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Um jeden Preis

8. Dezember 2014

Ich mochte Dan Gilroy, noch bevor ich seinen ersten Filme gesehen hatte. Das lag vor allem daran, dass Dan Gilroy gemeinsam mit Tarsem Singh das Drehbuch zu „The Fall“ geschrieben hat. Und wie der ein oder andere vielleicht weiß, gehört „The Fall“ zu einem meiner absoluten Lieblingsfilme. Danach schrieb Gilroy dann noch die Drehbücher zu „Real Steel“ und „Das Bourne Vermächtnis“, das von seinem Bruder Tony verfilmt wurde. Jetzt hat sich Dan Gilroy dazu entschieden, einem seiner Drehbücher selbst den letzten Schliff zu verpassen und nahm auf dem Regie-Stuhl Platz. Herausgekommen ist „Nightcrawler“… ein Film, der euch dank einer krassen Story und einem wunderbaren (mal wieder) Jake Gyllenhaal vollkommen in den Bann ziehen wird.

Lou Bloom (Gyllenhaal) kommt eher schlecht als recht über die Runden. Bis er eines Nachts einen schweren Autounfall sieht… und einen Kamera-Mann, der das Ganze für die Nachrichten dreht. Von dem erfährt Lou dann auch, dass man als sogenannter „Nightcrawler“ richtig gut Kohle machen kann. Vorausgesetzt, man lauscht aufmerksam dem Polizeifunk, ist als erster vor Ort und liefert gute Bilder. Anfangs läuft Lous Karriere als Nightcrawler eher schleppend, doch im Laufe der Zeit wird er besser. Angetrieben vom Geld und von den nach Quoten gierenden Nachrichtenchefin Nina (Rene Russo) steigert sich Lou mehr und mehr in seine Aufgabe rein… und überschreitet schon bald so einige Grenzen…

Nennt sich zwar Nightcrawler, ist aber kein X-Men…

Dan Gilroy gelingt mit „Nightcrawler“ ein bissiger Blick hinter die Kulissen der Nachrichtenlandschaft, in der, wie wir ja schon wissen, alles von den Quoten abhängt. Und gerade in den USA, wo ja so viele lokale Fernsehsender gegeneinander antreten, muss dieser Kampf sicherlich noch schlimmer sein. Und wie sehr schön im Film auch erwähnt wird, sind es nun einmal die schrecklichen Geschichten, durch die man Zuschauer lockt und bindet.

„Nightcrawler“ macht mit uns genau das Gleiche: Gemeinsam mit Lou Bloom steigen wir immer tiefer in den Abgrund. Erst langsam und irgendwann wird das Ganze zu einem Schneeball-Prinzip. Dabei karikiert Gilroy die Branche, aber so wirklich lachen kann man darüber nicht. Denn es wirkt alles viel zu echt. Statt auf Distanz geht Gilroys Film direkt an die Materie und zeigt uns diese Welt, die wir zwar täglich im Fernsehen verfolgen, aber nicht weiter hinterfragen. Wer sind diese Menschen, die diese schlimmen Bilder drehen? Und die viel interessantere Frage ist: „Warum drehen sie diese Bilder anstatt zu helfen?“ Antwort: „Damit wir diese Bilder sehen können und uns dann vielleicht irgendwie ein bisschen wohler fühlen, dass es uns nicht getroffen hat!“ Das alles macht uns „Nightcrawler“ schmerzhaft bewusst… und stellt dabei auch die Frage, wer denn diese Menschen sind, die sich „Nightcrawler“ nennen.

Im Laufe der Nacht lernen wir einige von ihnen kennen und es sind halt normale Leute, die ihrem Job nachgehen. Nur Lou Bloom ist da halt ein bisschen anders… während der ganze Film an sich zwar ein bissiger, aber durchaus realistischen Blick auf die Medienwelt wirft, wird der Protagonist (kann man ihn überhaupt so nennen?) viel mehr zu einer Studie darüber, was möglich sein könnte.

