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Der Lunareffekt

24. Oktober 2014

Der Werwolf wird ja filmisch in letzter Zeit recht stiefmütterlich behandelt. Aber er ist ja zugegebenermaßen auch eine etwas schwierige Figur, die sich in unseren Tagen noch schlechter vermarkten lässt. So ein Vampir kann immer noch ordentlich Sex-Appeal haben, selbst Frankensteins Monster kann man sicherlich noch irgendwie verkaufen (auch wenn das mit „I, Frankenstein“ ja letztens nicht wirklich geklappt hat), aber ein haariges Zottel-Wesen ist da schon echt schwierig. Selbst die Twilight-Werwölfe hatten ja noch ein bisschen was von niedlichen Hunden und Six-Pack-bestückten Typen, wenn sie mal keine Werwölfe waren. Aber irgendwie ist das alles nicht so das Wahre.

Da sollte man sich doch freuen, wenn der Werwolf mal nicht zum Hundebaby verkommt, sondern von einem Horror-Regisseur verarbeitet wird. Allerdings schafft es auch William Brent Bell mit „Wer“ nicht, dem mondsüchtigen Werwolf einen neuen Anstrich zu verleihen.

In „Wer“ soll die junge Anwältin Kate (A.J. Cook) in Frankreich den verhafteten Talan (Brian Scott O’Connor) verteidigen, der angeklagt wurde, eine Familie ermordet zu haben. Doch nichts deutet darauf hin, dass der riesige Talan dafür verantwortlich gemacht werden kann, denn die Familie wurde regelrecht zerfleischt… von einem Tier. Und Talan ist ja ganz offensichtlich ein Mensch, oder vielleicht doch nicht?

Selbst Mr. Lecter ist gefährlicher als der Typ!!!!

„Wer“ ist nur knapp 90 Minuten lang, aber fünfzig davon müssen wir uns mit schlechten Schauspielern, langweiligen Dialogen und filmischem Nichts quälen. Es passiert wirklich einfach gar nichts. A.J. Cook versucht sich als taffe Anwältin, der das Recht ihres Klienten natürlich total am Herzen liegt. Natürlich läuft sie dabei gegen eine Wand bei den französischen Polizisten, die Talan schon längst als Mörder abgestempelt haben. Da wird dann noch mal die rumänische Mutti besucht und anschließend eine halbgare Krankheitsgeschichte serviert, die uns erklären soll, was da mit Talan los sein könnte.

„Wer“ bietet in diesen ersten fünfzig Minuten nicht einen Moment Spannung oder Drama oder irgendwas. Da wäre es aufregender, sich in einer Vollmondnacht einfach den Mond für 50 Minuten anzuschauen, als den Schauspielern hier dabei zu zuhören, wie sie mit tollen Begriffen wie dem Lunareffekt versuchen, den Werwolf glaubwürdig zu machen. Funktioniert alles nicht, weil man es den verkrampften Schauspielern auch einfach nicht abnimmt.

So, und jetzt muss ich auch diejenigen enttäuschen, die auf das große „Aber“ warten und auf den Satz: „Nach diesen langweiligen 50 Minuten kommt ‚Wer‘ in den letzten 40 Minuten so richtig in Fahrt!“ Sorry, Leute, wird leider nicht passieren. Ab Minute 50 wird’s zwar ein bisschen rasanter, aber außer ein paar fieser Kopf-Zerdrück- und Arm-Ausreiß-Szenen hat „Wer“ dann auch nicht viel zu bieten. Ich meine, wir bekommen nicht einmal eine coole Transformationsszene. Immerhin ist Brian Scott O’Connor schon ein Tier von einem Mann und dazu noch ordentlich behaart… große Schnauze, lange Krallen und noch mehr Fell dürft ihr nicht erwarten.

Die finalen Minuten des Films sind dann leider genau so wie die anfänglichen – nur halt mit weniger Gelaber und mehr dummen Menschen, die bereitwillig in den dunklen, unübersichtlichen Wald laufen oder ohne groß nachzudenken, in ihnen unbekannte Höhlen kriechen. Alles zum Vorteil des Werwolfs und alles zum Nachteil für uns, denn wir langweilen uns weiterhin zu Tode.

Also, lieber Werwolf, du wirst wohl auch weiterhin darauf warten müssen, dass dir jemand endlich mal wieder einen guten und passenden Film widmet. „Wer“ ist es auf keinen Fall… denn „Wer“ ist einfach nur langweilig und dumm. Immerhin hat man sich scheinbar an „World War Z“ ein Beispiel nehmen wollen: Der Begriff „Werwolf“ fällt wirklich erst zum Schluss. Ein einziges Mal. Ansonsten ist’s halt der Lunareffekt… super!!!

Wertung: 3 von 10 Punkten (erst Langeweile, dann ein bisschen überflüssige Gewalt mit Langeweile… dann vielleicht doch lieber Taylor Lautner?)

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6 Kommentare leave one →
  1. 24. Oktober 2014 12:25

    Schau dir mal „When Animals Dream“ an. Guter Werwolf-Film.

    • donpozuelo permalink*
      27. Oktober 2014 09:17

      Okay… werde ich mir mal merken. Auf einen guten Werwolf-Film warte ich ja eh noch 😉

  2. 24. Oktober 2014 16:28

    Ist ja lustig, den habe ich gestern auch als letzten Film vom Fantasy Filmfest besprochen, allerdings fand ich ihn nicht so schlecht, aber ich habe mich damit abgefunden, dass ich da ganz alleine stehe ^.^ Der Schluss war anstrengend, ich fand allerdings nicht, dass nix passierte.
    Hm, „When Animals Dream“…der Trailer sah mir sehr anstrengend aus. Ist mir wahrscheinlich zu künstlerisch.

    • donpozuelo permalink*
      27. Oktober 2014 09:19

      😀 So unterschiedlich sind halt die Wahrnehmungen. Vielleicht ist’s auch wieder bei mir ein Fall von überhöhten Erwartungen… aber mich hat der Film halt Null gefesselt.

  3. 26. Oktober 2014 17:43

    Taylor Lautner … nein. Das geht auch nicht klar XD Aber zum Thema Werwolf-Verwandlung fällt mir Hemlock Grove wieder ein – in der Serie habe ich mal eine richtig gute Verwandlung gesehen.

    • donpozuelo permalink*
      27. Oktober 2014 09:20

      Ich weiß, dass Lautner nicht geht 😉 Aber trotzdem wäre der mir wahrscheinlich lieber als der Typ hier. Und „Hemlock Grove“ steht auch schon auf meiner Liste…

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