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Die Kunst des Überlebens

19. Januar 2015

Man möchte doch meinen, dass die bösen Buben in Filmen ganz genau wissen, wie man jemanden um die Ecke bringt. Vor allem, wenn dieser Jemand eigentlich ein unbedeutender Niemand ist. Da müsste doch ein Hinterhalt und eine ruhige Hand genügen – ein Schuss und alles ist erledigt. Wer würde da schon auf die Idee kommen, jemanden auf ein Feld zu bestellen, um dann anschließend mit einem Doppeldecker auf das Opfer zu zufliegen und zu schießen? Müssen wohl weniger intelligente böse Buben gewesen… zum Glück für uns, denn sonst würde uns eine der großartigsten Szenen der Filmgeschichte fehlen.

Natürlich rede ich von „Der unsichtbare Dritte“, Alfred Hitchcocks großartiges Verwechselspiel, in dem Cary Grant durch einen blöden Zufall mit einem Agenten verwechselt, anschließend wegen Mord gesucht wird und dann durch das halbe Land reisen muss, um seinen Namen wieder reinzuwaschen.

Nu‘ aber schnell…

„Der unsichtbare Dritte“ ist ein wunderbar leichtfüßiger Hitchcock, der sowohl spannend als auch lustig ist. Hitchcock beweist sich mal wieder als wahrer Meister des Suspense, verrät uns schon vorher, was es mit der ganzen Sache auf sich hat (und somit auch, warum der Film im Deutschen mal recht passend als „Der unsichtbare Dritte“ tituliert wird) und macht es trotzdem unglaublich spannend für uns. Denn schließlich weiß der arme Cary Grant nach wie vor nichts… und muss sich erst an die ganze Sache gewöhnen.

Grants Roger Thornhill ist ein liebenswerter Typ, der anfangs sogar noch mit Mutti durch Gegend zieht, um der Verschwörung auf den Grund zu kommen. Doch so einfach ist diese Verschwörung gar nicht und hier kann Hitchcock uns dann immer wieder mal an der Nase herumführen. Denn wie man es bei einem Hitchcock gewöhnt ist, schlägt die Story herrlich viele Haken. So erleben wir Grants Jagd nach den wahren Verschwöreren in mehreren kleinen Episoden, die sich zu einem großen Ganzen zusammenreihen. Wenn ich ehrlich sein soll, kommt mir „Der unsichtbare Dritte“ immer ein bisschen so vor, als wäre es Hitchcocks Variante von einem Bond-Film: wir haben einen intelligenten, schlagfertigen Mann (auch wenn Cary Grant das erst so nach und nach wirklich wird), wir haben eine unbekannte Schönheit (Eva Marie Saint ist ein echter Hingucker und gleichzeitig nur schwer zu durchschauen) und dann haben wir noch einen Schurken, der vor nichts Halt macht (James Mason ist großartig als Widersacher). Dazu gibt’s die auch für Bond üblichen Schergen, aufregende Verfolgungsjagden und Ortswechsel sowie ordentlich Action.

Und mit Action ist nicht nur die Maisfeld-Szene mit dem Flugzeug gemeint, obwohl die nahezu unerreicht bleibt. Da hätten wir auch noch die finale Szene auf dem Mount Rushmore und Versteck-Spiele im Zug. „Der unsichtbare Dritte“ macht kaum Pausen und treibt die Geschichte unaufhaltsam voran.

Doch dabei dürfen wir nicht vergessen, dass „Der unsichtbare Dritte“ auch einen köstlichen Humor hat. Cary Grants betrunkene Autofahrt ist zwar schon ein Highlight, aber wirklich spitzbübisch wird Hitchcock in diesem Film beim Thema Sex. Die erste Begegnung zwischen Grant und Saint im Zug steckt voller herrlicher Doppeldeutigkeit, die Hitchcock am Ende auf die Spitze treibt, wenn da ein Zug in einen dunklen Tunnel fährt… Hitchcock, der alte Spitzbube 😉

Hitchcocks „Der unsichtbare Dritte“ ist wirklich einmal mehr der Beweis, wie gut der Mann in Sachen Spannung wirklich war. Der Film vergeht wie im Flug, wird kein Stück langweilig und weiß von der ersten Minute an zu begeistern. Gekonnt mischt Hitchcock Suspense mit Humor und tollen Schauwerten – ein Film, den man einfach gesehen haben muss. Und sei es nur, um endlich mal den Film gesehen zu haben, dessen Flugzeug-Szene schon so oft kopiert wurde.

Wertung: 10 von 10 Punkten (also, ihr bösen Buben, schaut euch diesen Film an und lasst das Flugzeug besser im Hangar)

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5 Kommentare leave one →
  1. 19. Januar 2015 19:31

    Achja, noch so ein dunkler Fleck in meiner Filmgeschichte. Dabei steht die DVD im Regal…

    • donpozuelo permalink*
      20. Januar 2015 08:56

      Na dann… der Film ist wirklich verdammt gut und sehr unterhaltsam… kann ich nur empfehlen!

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