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West Memphis Three

19. Dezember 2014

1993 werden in West Memphis drei achtjährige Jungen tot aufgefunden. Erstaunlich schnell kann die Polizei allerdings drei Verdächtige präsentieren – junge Teenager, die sich für Okkultes interessieren und Heavy Metal hören. Für die Presse ein gefundenes Fressen, für die Polizei sowieso – immerhin können sie so recht schnell den besorgten Bürgern und den aufgebrachten Eltern der Opfer die Sündenböcke vorwerfen. Doch ist dieser Fall nicht wirklich so einfach, denn nach und nach kommen immer mehr Beweise auf, die zeigen, wie dilettantisch die Polizei gearbeitet… und schnell werden die West Memphis Three, wie die angeblichen Täter, genannt werden, zu kleinen Berühmtheiten, weil besonders auch Prominente sich für ihre Freilassung einsetzen.

Der Fall der „West Memphis Three“ dürfte hier bei uns vielleicht nicht so vielen ein Begriff sein. Doch keine Sorge, diese „Wissenslücke“ kann man jetzt mit dem Film „Devil’s Knot“ schließen. Darin erzählt Regisseur Atom Egoyan genau diese Geschichte – nur mit Reese Witherspoon als Mutter eines der Opfer und Colin Firth als Privatschnüffler, der den Verdächtigen helfen möchte.

Er will doch nur von dir wissen, was dieses Häwie Metall ist…

„Devil’s Knot“ schlägt anfangs eine sehr emotionale Schiene ein… und kann hier dank einer wirklich guten Reese Witherspoon echt punkten. Wenn sie leidet, dann leiden wir auch. Das Problem ist nur, dass Egoyan Witherspoon irgendwann verlässt und sie zu einer Nebendarstellerin in diesem Film verkommen lässt. Was daran liegt, dass Egoyan irgendwann auch komplett die emotionale Schiene verlässt und einfach nur noch Fakten runterbricht.

Für jemanden, der den Fall nicht kennt, ist „Devil’s Knot“ dann zwar immer noch recht sehenswert, aber der Film packt einen dann nicht mehr auf der emotionalen Seite. Ich habe mit dem Film also ein ähnliches Problem wie mit Bigelows „Zero Dark Thirty“. Beide Filme erzählen eine packende und spannende und auch emotionale Geschichte, nur auf eine sehr distanzierte Weise. Egoyan lässt seinen Film zu einem Dokumentar-Film werden und beleuchtet viele kleine Aspekte. Witherspoon oder Firth kommen dabei kaum zur Geltung.

Ich verstehe zwar, dass er nicht unbedingt Partei ergreifen wollte und eher sachlich an das Thema herantreten wollte, aber dann sollte man sich dafür keinen Spielfilm aussuchen. Denn egal wie, möchte ich bei einem Film doch auch immer noch Gefühle spüren. Anfangs versucht Egoyan das ja noch mit Witherspoon, doch das war’s dann auch. Ich hatte ja immer noch Hoffnunng, dass das durch Colin Firths Charakter besser wird… wurde es nur leider nicht. Gerade mit Firth verspielt sich Egoyan alle Möglichkeiten… als außenstehender Ermittler hätte er mit ihm alle Bereiche abdecken und trotzdem noch eine emotionale Geschichte erzählen können. Denn Firths Ermittler macht seine Arbeit aus freien Zügen und verlangt auch kein Geld. Er glaubt an die Unschuld der Jungen… aber mehr wird auch darauf nicht eingegangen.

Egoyan hat so viele Möglichkeiten: entweder Reese Witherspoon als Mutter (um die Opferseite zu beleuchten), Firth als Außenstehenden oder einen der Memphis Three (um die angeblichen Täter näher zu beleuchten. Aber das lässt er alles links liegen – stattdessen gibt’s halt Justizdrama, das alle Aspekte des Verfahrens zu beleuchten versucht. Eine noble Aufgabe, aber wenn man bedenkt, dass HBO bereits einen gefeierten Doku-Dreiteiler zu dem Thema rausgebracht hat, fragt man sich schon, was dieser Film dann noch soll.

Im Endeffekt ist „Devil’s Knot“ also nichts Halbes und nichts Ganzes. Zwei Oscar-Preisträger und keiner kommt zur Geltung, eine spannende und aufregende Geschichte, die aber nicht wirklich zieht und ein Spielfilm, der mehr Dokumentation ist. Irgendwie nicht so das, was „Devil’s Knot“ hätte sein können. Schade…

Wertung: 5 von 10 Punkten (spannend, aber ohne Gefühl inszeniert)

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