Skip to content

Das Boot im Baum

20. Oktober 2014

Es gab eine Zeit, da wäre es nicht unbedingt cool gewesen, wenn man behauptet hätte, man findet Matthew McConaughey gut. Immerhin war er so bis 2010 eher der Typ, der in den langweiligen Romantikkomödien sein Shirt auszog und das war’s. Aber zum Glück für uns kann und darf sich jeder auch mal ändern…. und mittlerweile ist McConaughey auf anderen Pfaden unterwegs. Sein Oscar für „Dallas Buyers Club“ hat mit seinem Schmuse-Image wohl endgültig Schluss gemacht. Aber McConaughey hat natürlich schon davor angefangen, sein Image umzukrempeln.

Mein erster richtig umgekrempelter McConaughey ist „Mud“ („Wolf of Wall Street“ zähle ich jetzt nicht so richtig mit, weil er da frevelhafterweise einen viel zu kurzen Auftritt bekommen hat). „Mud“ erzählt die Geschichte der beiden Freunde Ellis (Tye Sheridan) und Neckbone (Jacob Lofland), die auf einer kleinen Insel ein Boot in einem Baum finden. Was für sie anfangs ein großer und aufregender Fund ist, erweist sich schnell aus die Unterkunft von Mud (McConaughey), der sich hier versteckt hält, um Kopfgeldjägern zu entkommen. Denn Mud hat etwas für seine Freundin Juniper (Reese Witherspoon) getan, was er so vielleicht nicht hätte tun sollen.

Wir hätten definitiv woanders lang fahren sollen…

Ich kann mich noch gut an den ersten Trailer zu „Mud“ erinnern… damals war ich schon irgendwie sehr angetan von den Bildern, der Atmosphäre, die allein schon diese ersten Bilder spüren ließen und von einem Matthew McConaughey, der so ganz anders aussah als sonst. Und ja, „Mud“ enttäuscht nicht, sondern hat mich sogar noch eher überrascht. Ich weiß nicht so wirklich, was ich erwartet habe, aber so ein starkes Drama, in dem es um Werte wie Liebe, Vertrauen und Freundschaft geht, hätte ich nicht erwartet. Warum? Kann ich nicht einmal sagen… hätte ich mir eigentlich denken können, vor allem wenn man bedenkt, dass Regisseur Jeff Nichols ja schon mit „Take Shelter“ gezeigt hat, was er so drauf hat… aber wie gesagt, ich hatte mir bei „Mud“ irgendwas ganz anderes vorgestellt…

Vor allem hätte ich nicht gedacht, dass, obwohl er die titelgebende Figur spielt, es nicht so wirklich um McConaughey geht. Der spielt seine Rolle super, freundet sich mit den Jungs an, erzählt ihnen von seiner großen Liebe und was er alles für sie getan hat und tun würde. Man hinterfragt, genau wie die Jungs, so gut wie gar nicht – selbst als man die Waffe sieht, die er bei sich trägt. Mud weiß sich zu verkaufen… und so wollen wir ihm Glauben schenken. McConaughey spielt diesen Einsiedler mit all seinen Ecken und Kanten und verleiht ihm die nötige Glaubwürdigkeit, dass wir eben nichts hinterfragen…

Doch die eigentlich Stars sind Tye Sheridan und Jacob Lofland… gut, Sheridan ein bisschen mehr als Lofland, der eigentlich nur der sympathische und eher schweigsame Sidekick ist. Vielmehr geht es in „Mud“ um Sheridans Ellis. Für den Jungen bricht nämlich alles ein bisschen zusammen, er verliert den Glauben an seine Eltern, die sich scheiden lassen wollen und weiß nicht mehr weiter. In Mud findet er so etwas wie einen Helden, der für die Liebe zu seinem Mädchen alles tun würde. Für Ellis ein Lichtblick in seiner schwärzer werdenden Welt. Mit der Freundschaft zwischen Mud und Ellis baut sich Nichols ein sehr starkes Drama, ein Coming-Of-Age-Drama, dass in seiner Intensität stark an „Stand By Me“ erinnert. Genau wie da, erleben Ellis und Neckbone hier ihr großes Sommer-Abenteuer und reifen dadurch. Nur halt auf teilweise sehr viel brutalere Art und Weise als die Jungs, die einfach nur ausziehen, um eine Leiche zu suchen.

Sheridan ist es auf jeden Fall zu verdanken, dass man seine Augen nicht von diesem Film lassen kann. In seiner erst zweiten Rolle nach „Tree of Life“ überzeugt er in jeder Szene, der Junge ist ein wahrer Wirbelwind, der all die Hoffnungen und Sehnsüchte perfekt übermittelt.

„Mud“ ist ein unglaublich intensiver Film… gerade weil er sich weniger auf Mud, sondern vielmehr auf Ellis stützt. Man könnte es auch eine moderne Fassung von Tom Sawyer und Huckleberry Finn nennen. McConaughey beweist auf jeden Fall einmal mehr, dass er jetzt ein anderer Schauspieler geworden ist und Sheridan macht einmal mehr deutlich: Auf diesen Burschen sollte man deutlicher achten.

Wertung: 9 von 10 Punkten (ein Sommer-Abenteuer, dass euch vor den Bildschirm fesselt)

Advertisements
8 Kommentare leave one →
  1. 20. Oktober 2014 11:10

    Den habe ich auch noch vor mir. Aktuell begeistern mich McConaughey in „True Detective“ — solltest du das noch nicht kennen: reinschauen! 🙂

    • donpozuelo permalink*
      20. Oktober 2014 11:32

      Klar!!!! „True Detective“ hab ich schon gesehen… muss nur noch meine Gedanken ordnen und was dazu schreiben 😉 Aber ich fand’s auch total super!!!

  2. 21. Oktober 2014 19:42

    Guter Film, mit allerdings etwas fragwürdigem Frauenbild. Das Ende war mir auch etwas „too much“.

    • donpozuelo permalink*
      21. Oktober 2014 22:22

      😀 Ja, das Ende ist wirklich – im Vergleich zum Rest des Films – ein bisschen „too much“, aber das macht den Film zum Glück nicht kaputt. 😉

Trackbacks

  1. Die Reise durch das Wurmloch | Going To The Movies
  2. Hello Joe! | Going To The Movies
  3. Unser eigenes Polizei-Auto | Going To The Movies
  4. Mitternachtsspezial | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: