Skip to content

Der etwas andere Medizin-Mann

15. Dezember 2014

Es ist bei den Oscars ja immer so eine Sache: Man selbst hat seine Favoriten und ärgert sich, wenn die nicht gewinnen. Dazu kommt dann aber meist auch, dass man hierzulande viele der Oscar-Kandidaten noch gar nicht gesehen hat… oder es nicht geschafft hat ins Kino zu gehen, um sie sich alle anzuschauen. Dementsprechend war ich dieses Jahr schon ein bisschen geknickt, dass sowohl Leonardo DiCaprio als auch Michael Fassbender mal wieder übergegangen wurden. Aber ist übergangen das richtige Wort… oder spricht da nur der Fan-Stolz, der irgendwie nicht wahrhaben wollte, dass ausgerechnet Jared Leto den Oscar gewinnt? Vielleicht ist es beides… aber mittlerweile habe ich es zumindest mal geschafft, mir selbst ein Bild von dem zu machen, was Leto da in „Dallas Buyers Club“ so machte.

„Dallas Buyers Club“ ist die wahre Geschichte von Ron Woodroof (Matthew McConaughey), bei dem AIDS diagnostiziert wird. Man gibt ihm 30 Tage zu leben. Zum gleichen Zeitpunkt findet eine Studie des Medikaments AZT statt, das angeblich AIDS-Kranken helfen soll. Ron erschleicht sich das Medikament, doch wirklich Besserung ist nicht in Sicht. Bei einem Arzt in Mexiko erfährt er von den lebensgefährlichen Nebenwirkungen von AZT, die von den Pharma-Unternehmen aber verschwiegen werden. Also gründet Ron gemeinsam mit dem Transsexuellen Ray (Jared Leto) den „Dallas Buyers Club“: Für einen Mitgliedschaftsbeitrag verteilt Ron Medikamente… die auch helfen, nur halt nicht zugelassen sind.

True Detectice Staffel 3???

So… und damit kommen wir zu der Frage zurück: Wurden DiCaprio oder Fassbender übergangen? War Leto wirklich besser als sie? Keine Ahnung, wer kann das schon wirklich einschätzen? Leto spielt gut, sehr gut sogar. Sein Rayon ist witzig, merkwürdig und tragisch und von einer unterschwelligen Intensität. Der Film versucht nicht, uns die ganze Zeit sein tragisches Schicksal aufzudrücken, weil Rayon auch niemand ist, der das will. Somit ist Letos Darstellung von Rayon wirklich ziemlich beeindruckend… gefallen hat mir persönlich trotzdem Fassbender besser. Der bleibt mir länger im Kopf. Aber somit zeigt sich halt auch nur wieder, wie schwer diese ganzen Award-Sachen einzuschätzen sind.

Gleiches gilt sicherlich auch für McConaughey, der ja ebenfalls für seine Rolle den Oscar bekommen hat. Beim ihm jedoch finde es wirklich berechtigt (auch wieder mit dem Hintergrund, das ich es eigentlich nicht einschätzen kann 😉 ). McConaughey verleiht Ron eine Menschlichkeit, die man diesem anfänglichen Stinkstiefel nicht zugetraut hätte. Er erscheint als Riesenarschloch und entwickelt sich doch zu einem guten Menschen, der nicht nur auf sein eigenen Wohlwollen aus ist.

Beide Darstellungen werden natürlich sehr von der Tatsache gestärkt, dass sowohl McConaughey als auch Leto ordentlich abgespeckt haben für die Rollen.

Das einzige wirklich große Problem, dass „Dallas Buyers Club“ hat, ist, dass es neben den beiden durchaus beeindruckenden Darstellern nicht sonderlich viel mehr zu bieten hat. Denn die Story – so wahr sie auch sein mag – ist nicht unbedingt spannend in Szene gesetzt. Ja, die Pharma-Konzerne sind böse, aber wenn ich das gut verfilmt sehen will, dann schaue ich mir lieber noch einmal „Der ewige Gärtner“ an. Zwar erzählt „Dallas Buyers Club“ eine durchaus relevante und interessante Geschichte über einen nahezu aussichtslosen Kampf, doch im Film fühlt sich das einfach nur sehr oberflächlich an. Ich weiß nicht, ob es vielleicht daran liegt, dass der Film mehr durch seine Darsteller für Aufregung gesorgt hat… oder vielleicht ist es was ganz anderes. Aber wenn ich ganz ehrlich sein soll, hat mich der Film an vielen Stellen einfach ein wenig kalt gelassen.

Immerhin gelingt es dem Film schön, den Flair der 80er Jahre wiederzugeben und führt auch noch einmal deutlich vor Augen, wie schlimm es damals gewesen sein muss, mit dieser Krankheit gegen die Sturrköpfe des Systems anzugehen, das ohne Rücksicht nur sturr seinen Regeln folgt. Das ist schon etwas erschreckend… Eine Szene im Gericht fasst das sehr gut zusammen: Da erklärt ein Richter, dass er es okay findet, wenn jemand versucht, mit allen Mitteln am Leben zu bleiben. Aber solange das Gesetz sagt, es ist verboten, ist es auch irgendwie verboten. Punkt. Aus. Ein merkwürdiges System, dass von skrupellosen Menschen ausgenutzt werden kann.

„Dallas Buyers Club“ erzählt also vom Kampf gegen dieses System, gegen die Industrie und für das Leben. Es ist eine Geschichte mit einem ungewöhnlichen „Helden“, die aber in diesem Film auch noch gegen eine recht fade Story ankämpfen müssen. Das hätte man sicherlich auch ein wenig besser machen können.

Wertung: 6 von 10 Punkten (Method-Acting im Doppelpack)

Advertisements
4 Kommentare leave one →
  1. 16. Dezember 2014 18:30

    Schade, mir hatte der Film gut gefallen und Langeweile kam bei mir nicht auf. ein Tränchen hatte ich wahrscheinlich auch verdrückt.
    Letos Performance fand ich hier wirklich oscarreif; ehrlich gesagt für mich, der kein besonderer Leto-Fan ist, mit Abstand seine beste Leistung.
    Fassbender war sicherlich auch (wieder) gut (in einem für mich völlig überbewerteten Film), aber für mich nicht unbedingt oscarreif. Der hat ja so seine internen Regeln, bei denen am Schluss sterben stets hoch im Kurs liegen.

    • donpozuelo permalink*
      16. Dezember 2014 23:31

      Ich bin auch kein großer Leto-Fan, aber hier war er wirklich großartig. Der Film an sich war schon nicht schlecht, aber irgendwie hatte ich mir dann doch mehr davon erhofft…

Trackbacks

  1. Das Boot im Baum | Going To The Movies
  2. Die Reise durch das Wurmloch | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: