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Die Reise durch das Wurmloch

5. November 2014

Mein Wort für diese Woche lautet „McConaissance“. Was so viel bedeuten soll wie „Renaissance des McConaughey“! Wortfindungen sind doch was Feines, aber was Matthew McConaughey angeht, trifft das wohl auch ganz gut zu. Denn nach zahllosen romantischen Komödien beweist er in den letzten Jahren mehr und mehr, dass hinter dem ansehnlichen Äußeren auch ein verdammt guter Schauspieler steckt. Und selbst nach „Dallas Buyers Club“, „Mud“ oder „True Detective“ hört die McConaissance noch nicht auf. Denn jetzt geht’s mit Christopher Nolans „Interstellar“ munter weiter.

Darin spielt McConaughey den ehemaligen Flieger Cooper, der mit ein paar Astronauten (darunter auch Anne Hathaway und Wes Bentley) durch ein Wurmloch reist, um einen Ausweg für die Menschheit zu finden. Denn die ächzt unter dem Klimawandel und kommt mehr schlecht als recht über die Runden. Und so lässt sich Cooper auf diese Reise an und lässt dabei seine Kinder zurück… was besonders Tochter Murph (Mackenzie Foy) ziemlich schwer trifft…

Mr. McConaissance in space

Die Erwartungen an einen neuen Christopher-Nolan-Film sind nach der „Batman“-Trilogie und vor allem „Inception“ enorm groß (also für diejenigen, die sich auch wirklich drauf freuen, ich kenne auch genügend Menschen, die bei Nolan nur müde mit dem Kopf schütteln). „Interstellar“ schafft es aber durchaus, a) diese Erwartungen zu erfüllen und b) einen wirklich guten Beitrag zur McConaissance abzuliefern.

„Interstellar“ ist (besonders im IMAX) wirklich eine absolute Wucht. Nolans Reise durchs Wurmloch erinnert an den letzten Trip des Astronauten Dave in Kubricks „2001“ – nur halt irgendwie auch nicht. Denn so richtig vergleichen kann man beide Filme nicht. Bis vielleicht auf die Tatsache, dass Nolan die ganze Zeit durch sehr darauf bedacht ist, wissenschaftliche Authentizität zu wahren. Zwar tut man sich schwer, Einstein, Hawking und Co. in fünf Minuten wirklich zu verstehen, aber die Konzepte von Raum und Zeit verarbeitet Nolan in seinem Drehbuch (wieder mal zusammen mit seinem Bruder Jonathan geschrieben) ausgezeichnet. Man braucht wirklich kein Raketen-Wissenschaftler zu sein, um hier hinterherzukommen.

Und wie gesagt, die neuen Welten hinter dem Wurmloch sind wirklich umwerfend. Alles an diesem Film ist umwerfend. Ich mochte allein schon die Tatsache, dass Nolans Raumgefährt sich nicht glatt und sauber anhört und –fühlt, sondern klappert und ruckelt wie ein alter Traktor. Auch die „Außenaufnahmen“ im All – einfach toll. An einigen Stellen fühlt man sich wirklich ein wenig an „Gravity“ erinnert, was auch wieder ein bisschen was zum Thema Authentizität sagt.

Allerdings ist „Interstellar“ jetzt nicht der Science-Film des Science Fiction. Es gibt immer noch genug Fiction, genügend Dinge, die man einfach hinnehmen muss. Gerade am Anfang und zum Ende des Films verlangt das auch ein wenig Toleranz von uns als Zuschauer. Aber lasst euch versichert sein, es funktioniert alles und greift alles wunderbar ineinander über.

Zumal es vermessen wäre, „Interstellar“ nur auf die technische Seite zu reduzieren. Ja, der Film sieht umwerfend aus, was ihn aber genauso sehenswert macht, ist halt einfach mal ein gewisser Matthew McConaughey und die wunderbar rührende Geschichte, die ihm Nolan auf den Leib geschrieben hat. Denn bei all den Reisen auf der Suche nach einem neuen Planeten, geht es doch hauptsächlich um den geplagten Cooper, der auch in einer anderen Galaxie nicht anders kann, als an seine Familie zu denken. McConaughey und auch Hathaway füllen ihre Rollen voll aus und tragen ihren Teil dazu bei, dass man auch wirklich mit ihnen mit leidet. Gut, das Gerede von der Liebe, die selbst Raum und Zeit überwindet, klingt zwar ein bisschen kitschig, aber für „Interstellar“ passt es einfach auch.

Christopher Nolans „Interstellar“ ist ein wirklich grandioser Film geworden… den einzigen winzigen Schönheitsfehler, den der Film hat, ist dass er vielleicht ein bisschen zu lang geworden ist. Zwischendurch geht ihm ein bisschen die Puste aus – aber das hat man wahrscheinlich davon, wenn man so eine Reise in fremde Galaxien bis ins letzte Detail perfekt gestalten möchte.

Aber Schönheitsfehler sind in Ordnung, wenn der Rest einfach nur umwerfend ist. Von daher hat sich das Warten auf den neuen Nolan gelohnt. Wir haben einen weiteren Meilenstein der McConaissance, einen weiteren wunderbaren Science-Fiction-Film und ein tolles IMAX-Erlebnis!

Wertung: 9,5 von 10 Punkten (ich gestehe, ein, zwei Mal musste ich gegen ein paar Tränchen ankämpfen… und das hat Nolan sonst noch nie geschafft…)

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20 Kommentare leave one →
  1. 5. November 2014 07:05

    Ach, Don! Jetzt les ich Dich schon so lange (eigentlich von Anfang an). Und kommentiere so selten. Aber jetzt muss ich Dir einfach mal was hierlassen: Ich mag es sehr, wie Du das hier machst. Habe schon ganz schön viele gute Filme und Serien hier entdeckt. Danke dafür, bleib bitte noch lange dabei.

    Viele Grüße von (vielleicht erinnerst Du Dich) der Axt.

    • donpozuelo permalink*
      5. November 2014 10:53

      Die Axt… ich glaube es ja nicht 😀 Hi!!!! Ich hatte ja letztens schon auf deinem neuen Blog gestöbert, weil du einen Film gelikt hattest. Und da habe ich schon überlegt: „Na, ob das die Liz von der Axt ist???“ Und sie ist es offensichtlich tatsächlich 😀 Freut mich ja, dass du auch noch durchs Netz schwirrst. Übrigens: Glückwunsch zum Kiddo 😉

      Und keine Sorge, ich habe noch nicht vor, aufzuhören… und wenn ich dann so nette Komplimente bekomme, weiß ich ja auch, wofür ich das mache 😀

      Liebe Grüße, der Don!

  2. 5. November 2014 09:02

    Grausiger Film, mit einer der längsten und unnötigsten Expositionen, die ich lange gesehen hab. Allerdings war die zumindest vom Inhalt her originell, was man von den übrigen zwei Stunden nicht sagen konnte. Mit fortschreitender Dauer wird das Drehbuch leider auch nicht intelligenter, das Ende hat man dann leider bereits nach 15 Minuten Filmbeginn kommen sehen bzw. befürchtet. Ganz schlimm – aber gut, ist ein Nolan.

    • donpozuelo permalink*
      5. November 2014 10:54

      Ich spüre einen leichten Nolan-Hass???? 😉
      Gut, über die Länge brauchen wir wirklich nicht streiten. Der Film hätte wirklich etwas zusammengestaucht werden können. Aber alles andere fand ich schon sehr überzeugend… und ich stehe auch dazu, dass Ende habe ich nicht kommen sehen 😀

      • 5. November 2014 23:17

        Ich hasse den Mann nicht, ich finde lediglich, er besitzt kein Talent. Da mich Astrophysik interessiert, habe ich dem Film nach den letzten beiden Nolan-Gurken eine Chance gegeben – genutzt hat er sie (leider) nicht.

        • donpozuelo permalink*
          6. November 2014 07:06

          Naja, ich weiß ja nicht, ob man Nolan Talent absprechen sollte. Denn irgendwo wird das, was er macht, ja schon auch gut angenommen – und ich rede jetzt mal nicht von der Batman-Trilogie. Und soweit ich weiß, hat er sich doch von Kip Thorne, seines Zeichens Astrophysiker, unterstützen lassen – von daher fand ich auch gerade die Ideen und Konstrukte rund ums Thema „Schwarzes Loch“ schon recht spannend.

        • 6. November 2014 20:07

          Das Talent bezog ich zuvorderst auf den Umstand, Geschichten zu erzählen. Ein Vermögen zur technischen Umsetzung will ich ihm gar nicht absprechen. Aber Filme wie TDKR, Inception und Interstellar zeigen zumindest mir, dass der Mann außer Stande ist, eine zumindest gute Geschichte zu erzählen.

          Und nur weil hier ein Astrophysiker involviert war, heißt das ja nicht, dass der Film nun im Schulunterricht gezeigt werden kann. Sondern der Film macht sich die Thesen eines Wissenschaftlers zu Nutze – die mir, auch wenn ich natürlich kein Physiker bin, fast durchweg nicht sonderlich schlüssig erscheinen.

          Und die Tatsache, [SPOILER] dass McConaughey locker-flockig in ein Schwarzes Loch fliegen kann, weil da Menschen aus der Zukunft ein 5-Dimensionales-Peep-Hole ins Schlafzimmer seiner minderjährigen Tochter reingelegt haben [/SPOILER], finde ich selbst nunmal weniger spannend als vielmehr lächerlich (und in gewisser Weise peinliches Nachgeäffe von Kubrick’s „2001“).

          Aber das liegt wohl an mir – und das ist auch gut so, wie Herr Wowereit sagen würde 🙂

        • donpozuelo permalink*
          6. November 2014 21:48

          Okay… das mit der Frage nach dem Geschichten-Erzählen ist jetzt sicherlich Ansichtssache. Ich mag seine Geschichten 😉 Und was die Thorne-Theorien angeht, sehe ich das jetzt auch nicht so kritisch. Immerhin sind das ja auch alles nur Theorien, die in einem Film verarbeitet werden. Ein bisschen künstlerische Freiheit bei Gedankenexperimenten darf dann durchaus erlaubt sein. Und wie gesagt, ich fand’s ganz interessant, wie das hier mit dem Schwarzen Loch und dem ganzen Raum-Zeit-Thema gemacht worden ist.

  3. 5. November 2014 20:11

    Hm, hört sich nach meinen Befürchtungen aus den gesehenen Trailern an: Effekte und Tränendrüse. Ich hasse sentimentale Familiengeschichten, besonders wenn sie mit dem Untergang der Menschheit verbunden sind, aber gut auch ein Emmerich braucht mal Konkurrenz. 😀

    • donpozuelo permalink*
      5. November 2014 22:20

      Ui, also mit Emmerich würde ich das jetzt noch nicht unbedingt gleichsetzen 😀 auch wenn die Erde dem Untergang geweiht ist. Zumindest fliegt hier nicht alle fünf Minuten was in die Luft. Aber gut, es ist schon wirklich eine Familiengeschichte vor Sci-Fi-Hintergrund. Aber es ist wirklich gut gemacht…

  4. 6. November 2014 13:04

    Die erste fast ausschließlich positive Kritik zu INTERSTELLAR, die ich lese und was soll ich sagen, ich kann dir so recht nicht glauben 😀
    Nach den letzten Nolan-Filmen ist mir immer mehr klar geworden, dass ich mit seiner Herangehensweise leider so überhaupt nichts mehr anfangen kann. Ich finde es ja löblich, dass er darauf beharrt, analog zu drehen. Dass er Formate wie IMAX nutzt, ist toll, wobei er dann doch nicht weiß, wann und vor allem dramaturgisch wofür er die verschiedenen Formate eigentlich nutzen will (oder kann?).
    Aber hey, damit falle ich ohnehin in die angesprochene Kategorie der Menschen, die mit Nolans Werk eben nichts (mehr) anfangen können. So lange es den anderen gefällt, macht der Herr ja wohl irgendwas auch richtig.

    • donpozuelo permalink*
      6. November 2014 15:39

      Du musst mir ja auch nicht glauben… vor allem, wenn du zu denen gehörst, die mit Nolan nichts mehr anfangen können. Ich mag ihn halt nach wie vor und habe mich bestens unterhalten gefühlt. Auch wenn der Film ein wenig zu lang geworden ist, hat mich die Story schon gefesselt und bis zur letzten Minute bei Laune gehalten. Und es gibt auch noch genügend andere sehr positive Kritiken… EMPIRE hat zum Beispiel die volle Punktzahl rausgerückt.

      Ich glaube, hier zeigt sich halt wirklich, wie unterschiedlich Mr. Nolan mittlerweile gesehen wird. 😉

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