Gilroy macht durch die anderen Nightcrawler schnell deutlich, dass sein Lou Bloom das absolute Extrem ist. Und das wird durch Jake Gyllenhaal grandios in Szene gesetzt. Gyllenhaal hat ja schon in „Prisoners“ und zuletzt in „Enemy“ gezeigt, was wirklich hinter dem ehemaligen „Donnie Darko“ steckt. In „Nightcrawler“ wird dieser Donnie jetzt so richtig darko. Gyllenhaal liefert einen grandiosen Mix aus Norman Bates aus „Psycho“, Travis Bickle aus „Taxi Driver“ und William Foster aus „Falling Down“. Also um genau zu sein, spielt er einen Psychopathen, der uns anfangs noch recht sympathisch ist und wo der Moment, an dem er eigentlich eher unsympathisch wird, schnell mal übersehen werden kann. Denn egal, was Lou Bloom auch macht, irgendwie ist man als Zuschauer total im Zwiespalt… man bangt einerseits mit ihm und denkt sich dann doch wieder: „Oh mein Gott, was macht der Typ da eigentlich?“ Gyllenhaals Lou Bloom ist so aalglatt, so undurchschaubar, wirkt irgendwie normal und gleichzeitig auch nicht. Er ist gerissen und weiß, was er will. Man fragt sich in diesem Film halt die ganze Zeit, ob man jetzt nun für ihn oder gegen ihn sein soll… und das ist es dann, was „Nightcrawler“ zusätzlich so verdammt sehenswert macht.

Ja, ich habe vorher auch die ganzen „Taxi Driver“-Vergleiche gelesen und es nicht glauben wollen, aber „Nightcrawler“ hat wirklich dazu, der „Taxi Driver“ einer neuen Generation zu werden. Dieser Film ist einfach nur großartig und verstörend zugleich. Ein unangenehmer Blick darauf, wie weit manch einer möglicherweise gehen würde… nur für ein paar Quoten (und wie weit andere dafür gehen, sieht man ja, wenn man nur den Fernseher anschaltet).

Wertung: 10 von 10 Punkten (Gyllenhaal mal wieder in Bestform in einem packenden Film)

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12 Kommentare leave one →
  1. 8. Dezember 2014 12:13

    Muss dir im Grunde in allen Punkten recht geben. NIGHTCRAWLER hat mich ganz schön überrascht – im sehr positiven Sinne und wurde eigentlich nur dadurch in seiner Wirkung eingeschränkt, weil ich den Film in einer 20 Uhr Vorstellung am Wochenende im schlimmen, bösen Multiplex gucken musste. Davon abgesehen gefiel mir die Medienkritik extrem gut, wobei an einer Stelle das ganze ruhig noch etwas weitergetrieben hätte werden sollen (Stichwort: Kinderzimmer).
    Gyllenhaal arbeitet jedenfalls stark daran, zu einem der interessantesten, wenn nicht gar besten Darsteller seiner Generation zu werden.

    • donpozuelo permalink*
      8. Dezember 2014 12:41

      In Punkto Gyllenhaal gebe ich dir absolut Recht, der entwickelt sich echt in sehr interessante und unvorhersehbare Richtungen. Das mit dem Kino tut mir bei dir ja echt Leid. Bei mir war’s ganz angenehm und sehr ruhig 😀 Was die Kinderzimmer-Thematik angeht, da bin ich eigentlich schon fast wieder froh, dass es da nicht noch weiter gegangen ist. Klar wäre das so mit die letzte Grenze gewesen, die er hätte überschreiten können, aber ich bin irgendwie auch froh, dass sie es nicht gemacht haben.

      • 8. Dezember 2014 12:44

        Oh nein, ich meinte in dieser Szene, dass man mit der Inszenierung noch weiter gehen könnte – nicht mit dem Inhalt (Gott bewahre! :D). Wenn man da den Zuschauer im Unklaren lässt und ihn in die Rolle des Nachrichtenpublikums zwängt, wäre das genial gewesen und perfide zugleich. Diese Chance wurde verpasst. Aber viel mehr Kritikpunkte finde ich dann auch nur noch mit der Lupe.

        • donpozuelo permalink*
          8. Dezember 2014 14:12

          Ach so… puhh… Gott sei Dank 😀 Ja, das stimmt, das hätte man tatsächlich so machen können.

  2. 8. Dezember 2014 22:18

    Aaaach, will den so gern sehen. Jetzt erst recht! Schon der getriebene Look von Jake Gyllenhaal (sieht irgendwie etwas anders aus als noch früher … wirklich düster meine ich) und der Trailer! Aber irgendwo mag das Kino meines Vertrauens nicht … .

    • donpozuelo permalink*
      9. Dezember 2014 08:45

      Gyllenhaal sieht in diesem Film wirklich sehr, sehr pyscho aus 😀 Wenn er ab und an mal lächelt, schimmert sogar ein bisschen Menschlichkeit hervor, aber irgendwie weiß man dann doch, dass auch das nur Fassade ist…
      Schade, dass dein Kino des Vertrauens nicht mag, aber der Film erscheint ja dann hoffentlich bald bei deinem Händler des Vertrauens, dann kannst du das nachholen!

  3. 9. Dezember 2014 07:38

    Ah verdammt, den hätte ich mir wohl doch ansehen sollen :/

    • donpozuelo permalink*
      9. Dezember 2014 08:46

      Auf jeden Fall! Ein wirklich toller Film!!!

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