Zum Inhalt springen

Goat Man und ich

21. November 2014

Ich weiß, ich sollte es eigentlich nicht mehr tun, denn das ist irgendwie ein Fass ohne Boden. Aber ich muss, ich MUSS mich an dieser Stelle einfach noch einmal über deutsche Verleiher aufregen und ihre merkwürdige Eigenart, sich deutsche Filmtitel auszudenken. Angefangen habe ich dieses Meckern ja schon in meinem allerersten Artikel auf diesem Blog. Damals ging es um „Taken“ bzw. „96 Hours“ und dann kann man das beliebig fortführen und auch gerne immer mal wieder Marvel mit in den Topf schmeißen. Doch jetzt habe ich wirklich das Ding schlechthin gefunden. Also haltet euch am Monitor fest… jetzt kommt’s.

Ihr seid ein deutscher Filmverleiher und bekommt eine nette kleine Coming-Of-Age-Story über einen Jungen namens Ellis (Graham Phillips), der mit seiner Hippie-Mutter (Vera Farmiga) und deren Gärtner, einem zugekifften und Rauschebart tragenden Typen namens „Goat Man“ (David Duchovny) irgendwo im Nirgendwo lebt. Irgendwann geht Ellis dann an das Elite-Internat, an das auch sein Vater Frank (Ty Burrell) gegangen ist, der mittlerweile mit der jungen Judy (Keri Russell) zusammenlebt. Und irgendwie muss Ellis nun zwischen Hippie-Mutter und „Spießervater“ hin und her und nebenbei noch sein eigenes Leben leben.

Ziegen sind cool…

 

Klingt doch nett, nicht wahr? Viele Stars, nette Geschichte, skurrile Charaktere und ein paar Ziegen („Goat Man“ hat seinen Namen ja nicht umsonst). Und diesen Film muss man nun für den deutschen Markt ordentlich promoten. Also schaut ihr vielleicht erst einmal auf den englischen Titel: „Goats“ – „Ziegen“. Kein guter deutscher Titel. Da muss irgendwas hin, was Leute mehr zum Kauf anregt. Was macht ihr also als deutscher Verleiher? Ihr setzt eure Denkerkappe auf, haut euch mit allen möglichen bewusstseinserweiternden Drogen zu… und dann habt ihr einen Geistesblitz! Den Titel schlechthin, ein Titel, der Leute aufhorchen lässt, ein Titel, der alles über den Film sagt, den ihr promoten wollt. Ihr müsst kein zweites Mal nachdenken… dieser Titel ist perfekt. Nichts anderes darf man aus dem Land der Dichter und Denker erwarten. Goethe hätte keinen schöneren Titel finden können… und so wird aus „Goats“ „Zicke Zacke Ziegenkacke“. Lasst es euch noch einmal auf der Zunge zergehen: „Zicke Zacke Ziegenkacke“ – ein wahrer Traum! Wunderbar! Jeder wird diese DVD im Regal stehen haben wollen… „Zicke Zacke Ziegenkacke“… yeah, baby!!! Groovy!!!

Naja… verzeiht… aber das musste jetzt irgendwie mal sein. Da kann man wirklich nur mit dem Kopf schütteln. Denn so einen bescheuerten Titel hat „Goats“ nun wirklich nicht verdient. Nichts hat so etwas verdient… grausam…

Egal… dann will ich mal versuchen den Bogen wieder zum Film zu finden… Moment („Zicke Zacke Ziegenkacke“… oh mein Gott, lass Hirn regnen!!!)… aber jetzt wirklich zum Film…

„Goats“ ist, wie schon oben erwähnt, eine witzig-sympathische Coming-Of-Age-Story, die halt vor allem durch ihre skurrilen Charaktere lebt. Besonders Vera Farmiga und David Duchovny sind die Wucht. Sie spielt diese egozentrische Hippie-Tante so gut, dass man am Ende nicht weiß, ob man sie mögen oder doch auch ein wenig hassen sollte. Und Duchovny hat einfach nur Spaß daran, wie der letzte Penner rumzulaufen, Lebensweisheiten von sich zu geben, Gras zu rauchen und Ziegen zu streicheln. Halbwegs normal ist da nur der junge Graham Phillips, mit dem wir hier durch alle Höhen und Tiefen seines Lebens wandern.

