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Süßes, sonst gibt’s Saures

31. Oktober 2014

Ich bin ja ein echter Stinkstiefel, was Halloween angeht. Ich hasse die Tatsache, dass irgendjemand irgendwann mal angefangen hat, den Mist auch hier bei uns zu veranstalten. Als wenn wir nicht schon genug Müll aus den USA übernehmen würden, rennen jetzt jedes Jahr am 31. Oktober die Kinder durch die Straßen und wollen Süßigkeiten. Ich habe ja nichts gegen Traditionen, aber das ist doch nicht unsere Tradition, sondern die der Amis. Deswegen scheuche ich auch jeden weg, der bei mir klingelt. Leckt mich doch am Arsch mit diesem Scheiß-Halloween. Wenn ich in Amerika mal zu Halloween wäre, würde ich das anders sehen, bei denen gehört das einfach dazu. Aber hier… ich möchte echt den finden, der sich gedacht hat: „Oh geil, ein Tag mehr an dem ich auch noch ein bisschen Kohle machen kann!“ Ahhhh… könnte ich echt ein bisschen kotzen.

Als so ein Griesgram hätte ich es bestimmt gut in Michael Doughertys „Trick ‚r Treat“ geschafft. Der lässt in seinem wunderbaren kleinen Episodenfilm nämlich auch diejenigen leiden, die an Halloween rumnörgeln. Dougherty erzählt in fünf Episoden von verschiedenen Ereignissen während einer Halloween-Nacht. Da streift zum Beispiel die junge Laurie (Anna Paquin) als Rotkäppchen verkleidet missmutig durch die Stadt, auf der Suche nach einem Date. Da macht sich der Direktor der Schule (Dylan Baker) daran, einen Kürbis-Zerstörer und Schoko-Dieb zu bestrafen und da sind fünf Kinder unterwegs, um den Kindern des sogenannten Schulbus-Massakers Kürbisse zu opfern. Und überall, wo man durch die Stadt streift, sieht man einen kleinen verkleideten Junge, Sam (Quinn Lord), der so etwas wie der gute (oder böse?) Geist von Halloween zu sein scheint.

Jetzt gibt’s so richtig was Saures…

Dougherty verneigt sich schmunzelnd vor allen möglichen Halloween-Traditionen und verknüpft anhand wichtiger Halloween-Regeln seine einzelnen Geschichten miteinander. So lernen wir, dass man stets ein Kostüm tragen sollte, brav Süßigkeiten verteilen muss, niemals Kürbislaternen auspusten darf, seine Süßigkeiten immer kontrollieren sollte und das man niemals allein oder zu Fremden gehen sollte. Doch wie das so üblich ist in Horrorfilmen missachtet da der ein oder andere gerne mal die Regeln. Aber spätestens nach „Trick ‚r Treat“ sollte dann wirklich klar sein, die Regeln sind wichtig, die Regeln kommen nicht von ungefähr.

Dougherty nimmt also diese Regeln als Aufmacher für seine Episoden und verstrickt diese auf gekonnte Weise. Zwar werden die einzelnen Geschichte nur am Ende ein wenig zusammengeführt oder zumindest deutet Dougherty da an, dass alles an ein und demselben Ort passiert. Aber das sollte man ihm nicht allzu krumm nehmen. Denn auch wenn kein großes Ganzes entsteht, sind die einzelnen Stories doch immer noch sehr gut. Und in vielerlei Hinsicht sehr amüsant. „Trick ‚r Treat“ will nicht unbedingt gruseln, dafür kommt nicht so wirklich die Stimmung auf. Dafür möchte Dougherty viel lieber einen unterhaltsamen Film, bei dem einem die Süßigkeiten manchmal vor Lachen im Halse stecken bleiben. Die Geschichten sind sehr makaber und immer mit einem netten kleinen Twist am Ende versehen. (Und so ganz zwischendurch wird’s nicht nur makaber, sondern sehr oft auch ordentlich blutig… wie sich das halt so gehört, wenn es statt Süßem was Saures gibt 😉 )

Einziges Verbundstück zwischen allen Geschichten ist Sam, der Geist von Halloween. Da im Film immerhin einmal Charlie Brown erwähnt wird, gehe ich mal ganz stark davon aus, dass sich Michael Dougherty auch von „Charlie Brown“ inspiriert hat: Da warten ja der kleine Linus schließlich jedes Jahr zu Halloween auf den Großen Kürbis. In „Trick ‚r Treat“ müsste er da nicht warten, nur kommt statt dem Großen Kürbis halt der kleine Sam… der sich allein durch diesen kleinen Auftritt schon einen Platz in der Reihe kultiger Horror-Gestalten verdient hat. Denn was auch immer man an Halloween tut, man sollte es sich nicht mit Sam verscherzen. Und nach meiner Einleitung bin ich mir sicher, dass Sam mich auch besuchen kommt.

„Trick ‚r Treat“ ist ein gelungener Halloween-Film. Er nimmt sich selbst zwar nicht zu ernst, aber seine Materie (nämlich Halloween) dafür umso mehr. Dieser Film darf bei keiner Halloween-Party fehlen. Der macht nämlich einfach nur Spaß, und mehr soll Halloween doch auch nicht sein.

Wertung: 8 von 10 Punkten (nehmt euch vor Sam in Acht!!!)

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8 Kommentare leave one →
  1. oldboyrap permalink
    31. Oktober 2014 11:43

    Hm, also ich ein kleiner Junge war, haben wir an einem beliebigen Oktober-Abend an Haustüren geklingelt und Süßigkeiten gesammelt. Und das war bevor es hier Halloween gab, es hieß halt anders. Nur haben wir da keine Kostüme angehabt, sondern sind mit Kürbislaternen rumgelaufen. Also im Endeffekt: Auch wenn es Halloween hier nicht bei uns gäbe, den Brauch mit an Haustüren klingeln und Süßigkeiten abgreifen gab es zumindest in meiner Region schon ziemlich lange.

    • donpozuelo permalink*
      31. Oktober 2014 14:28

      Echt??? Okay… wie gesagt, ich kenn’s überhaupt nicht. Und selbst wenn, ich find’s trotzdem schade, dass es halt so extrem amerikanisiert wird.

  2. 31. Oktober 2014 19:05

    Also, ich kann Dich gut verstehen und finde es auch denkwürdig hier jede Unsitte zu importieren, zumal die Kinder hier das Fest überhaupt nicht kapieren (ich bezweifle, dass es mehr als drei Kinder gibt, die sich einen ordentlichen Streich überlegt haben – letztendlich gehen sie nur nach Süßigkeiten betteln). Ich hatte schon überlegt Zahnbürsten und Zahnpasta auszuteilen – stößt wahrscheinlich auf entsetzte Gesichter :))
    Den Film habe ich im Übrigen genauso in Erinnerung. Hatte mir auch sehr gut gefallen, besonders die Paquin 🙂

    • donpozuelo permalink*
      2. November 2014 15:09

      Oha… Zahnbürste und Zahnpasta… das bedeuten dann doch dann definitiv „Saures“ 😀

      Und ja, die Paquin-Episode ist wirklich gut!

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