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Star Wars Fail

9. Februar 2015

Mit „Matrix“ (wohlgemerkt nur dem ersten) haben sie für ordentlich Furore gesorgt und uns gezeigt, was mit guten Effekten alles möglich ist. Und das war’s ja dann auch irgendwie schon für die Wachowskis. Regie-technisch folgten dann auch nur noch „Speed Racer“ und „Cloud Atlas“, die beide das Publikum spalteten. Es scheint immer ein bisschen so, als würden die beiden Geschwister versuchen, den Erfolg von „Matrix“ irgendwie zu wiederholen. Zu gerne würden sie sich den Titel der Science-Fiction-Könner zurückerobern… nur so richtig will ihnen das nicht gelingen. Ihr neuer Versuch scheitert leider auch grandios… denn so toll wie „Jupiter Ascending“ auch aussehen mag, so hirn- und seelenlos ist er leider auch.

Jupiter Jones (Mila Kunis) putzt Klos von reichen Menschen und quält sich durch ihr langweiliges Leben. Bis sie auf einmal auf Caine (Channing Tatum) trifft… ein Typ mit langen Segelohren und echten Gravity-Boots, der sie vor merkwürdigen Aliens und Kopfgeld-Jägern beschützt. Warum? Nun offensichtlich ist Jupiter die Reinkarnation der Mutter des Abrasax-Clans und hat somit ein Anrecht auf ihr Erbe (wozu die Erde als Planet selbst auch zählt). Doch die Abrasax-Sprößlinge Balem (Eddie Redmayne), Titus (Douglas Booth) und Kalique (Tuppence Middleton) haben da noch ein Wörtchen mitzusprechen… und so langsam wird es für Jupiter und Caine im All immer stürmischer.

Flieg, kleiner Channing, flieg…

Ich hatte mich auf „Jupiter Ascending“ ja schon ein bisschen gefreut, weil die ersten Bilder wirklich gut aussahen. Aber wie das ja so immer ist mit den Erwartungen, können die auch mal enttäuscht werden. Und im Falle von „Jupiter Ascending“ ist das der Fall… aber das auf übelste Art und Weise.

Auf den ersten Blick möchte man noch meinen, dass es erfrischend ist, dass die Wachowskis hier ein neues „Film“-Universum erschaffen. Etwas, das nicht auf einem Comic basiert oder einem Roman oder sonst irgendwas. Doch je mehr man sich durch diesen Film quält, desto mehr fällt auf, wie dreist und teilweise auch mies die Geschwister sich hier Zeug aus verschiedenen Filmen, Animes und Computer-Spielen zusammengeklaut haben: Im Endeffekt ist „Jupiter Ascending“ eine Art Sci-Fi-Cinderella mit „Star Wars“-Ambitionen, die leider nicht erfüllt werden können. Die Welt von „Jupiter Ascending“ ist zwar voll von unterschiedlichen Wesen, aber das wirkt irgendwie alles nur wahllos zusammengewürfelt – irgendwie einfach nur, um zu zeigen, wie vielfältig das Universum doch sein kann.

Dazu kommt dann noch eine Prise Anime, wenn Channing und Sean Bean mit riesigen Flugrobotern mit Flügeln durch die Gegend flattern, ein bisschen „Asterix erobert Rom“, wenn Jupiter in einem Amt ihre royale Herkunft bestätigen lassen muss…

Man weiß manchmal in „Jupiter Ascending“ einfach nicht, ob man weinen oder lachen soll – so voller Logiklöcher und unfreiwillig komischer Momente steckt dieser Film. Aber spätestens wenn Channing Tatum mit seinem Gravity-Boots einen auf Eisläufer macht und durch die Luft gleitet, nebenbei ständig versucht Mila Kunis wieder einzufangen und seine Angreifer fertig zu machen, dann weiß man, dass man nur noch weinen möchte. Denn es sieht alles so billig aus. Und gerade das hat mich am meisten enttäuscht: Die Action ist noch öde – überladen und gleichzeitig doch irgendwie langweilig.

Was man den Wachowskis dann doch zugestehen muss, ist die Tatsache, dass „Jupiter Ascending“ einige sehr schöne Schauwerte hat. Gerade die Raumschiffe, Raumstationen, Paläste und Planeten sehen wirklich sehr toll aus. Doch leider wird dieses Universum halt von Ideen- und Seelenlosigkeit bewohnt – und wir mit einer Story abgespeist, die sich die beiden wohl am Frühstückstisch ausgedacht haben.