Allerdings hat „Goats“ (neben seinem furchtbaren deutschen Titel) noch ein weiteres Problem: So herrlich bekloppt und gleichzeitig sympathisch die Figuren auch sind, so schafft es Regisseur Christopher Neil leider nicht so richtig einen roten Faden zu finden. Der Film wirkt sehr episodisch, eine Anhäufung mehrerer Erlebnisse, die nie so richtig ineinander greifen. Emotional holt einen dieser Film leider nie wirklich ab… statt Mitleid oder wirklich Sympathie für Ellis zu haben, wird er einem eigentlich irgendwann ziemlich egal. Wirklich richtig schwer im Leben hat er es nun ja auch wirklich nicht. Mama hat Kohle, Papa hat Kohle, er raucht fröhlich sein Gras, erlebt mit dem coolen Goat Man witzige Sachen… warum sollten wir mit ihm leiden, trauern, was auch immer? Christopher Neil verspielt hier leider alle Möglichkeiten und leider auch seine tollen Charaktere für eine Story, die zwar witzige Stellen hat, aber sonst nur selten berührt.

Was vielleicht auch daran liegt, wie merkwürdig bedeutungslos das Ganze auch ist. Wenn da aus dem Nirgendwo Ellis das Fahrrad gestohlen wird, fragt man sich, was diese Episode soll. Oder warum er dem Mädchen (Dakota Johnson), dem er die ganze Zeit nach giert, einfach so einen Korb gibt? Man weiß es nicht… und wird es alles wohl auch nie erfahren.

Somit ist „Goats“ leider gleich doppelt gestraft: bescheuerter deutscher Titel und Versagen des Regisseurs uns eine wirklich berührende Geschichte zu erzählen. Gute Darsteller und skurrile Charaktere allein retten halt auch nicht wirklich was…

Wertung: 5 von 10 Punkten („Zicke Zacke Ziegenkacke“… was für Zeug nehmt ihr bloß???)

13 Kommentare leave one →
  1. 21. November 2014 12:57

    Der Titel ist wirklich das mit Abstand großartigste, was ich je gehört habe. Es gibt da ja, wie du schon sagst, einige Ausreißer nach unten, was deutsche Titel angeht, aber der hier sprengt wirklich alle Grenzen. Klingt wie ne billige Sex-Komödie aus den 70ern. Jetzt muss ich den Film schon aus Prinzip sehen.

    • donpozuelo permalink*
      23. November 2014 17:30

      😀 Wahrscheinlich ist genau das der Grund, warum man sich hier für so einen Titel ausgedacht hat… weil der Titel doch schon ein bisschen zum Gucken reizt 😉

  2. 21. November 2014 19:35

    Man stelle sich das Meeting für diesen Titel vor: „Leute, wir brauchen irgendwas mit Ziegen! Los! Ziegen, sag ich!“
    Bekiffter Mitarbeiter: „Gibt’s da nich so nen Kinderreim? Wie ging der noch gleich … ? Oder war’s doch ein Schlager? Oder was mit Hühnern? Eeehhh …“
    Chef: „Kinderreim? Kinder, Coming of Age, das passt doch, den nehmen wir!“
    Argh … xD

    • donpozuelo permalink*
      23. November 2014 17:30

      😀 Genau so und nicht anders… also eigentlich müsste man wirklich mal beim Verleiher ein Statement anfragen, warum genau dieser Titel…

  3. oldboyrap permalink
    22. November 2014 09:24

    Oh. mein. fucking. god. Dieser Titel.

  4. 22. November 2014 10:51

    Das ist echt…mir fehlen die Worte.

    • donpozuelo permalink*
      23. November 2014 17:31

      Nicht wahr? Wunderbar, dann habe ich ja alles erreicht, was ich erreichen wollte 😀

  5. 23. November 2014 19:11

    Okay … mal abgesehen davon, dass ich dank deiner Review jetzt weiß, dass ich den Film nicht sehen muss (danke dafür) gibts trotzdem von mir eine Tüte Mitleid für alle involvierten Personen für diesen beschissenen deutschen Titel. Ah … das tut weh. >.< gab es schon eine Blogparade "Schlechteste Deutsche Titel"? Autsch …

    • donpozuelo permalink*
      24. November 2014 10:48

      Das wäre auf jeden Fall mal eine interessante Parade… da würden mit Sicherheit auch noch „schönere“ Beispiele zum Vorschein treten.

Trackbacks

  1. Eternal Sunshine of the Spotless Mind | Going To The Movies
  2. Tödliche Witwen | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: