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Der Troll, der Kinder beißt

2. Januar 2015

Ich bin nicht jemand, der bei Filmen vor lauter Aufregung den Bildschirm anschreit. Ich kenne durchaus Leute, die sowas machen, aber ich nicht. Wirklich nicht! Dachte ich zumindest. Aber wie uns Mr. Bond schon gelehrt hat: „Sag niemals nie!“ Und so bin ich doch jetzt tatsächlich über einen Film gestoßen, der mich wirklich vollkommen fertig gemacht hat. Bei dem ich nicht ruhig auf dem Sofa sitzen konnte, bei dem ich geschnauft und geflucht habe. Bei dem ich am Ende jeden Schlag in die Fresse des Trolls schon fast mit geschrieen habe: „Noch mal! Noch mal! Noch mal!“ Ich kann wirklich sagen, dass ich selbst über mich erstaunt war, aber es ist so… dieser eine Film hat mich echt extrem mitgenommen. Dieser eine Film geht echt an die Nieren, der ist so schmerzhaft, dass man sich einfach Luft verschaffen muss… und dabei ist er auch gut und spannend und fesselnd bis zum Schluss. Nur wahrscheinlich ist es auch einer dieser Filme für die Kategorie „Sehr gut, aber einmal reicht bis ans Lebensende aus!

Die Rede ist vom belgischen Film „Die Behandlung“. Basierend auf dem gleichnamigen Buch der englischen Thriller-Autorin Mo Hayder geht es um den Polizisten Nick Cafmeyer (Geert Van Rempelberg), der immer noch damit ringt, dass sein kleiner Bruder Björn vor Jahren entführt wurde. Ein neuer Fall bringt Cafmeyer dazu, auch den Fall seines Bruders neu zu überdenken: Denn er soll den brutalen Überfall und den Mord an einem kleinen Jungen aufdecken. Dabei stößt er immer wieder auf Hinweise nach einem „Troll“, der angeblich in den Bäumen lauert.

So sah ich während des Films auch manchmal aus…

Eins vorweg… „Die Behandlung“ ist kein Fantasy-Thriller mit Trollen. Schön wär’s gewesen, aber Mo Hayder schreibt nun mal keine Fantasy-Romane, sondern scheinbar echt harte Thriller. Und ganz ehrlich, nach diesem Film möchte ich kein Buch von dieser Frau lesen. Ich meine, wenn mich der Film schon so extrem mitgenommen hat, was würde dann erst passieren, wenn ich noch das Buch lese???

Regisseur Hans Herbots geht ganz unaufgeregt an die Sache heran und baut diese krasse, kranke Geschichte in aller Ruhe auf. Das wichtigste Element dabei ist Geert Van Rempelberg als Polizist Nick. Eine gequälte Seele, ein unruhiger Typ, besessen von seiner Vergangenheit. Mit dem neuen Fall kommt in ihm alles noch stärker wieder hoch, er wird impulsiv, lässt sich zu Sachen hinreißen, die er vielleicht nicht tun sollte. Doch dadurch das Herbots die Geschichte so gewissenhaft aufbaut, kann man Nick immer gut nachvollziehen. Ja, er ist ein Hitzkopf, aber letztendlich hat er doch nur Gutes im Sinn.

Gutes im Sinn hat der Rest von „Die Behandlung“ aber leider nicht. Ich warne echt noch einmal, dieser Film ist echt eine harte Nummer. Herbots lässt nicht locker, zieht die Spannungsschraube unaufhörlich zusammen… und schockiert sowohl mit der Story über Kindesmissbrauch, Entführungen und Trolle. Die Story ist dabei unglaublich verschachtelt – ein grandios inszenierter Thriller, der uns auf verschiedene Fährten führt, uns zum Mitforschen anregt und uns selbst viele verschiedene Informationen gibt. Doch trotz der vielen Fäden, die Herbots in der Hand hält, verliert er doch keinen davon aus den Augen. Herbots behält die Kontrolle über seine vertrackte Story und macht es mit jeder Szene spannender und spannender. Sein Hauptaugenmerk liegt dabei immer wieder Polizist Nick. Durch ihn und seine Qualen quälen auch wir uns durch den Film. Und Geert Van Rempelberg ist soooo verdammt gut, dass man seine Qualen wirklich spürt und voll mit ihm mitfühlt.

Dazu kommt, dass Herbots in bester Hitchcock-Manier nach einer Weile seinem Zuschauer ein großes Geheimnis verrät… und dieses Wissen macht das Anschauen von „Die Behandlung“ noch so viel schwerer. Man möchte Nick das zurufen, was man als Zuschauer weiß, aber es geht ja natürlich nicht… glaubt mir, ich hab’s versucht!

„Die Behandlung“ ist wirklich ein sehr gekonnt inszenierter Thriller, der unter die Haut geht, der einen echt fertig macht. Dieser Film ist wirklich nichts für schwache Nerven! Er ist verdammt, verdammt gut, aber halt echt mit Vorsicht zu genießen…

Wertung: 9 von 10 Punkten (ein grandioser Thriller, einer der besten der letzten Jahre, wenn ich mal so frei sein darf)

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5 Kommentare leave one →
  1. 2. Januar 2015 22:52

    Ich kann es kaum fassen, dass so viele und Du nun auch, diesen Streifen mögen. Ich fand ihn unerträglich schlecht und aufgesetzt. Dieser Polizist hat mich auf die Palme gebracht, die Darstellung war Overacting pur und total neben der Spur. Solche Typen gehörten für mich in die Klapse und nicht auf ein Polizeirevier.
    Leider konnte mich der Film überhaupt nicht erreichen oder berühren.

    • donpozuelo permalink*
      4. Januar 2015 19:23

      Hmm… schade. Wie gesagt, ich fand den Film wirklich richtig gut… und wenn wir mal ehrlich sind, bekommen wir doch in letzter Zeit so viele merkwürdige „Helden-Figuren“, die alle besser in der Klapse aufgehoben wären 😀

  2. 5. Januar 2015 12:23

    Schon darüber gelesen, aber bisher nicht so richtig viel Lust gehabt den zu schauen. Unangenehme Themen und seelische Qualen und so … aber ich denke jetzt wandert er auf die Watchliste. Danke für den Tipp!

    • donpozuelo permalink*
      5. Januar 2015 14:41

      Gern geschehen… aber ja, es sind wirklich sehr unangenehme Themen. Ich muss auch sagen, dass ich froh war, vorher nicht wirklich was über den Film gewusst zu haben. Mir wurde nur gesagt, dass er ziemlich hart sei. Mehr nicht…

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