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Kleiner Bambus

5. Dezember 2014

Es war irgendwie ein trauriges Jahr, wenn es um Zeichentrick und Animation ging. So mussten wir nicht nur ein ganzes Jahr auf Pixar-Spaß verzichten, sondern uns auch damit abfinden, dass Anime-Märchenonkel Hayao Miyazaki mit „Wie der Wind sich hebt“ seinen letzten Film in die Kinos brachte und dass Studio Ghibli selbst ganz schön ins Schwanken gerät, weil kaum noch Geld reinkommt und man deswegen eine längere Pause machen möchte. Gut, okay… ich gebe zu, dass sind nur schlechte Nachrichten für diejenigen, die echte Ghibli-Fans sind, aber so einer bin ich nun mal und fand’s furchtbar traurig. Da kann man nur hoffen, dass sie wieder auf die Beine kommen… aber auf der anderen Seite hat es sie scheinbar auch endlich mal dazu gebracht, eine Miyazaki-Collector’s Box auf den Markt zu bringen (die hoffentlich zu Weihnachten mein sein wird!!!!)

Auf jeden Fall muss man sich ja jetzt über jeden Studio-Ghibli-Film glücklich schätzen, der es in die Kinos schafft. Weswegen ich dann auch ohne Zögern in „Die Legende von Prinzessin Kaguya“ gerannt bin. Das und die Tatsache, dass der Film von Regisseur Isao Takahata stammt – dem Mann, der mich jedes Mal aufs Neue mit „Die letzten Glühwürmchen“ zum Weinen bringt.

In „Die Legende von Prinzessin Kaguya“ erzählt Takahata ein altes japanisches Märchen von einem Bambussammler, der eines Tages im Bambus eine winzige Frau findet, die dann zu einem Baby wird. Schnell wächst die Kleine heran, wird von den Kindern im Dorf immer nur „kleiner Bambus“ gerufen und lebt ein glückliches Leben. Als der alte Bambussammler dann aber eine Menge Gold und Kleider in seinem Bambuswäldchen findet, ist er überzeugt, dass seine kleine Prinzessin in die Stadt gehört. Dort soll sie die Sitten der Adligen kennenlernen und auch einen Adligen heiraten. Ihre atemberaubende Schönheit spricht sich auch rum und fünf Adlige buhlen um… doch die Prinzessin gibt jedem von ihnen fünf nahezu unmögliche Aufgaben…

So sieht ein kleiner, lachender Bambus also aus…

Sorry, wieder sehr lang geworden, die Inhaltsangabe. Aber das lässt sich auch alles nicht so einfach zusammenfassen. Und vielleicht ist das auch ein kleines Manko des Films… Er zieht sich gerade im Mittelteil ein wenig zäh in die Länge. Aber das kann man diesem Film dann irgendwie nicht richtig krumm nehmen, denn es ist einfach auch ein sehr schönes Märchen. Klar, man hätte sicher hier und da ein bisschen straffen können. Gerade die Kindheit der Prinzessin hätte man gebündelter wiedergeben können…

Aber dann hätte man das Problem, dass man nicht in Takahatas wunderschönen Bildern schwelgen könnte. Takahata hat keine gestochen scharfen Bilder, „Die Legende der Prinzessin Kaguya“ wirkt eher als wäre jemand mit kräftigem Pinselstrich am Werk gewesen. Es fällt mir gerade wirklich schwer, die passenden Worte zu finden, um die Optik des Films zu beschreiben. Es hat etwas typisch japanisches, aber gleichzeitig strahlt diese Welt die ganze Zeit so viel Wärme und Vertrautheit aus. In Verbindung mit der Musik möchte man fast gar nicht, dass dieser Film aufhört. Es ist wirklich ein Fest für die Augen. Anders kann man es nicht besser beschreiben.

Und wie gesagt, auch wenn sich das Märchen bei Takahata etwas in die Länge zieht, ist es doch immer noch eine sehr schöne Geschichte darüber, dass man manchmal einfach aufeinander hören sollte. Und das kein Mensch wirklich wissen kann, was denn nun das Beste für den anderen ist. Denn so sehr die Prinzessin auch klagt, der Bambussammler bleibt sturr und glaubt zu wissen, was sie wirklich braucht. Man lernt also auch noch ein bisschen was fürs Leben, wenn man „Die Legende der Prinzessin Kaguya“ schaut… und damit hat sich das Märchen dann auch schon wieder sehr gelohnt.

Aber letztendlich wird mir dieser Film immer für die tollen, tollen Bilder… hier zeigt sich dann mal wieder, was für schöne Filme Studio Ghibli doch macht. Da wäre es echt schade, wenn man diese Vielfalt im Bereich des Zeichentricks vermissen würde.

Wertung: 8 von 10 Punkten (ein bisschen zu lang, aber die traumhaft schöne Bilder entschädigen wirklich für alles!!!)

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5 Kommentare leave one →
  1. 7. Dezember 2014 23:31

    Hey, das ist fies, wenn du den bei der AAPS drin hast – ich hatte ja noch gar keine Zeit den zu kommentieren! 😛 Nein, hast ja Recht, der braucht mehr Liebe. Gefiel mir auch ganz gut, und am Schluss musste ich fast ein bisschen weinen (was der kleine Junge in der Reihe vor mir für mich übernommen hat). Vorallem das Artwork finde ich brutal inspirierend, sehr reduziert aber total stimmig.

    • donpozuelo permalink*
      8. Dezember 2014 09:05

      Ich musste auch weinen… keine Sorge, echte Kerle dürfen das 😀

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