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All the lonely people

1. Dezember 2014

Geschichten über Männer und Frauen kennt das Kino zu genüge. Sie lieben sich, sie streiten sich, sie betrügen sich, sie finden wieder zu einander oder sie gehen getrennte Wege. Es geht mal romantisch, mal tragisch zu… es sind Geschichte über Liebe, Verzweiflung, Hass… es ist halt das Leben. Irgendwie…. zumindest so, wie Hollywood es sich vorstellt. Das kennen wir alles aus unserem eigenen Leben, aber wir rennen trotzdem immer wieder gern ins Kino, um uns das anzuschauen. Sei es, um den Romantiker in uns zu beglücken, weil Liebe doch so schön sein kann oder den Skeptiker in uns zu bestätigen, dass Liebe Mist ist.

Regie-Neuling Ned Benson wollte der ganzen Mann-Frau-Geschichte mal einen neuen Anstrich verpassen. Es mal so aufziehen, wie wir es noch nicht gesehen haben. Nach dem Motto: „Es gibt immer zwei Seiten zu jeder Geschichte“ wollte er uns genau diese zwei Seiten zeigen. Und deswegen dreht Benson sein „Das Verschwinden der Eleanor Rigby“ in drei Filmen – Him, Her und Them. Ein Film über ihn (James MacAvoy), ein Film über sie (Jessica Chastain) und ein Film, der beide zusammenführt und zum dritten Mal die Geschichte davon erzählt, wie Eleanor Rigby nach einem schweren Schicksalsschlag erst versucht, sich umzubringen und dann ihren Mann Connor mehr oder weniger links liegen lässt und sich gegen jede Annäherung von ihm wehrt.

Nein, sie hat ihn nicht geschlagen…

Eine spannende Idee. Hat ein bisschen was von Kurosawas „Rashomon“. Schließlich bietet eine unterschiedliche Perspektive ganz andere Erfahrungen. Wie wir bei Kurosawa gelernt haben, versucht der Mensch, die Dinge immer so für sich zu sehen, dass er im Recht ist und alle anderen im Unrecht. Das Blöde ist nur, dass wir Ned Bensons Version nicht zu Gesicht bekommen. Auf „Him“ und „Her“ müssen wir Kinogänger leider verzichten und bekommen nur „Them“ zu sehen… ich hoffe nach wie vor, dass das auf DVD nachgeholt wird… denn, so schwer mir das auch fällt, „Them“ hat mich jetzt nicht so unbedingt vom Hocker gerissen, wie ich es gerne gehabt hätte.

Mein größtes Problem war, dass der Film doch recht zusammengewürfelt wirkt. Man spürt, dass Benson eigentlich zwei verschiedene Perspektiven zeigen wollte, die aber nun zu einer Art Best-Of zusammengeschnitten wurden sind. Dadurch springt der Film immer wieder hin und her. Gerade hat man das Gefühl, Eleanor oder Connor ein bisschen besser kennengelernt zu haben, da müssen wir auch schon wieder zum nächsten von ihnen. Dazu kommt, dass man anfangs auch gar nicht so recht schnallt, warum sich die beiden überhaupt getrennt haben. In der ersten Szene sehen wir die beiden als glückliches Paar, dann kommt der Selbstmord-Versuch und schwupps… sind wir mitten in der Handlung. Bis irgendwann nach der Hälfte der Zeit mal jemand sagt, was Sache ist, muss man das alles einfach so hinnehmen. Es ist halt was schreckliches passiert… vielleicht muss man auch nicht mehr dazu sagen.

Aber wie gesagt, so richtig zieht einen die Geschichte nicht in ihren Bann. Was bei mir aber vielleicht auch daran lag, dass ich vor allem Eleanor als Charakter nicht wirklich fassen konnte. Den verzweifelten Connor konnte ich gut nachvollziehen, aber das könnte möglicherweise auch daran liegen, dass er mir als Mann in seinen Aktionen recht ähnlich ist und ich dadurch einen besseren Bezug zu ihm hatte. Eleanor blieb mir immer ein bisschen fern, sie konnte ich nie so richtig einordnen. Was sie macht und tut, entzog sich mir genauso wie Connor. Aber wer weiß, vielleicht liegt auch genau darin der Zauber von „Das Verschwinden der Eleanor Rigby“ und die Stärke des Ned Benson: Vielleicht ist die Frau an sich einfach schwerer zu durchschauen. Das könnte ich zumindest gut glauben 😉 (Sorry, Ladies!!!)

Auch wenn „Das Verschwinden der Eleanor Rigby“, so wie er jetzt in die Kinos kommt, nun wirklich nichts besonderes ist und im Endeffekt eine Geschichte erzählt, wie wir sie schon allzu oft gesehen haben, muss man vor allem James McAvoy und Jessica Chastain loben. Die beiden spielen alle Nuancen ihrer Charaktere perfekt aus. Sie sind glaubwürdig, liebens- und manchmal auch hassenswert zugleich. Sie wirken zerbrechlich und am Boden zerstört, jeder auf seine ganz eigene Weise. Und so ist es diesen beiden wirklich tollen Darstellern zu verdanken, dass einen „Das Verschwinden der Eleanor Rigby“ nicht komplett kalt lässt. Im Gegenteil… auch wenn der Film irgendwie zerhackt wirkt… die beiden halten alles gekonnt zusammen und liefern durch ihre Performance die nötige Emotionalität, die man braucht, um sich durch diesen Film zu leiden.

Trotzdem: Ich würde viel, viel lieber die richtige Variante sehen und hoffe inständig, dass „Him“ und „Her“ auf DVD erscheinen. Dann entfaltet sich dieser „Rashomon“-Effekt wahrscheinlich viel besser.

Wertung: 7 von 10 Punkten (großartige Darsteller in einem interessanten Film-Experiment, dass wir hoffentlich irgendwann in seiner vollen Schönheit auch noch zu sehen bekommen)

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3 Kommentare leave one →
  1. 7. Dezember 2014 23:33

    Eine weitere Review, die ich gelesen habe – aber mit dem Studium komme ich da meist gar nicht zu viel mehr. My apologies…

    Ich habe kürzlich mit jemandem über den Film gesprochen und kam zum Schluss, dass ich das Konzept durchaus spannend finde, aber glaube, dass es nur auf der theoretischen Ebene funktioniert. Letztlich habe ich ehrlich gesagt einfach keinen Bock, mir dreimal „denselben“ Film anzusehen. Ein Konzept, das man vielleicht als Short umsetzen könnte?

    • donpozuelo permalink*
      8. Dezember 2014 09:18

      Tja, das ist halt die Frage, inwieweit es dann tatsächlich immer der gleiche Film sein wird… mich würde es zumindest mal sehr interessieren, das zu sehen. Ich hoffe einfach mal auf die DVD.

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  1. Die Vergänglichkeit des Bloggens – Teil 2 | Going To The Movies

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