Aber gute Schauwerte und eine dünne Story können durchaus auch funktionieren, wenn die Darsteller es schaffen, zu überzeugen. Aber ich konnte allein schon Channing Tatum mit seinem blonden Bärtchen und den Gravity-Boots nicht wirklich ernst nehmen. Wie soll ich da beim Rest ernst bleiben? Mila Kunis wirkte in all dem einfach nur verloren und beschränkte sich darauf mit ihren großen Rehaugen verwirrt durch die Gegend zu laufen. Die mit Tatum und Kunis verbundene „Romanze“ (ich benutze dieses Wort nur aus Ermangelung eines besseren Wortes) steht dann wieder als gutes Beispiel dafür, wie dürftig das Drehbuch zu „Jupiter Ascending“ doch ist. Die beiden bekommen keinen wirklichen Moment, der diese Liebe rechtfertigen würde. Das Ganze wird einfach reinkonstruiert, damit irgendwas passiert.

Einzig und allein Eddie Redmayne funktioniert recht gut, auch wenn ich nicht ganz verstanden habe, warum er die meiste Zeit so flüstert. Vielleicht war er heiser bei den Dreharbeiten?!?!?

„Jupiter Ascending“ ist leider Mist. Zwar schön verpackter Mist, aber schön verpackter Mist bleibt nun einmal Mist, nur halt mit netter Verpackung. Eigentlich schade, denn man merkt, dass die Wachowskis hier was Großes aufstellen wollte. Und richtig gut gemacht, hätte das wirklich sowas wie ein guter „Star Wars“-Klon werden können. Aber so nicht… miese Story, doofe Charaktere und tolle Bilder reichen einfach nicht aus.

Wertung: 3 von 10 Punkten (langweilt ziemlich schnell, diese Cinderella im All)

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11 Kommentare leave one →
  1. 9. Februar 2015 08:33

    Eddie Redmayne war aber super 😀

    • donpozuelo permalink*
      10. Februar 2015 23:12

      Ja, Eddie war schon ziemlich gut. Auch wenn dieses abwechselnde heisere Flüstern und das Schreien manchmal schon etwas komisch waren 😀

      • 11. Februar 2015 09:46

        What the fuck? 😀 Eddie war für mich mit seinem grässlichen Overacting und seiner undankbaren Rolle als Klischeesnob (neben Giacchinos unglaublich enttäuschendem Score) der grösste Schwachpunkt des Films und wenn er dieses Jahr den Oscar nicht bekommt, dann weil er es sich mit dieser Performance last minute verspielt hat. Mark my words.

        Kann mich ansonsten aber deinem Bashing nicht anschliessen. Hatte durchaus Spass an dem Film, auch wenn er am Schluss ein bisschen auseinanderfiel.

        Und ja, an das Haus das Verrückte macht (mit einer Prise Terry Gilliam, das war herrlich) musste ich auch denken.

        • donpozuelo permalink*
          11. Februar 2015 10:25

          😀 Naja, das er den Oscar wegen dieser Rolle nicht bekommt, kann gut sein. Aber ich glaube eh nicht daran, dass er ihn in diesem Jahr bekommen wird. Da lauern ja noch ein paar andere Kandidaten, die etwas besser sind. Und gut, wenn der ganze Film als Schwachpunkt angesehen wird, dann wirkt Eddie fast noch erfrischend gut 😉

          Ich weiß nicht, ich wollte eigentlich auch Spaß haben mit dem Film, aber egal wie sehr ich mich dazu durchringen wollte. Es ging einfach nicht.

  2. 9. Februar 2015 10:43

    Trotz der Warnung werde ich mir den Film anschauen. Ich fand ja bereits den ähnlich kritisierten „John Carter“ wirklich gut.

    • donpozuelo permalink*
      10. Februar 2015 23:13

      „John Carter“ mochte ich sehr… und der ist nicht mit „Jupiter Ascending“ zu vergleichen. Der ist wirklich nur auf der Oberfläche schön glänzend, darunter steckt aber doch sehr viel Langeweile.

  3. 9. Februar 2015 16:49

    jap, danach sahen die trailer aus. Danke für die erwartete Warnung. 🙂

  4. 28. Februar 2015 23:16

    Ja nee, der Film war so wie ich es mir auch gedacht hatte: teurer Trash mit Fremdschämmomenten 😀
    Da muss ich Dir schon beipflichten.
    Eigentlich stehe ich nur auf „Bound“ und „Matrix“ (1. Film) von den Wachowskis.
    Aber eine Szene mochte ich doch, weil es für mich eine schöne Gilliam-Hommage war, mit Gilliam: der Bürokratenlauf. Hätte von ihm selbst sein können. Aber letztendlich passte hier nix zusammen. Und ja Redmayne hatte was, auch wenn er seltsam flüsterte :))

    • donpozuelo permalink*
      1. März 2015 12:00

      😀 Interessant, dass du bei dem Bürokratenlauf an Gilliam denkst. Mein erster Gedanke war „Asterix erobert Rom“, wenn sie Passierschein A 38 holen müssen. Aber irgendwie fand ich nicht einmal die Szene besonders… die wirkte so richtig albern in einem Film, der sich sonst so ernst zu nehmen schien. Wenn sie es alles ein bisschen mehr auf witzig ausgerichtet hätten, hätte der Film vielleicht besser funktionieren können.

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  1. 2015 | Going To The Movies

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