Ruffalo, der zwischen Carell und Tatum als neutraler Ruhepol wirkt, der beiden gerecht werden möchte.

Darstellerisch ist „Foxcatcher“ ein sehr sehenswerter Film. Besonders Steve Carell ist schon wirklich unglaublich. Allerdings muss ich sagen, dass sich der Film extrem zieht. Zwar gelingt es Miller dadurch, die Beziehung zwischen den drei Männern auf sehr natürliche Weise voranschreiten zu lassen, aber man braucht dafür halt trotz allem sehr viel Sitzfleisch und Geduld. Miller erzählt die Story halt nicht durch Ringkämpfe, sondern durch die Psychoduelle, die du Pont anstichelt und man sich immer wieder ein bisschen fragen muss, macht er das aus Absicht oder ist das wieder nur das bockige, reiche Kind, das seinen Willen durchsetzen will.

„Foxcatcher“ ist lang, sehr lang – davor muss man einfach ein bisschen „warnen“. Wer mit Sportfilmen und / oder dem Thema Ringen nicht so viel anfangen kann, sollte vielleicht einen Bogen um diesen Film machen. Zumal man zum Thema Ringen nicht wirklich viel erfährt. In diesem Sinne ist „Foxcatcher“ jetzt vielleicht auch nicht unbedingt ein Sportfilm an sich. Denn der Sport steht – ähnlich wie Channing Tatum 😉 – nicht so sehr im Vordergrund. Was wohl aber auch nie wirklich so wichtig war… aber wie gesagt, wenn man – wie ich – hier ohne Vorwissen rangeht, erwartet man doch einen Sportfilm.

Wertung: 7 von 10 Punkten (ein spannendes Psychodrama mit einigen Längen)

Advertisements
8 Kommentare leave one →
  1. 14. Februar 2015 00:52

    Huch, so viel Tatum-Gebashe, eigentlich unverdient – er macht doch eine ziemlich gute Figur, ist auf jeden Fall auffälliger als Mark Ruffalo, wenn auch sicher nicht so stark wie Carell. Die Wertung würde ich aber unterschreiben.

    • donpozuelo permalink*
      15. Februar 2015 20:39

      Ist das jetzt so viel Tatum-Gebashe… ich sage ja nicht, dass er schlecht war. Ich fand ihn nur jetzt auch nicht so super. Ja, er ist auffälliger als Ruffalo, aber sonderlich begeistert hat er mich jetzt auch nicht. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass ich mehr Tatum erwartet habe und nicht so viel Carell. Und der war ja wirklich super!!!

  2. 15. Februar 2015 18:32

    Ich wäre ehrlich gesagt nicht im Traum darauf gekommen mir den Film anzuschauen. Zwar fand ich den Trailer ganz spannend, aber ich hasse Steve Carrell und ich bin kein tatum-Fan. Zwei gute Gründe das nicht anzuschauen. Dann aber die Oscar-Nominierung und die ganzen unheilsschwangeren Andeutungen über Du Pont und wie der Film ausgeht – also … jetzt bin ich aber langsam neugierig. Den Film gucken? Weiß auch nicht … wenn ich noch eine Andeutung irgendwo lese, mache ich wahrscheinlich einfach den Wikipedia-Artikel über Du Pont auf und weiß es auch so …. ng … Spoiler? Ach, ich weiß auch nicht …

    Du solltest im Laufe der Woche vielleicht deine Mails checken. Ich hab dir sozusagen ein Stöckchen zugeworfen. Für Fritz‘ Radiosendung Trackback.

    • donpozuelo permalink*
      15. Februar 2015 20:43

      Ich weiß jetzt nicht, ob es so ein großer Spoiler ist, da die Story ja eigentlich bekannt ist. Das wäre irgendwo so, als würde man sagen, dass es „127 Hours“ darum geht, dass er sich am Ende den Arm abhacken muss. Selbst wenn man das „Ende“ kennt, ist es immer noch spannend, weil es ja mehr um den Weg dahin geht als um das eigentliche Ereignis am Schluss.

      Und vielleicht ist der Film gerade was für dich, denn Carell ist hier nicht so, wie man ihn sonst kennt.

      Mails werden immer gecheckt 😉

      • 18. Februar 2015 19:14

        Das ist wirklich ein Spoiler. Ich hab keine Ahnung was der Du Pont noch tun wird. Oder was irgendjemand tun wird. Irgendwer läuft bestimmt Amok und erschießt jemanden oder irgendwer trainiert sich zu Tode oder sowas … aber bei 127 Hours fand ichs offensichtlicher. 🙂

  3. 8. März 2015 14:50

    Denn in „Foxcatcher“ zeigt nicht Channing Tatum, was er drauf hat, sondern tatsächlich Steve Carell.

    Ich würde das Gegenteil behaupten. War von Carell nicht sonderlich beeindruckt, für mich ist er auch nicht die Hauptfigur, weshalb mich verwundert, dass er als Bester Hauptdarsteller nominiert wurde. Mit dem Film wurde ich auch nicht sonderlich warm, mir fehlte ein Zugang zu den Figuren, zudem finde ich den strukturellen Aufbau der Geschichte nicht gelungen (besonders deutlich in den letzten fünf Minuten des Films). Aber ich hab es generell immer irgendwie nicht so mit den Oscar-Filmen.

    • donpozuelo permalink*
      8. März 2015 22:07

      Ja, mit den Figuren konnte man sich teilweise wirklich nicht sehr doll identifizieren… da macht es der Film dem Zuschauer auch wirklich nicht einfach. Und tja… was die Darsteller angeht, kann man wirklich irgendwie nicht so ganz genau sagen, wer denn nun eigentlich der Hauptdarsteller und wer der Nebendarsteller ist 😀

Trackbacks

  1. Foxcatcher (2014) | Illegitim.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: