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Foltern wir den bösen Wolf!

12. Dezember 2014

Ich hab’s wirklich überhaupt nicht mit so Folter-Filmen. Besonders nicht die, die dann wirklich zu „torture porn“ werden. Filme wie „Hostel“ kann ich einfach nicht gucken. Besonders, wenn es halt einfach nur darum geht, Leute auf besonders anschauliche Art und Weise vor der Kamera in kleine Einzelteile zu legen. Und selbst Filme, die definitiv nicht zum „torture porn“ gehören, aber trotzdem auf Folter zurückgreifen, fallen mir immer wieder schwer. Bestes Beispiel jüngeren Datums ist da wohl nach wie vor Denis Villeneuves „Prisoners“, in dem Hugh Jackman Paul Dano quält und foltert, weil er davon ausgeht, er wüsste, wo seine entführte Tochter ist.

Ich erwähne jetzt auch nicht umsonst „Prisoners“, denn den folgenden Film habe ich wegen der Folter-Elemente, die man schon im Trailer gesehen hat, zwar etwas argwöhnisch beäugt, aber wegen seinen Gemeinsamkeiten zu „Prisoners“ auch mit Interesse verfolgt.

„Big Bad Wolves“ erzählt die Geschichte von Gidi (Tzahi Grad), dessen Tochter entführt wurde und dann auch ziemlich üble zugerichtete Weise tot wieder auftaucht. Für Polizist Micki (Lior Ashkenazi) liegt der Fall klar auf der Hand: Der Lehrer Dror (Rotem Keinan) ist Hauptverdächtiger Nummer Eins. Nur leider gibt es keine Beweise. Und auch wenn er wegen seiner brutalen Verhörweise vom Dienst suspendiert wird, will Micki Dror zum Reden bringen. Doch das Gleiche hat auch Gidi vor, der war schließlich mal beim Militär und kennt sich im Verhören ebenso gut aus. Also schließen sich die beiden zusammen… und auf Dror wartet die Hölle auf Erden.

big bad wolves_2

„Big Bad Wolves“ hat wirklich so einiges von „Prisoners“. Vor allem die ständig über allem schwebende Frage, ob dieser Typ jetzt wirklich der Täter ist oder ob hier gerade ein vollkommen Unschuldiger gefoltert wird? Was „Big Bad Wolves“ dann aber wieder sehr von „Prisoners“ unterscheidet, sind zwei Faktoren: zum einen haben wir hier keinen Jake Gyllenhaal, der in einem zweiten Erzählstrang versucht, den wahren Täter zu finden. Und zum anderen hat „Big Bad Wolves“ einen fast schon morbiden Sinn für Humor. Da muss man an Stellen lachen, an denen man sich das eigentlich fast verkneifen möchte. Aber gerade Gidi geht mit so einer trockenen und eiskalten Gelassenheit an sein Werk, dass ihm zwischendurch ein paar sehr, sehr schwarzhumorige Witze gelingen, das einem das Lachen zum Teil im Halse stecken bleibt… was es aber nicht tut, weil der Witz dann meistens auch noch gut funktioniert.

Und, was man „Big Bad Wolves“ auch sehr zugute halten muss, der Film ist nicht der nach dem Trailer erwartete Torture Porn. Ja, es geht ziemlich ruppig zur Sache, da werden auch Finger gebrochen und Fußnägel gezogen… und irgendwann kommt auch Sägewerk unschön zum Einsatz, aber das sind nicht einmal die unerträglichsten Szenen des Films. Vielmehr setzt „Big Bad Wolves“ auf Kopfkino… und dieses Kopfkino ist schlimmer als alles, was man uns zeigen könnte. Da gibt es eine Szene, in der Gidi dem gefesselten Dror seine angeblichen Taten in Form eines Märchens vom bösen Wolf vorliest. Gelassen, ruhig und mit klaren Worten… ich sage Euch, die Szene hat mich echt fertig gemacht. Die Kamera springt einfach immer nur von Gidi zu Dror und zu Micki… und man ertappt sich immer wieder dabei, wie man in den Augen des vermeintlichen Täters nach etwas Ausschau hält, etwas, dass uns bei dem zu hörenden Horror-Szenario verrät, ob er es wirklich war oder nicht.

„Big Bad Wolves“ ist auf jeden Fall ein Thriller, den man nicht verpassen sollte. Er ist hart und unbarmherzig, hat eine Menge recht merkwürdigen Humor und noch merkwürdigere Zufälle zu bieten und bleibt definitiv im Gedächtnis.

Wertung: 8 von 10 Punkten (Tarantino hat diesen Film zu seinem persönlichen Lieblingsfilm des Jahres gekürt… falls jemand noch eine bekanntere Person als Fürsprecher braucht)

8 Kommentare leave one →
  1. 12. Dezember 2014 14:43

    Klingt interessant. Und da ich gerade gestern erst Prisoners gesehen habe auch gutes Timing. Werde ich mir mal merken, den Streifen.

    • donpozuelo permalink*
      12. Dezember 2014 17:06

      Ha, das passt ja wirklich gut. 😀 Dann bin ich auf jeden Fall gespannt. Wie hat dir denn „Prisoners“ gefallen?

      • 12. Dezember 2014 18:57

        Fand ich sehr gut. Schön düstere Atmosphäre, spannende Geschichte und Jackman hat mich richtig überzeugt in seiner Rolle. Gyllenhal ist ja eh über jeden Zweifel erhaben.

        • donpozuelo permalink*
          14. Dezember 2014 19:58

          😀 Gyllenhaal ist wirklich große Klasse in dem Film! Freut mich, dass dir „Prisoners“ auch zusagt. Dann solltest du dir „Big Bad Wolves“ auf jeden Fall mal anschauen.

  2. 13. Dezember 2014 09:46

    War nach dem Trailer damals etwas enttäuscht gewesen, da die Momente, aus denen der Film versucht seinen Humor zu beziehen, sich in ihrem Aufbau und ihrer Struktur wiederholen (Telefon klingelt, Kuchen ist fertig, etc). Da versackte der Film für mich gegen Ende des zweiten Akts, vor allem, da die Schuldfrage bei Dror eigentlich – aber das kommt sicherlich immer auf den Zuschauer drauf an – ziemlich eindeutig ist. Das Ende ist dann aber „schön“ und nicht 0815.

    • donpozuelo permalink*
      14. Dezember 2014 20:00

      Ja, das Ende haut wirklich ordentlich rein. Da hat man so nichtkommen gesehen. Und mit der Schuldfrage gebe ich dir Recht. Damit hätte man durchaus mehr „spielen“ können.

  3. 14. Dezember 2014 18:55

    Nachdem ich den Trailer mal gesehen habe, war mir eigentlich klar, dass ich von dem Film die Finger lasse. Aber wenn du sagst, dass es ein gewisses Kopfkino erfordert und mehr als splatter ist, sollte ich darüber wohl nochmal nachdenken.

    • donpozuelo permalink*
      14. Dezember 2014 20:00

      Es ist auf jeden Fall kein Splatter!!! 😉

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