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Die Liga der außergewöhnlichen Monsterjäger

17. Oktober 2014

Sam Mendes und John Logan funktionieren gut zusammen. Und verstehen sich scheinbar auch sehr gut darauf, alten Legenden einen neuen Anstrich zu verleihen. Immerhin schrieb Logan das Drehbuch zu „Skyfall“, der unter der Regie von Sam Mendes zum erfolgreichsten Bond-Film wurde. Dass diese beiden also wieder zusammenarbeiten, sollte niemanden verwundern. Verwunderlich ist eher, dass sie sich für ihr nächstes Projekt das Fernsehen ausgesucht haben (obwohl das auch nicht wirklich verwundert, wenn man bedenkt, was im Bereich der Serien gerade alles so abgeht).

Für ihr Post-Bond-Projekt haben sich Logan und Mendes also an eine Serie gewagt – „Penny Dreadful“. Wir befinden uns im London des 19. Jahrhunderts. Der gealterte Gentleman und Abenteurer Sir Malcolm Murray (Timothy Dalton) ist auf der Suche nach seiner Tochter Mina. Hilfe erhält er dabei von der geheimnisvollen Vanessa Ives (Eva Green), dem amerikanischen Wild-West-Show-Künstler Ethan Chandler (Josh Hartnett) und Dr. Viktor Frankenstein (Harry Treadaway).

She has crazy eyes… still hot, though…

Und spätestens jetzt dürfte es bei jedem in den Ohren klingeln. „Penny Dreadful“ versucht sich nämlich daran, so eine Art interessanter Mischung aus „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“ und „Van Helsing“ zu sein – sprich: klassische Figuren aus der Horror-Literatur werden quasi neu aufgemotzt. Neben Frankenstein streunt auch noch sein Monster durch die Serie sowie ein äußerst charmanter Dorian Gray. Da es sich bei der Tochter von Sir Murray um eine gewisse Mina Harker handelt, dürfte wohl auch klar sein, dass „Dracula“ auch mit in die Serie eingebunden wird. Allerdings, und das ist dann auch wieder das Tolle an „Penny Dreadful“, bleibt der Vampir hier in der ersten Staffel weitestgehend ein Mysterium. In den acht Folgen der ersten Staffel bekommen wir es hauptsächlich mit seinen Schergen zu tun.

„Penny Dreadful“ ist aber weniger auf Horror und Action aus – vielmehr gelingt es Logan und Mendes wirklich gut, den einzelnen Charakteren gerecht zu werden. Jeder bekommt hier seine eigene kleine Story, die das große Ganze wunderbar untermauern. Jeder einzelne Charakter wird sorgsam aufgebaut… mit all seinen dunklen Geheimnissen. Scene stealer par excellence ist Eva Green… sie spielt die Vanessa Ives mit der nötigen viktorianischen Kälte. Sie ist förmlich umhüllt von einer Aura des Mysteriösen, ist aber gleichzeitig eine großartige femme fatale (Millionen Mal besser als in „Sin City 2“).

Mein Lieblingsbond-Darsteller Timothy Dalton kommt als knurriger Abenteurer genauso gut rüber wie Josh Hartnett als Mann mit dem Händchen für Waffen. Besonders gut hat mir aber auch Reeve Carbey, der den Dorian Gray mit großartiger Überheblichkeit spielt… einziges Manko: in der ersten Staffel dürfen wir leider noch keinen Blick auf sein Bildnis werfen 😉

Allein schon wegen der Darsteller lohnt sich „Penny Dreadful“. Jeder Charakter wird hier wirklich sehr glaubwürdig porträtiert. Was dann aber auch daran liegt, dass Mendes und Logan die einzelnen Stories zu einem spannenden und interessanten Strang zusammenbinden. Die Serie reißt alle kleineren und größeren Geheimnisse der Charaktere an, hütet sich aber gut davor, sie alle sofort aufzulösen. Das klingt jetzt vielleicht frustrierend, ist es aber überhaupt nicht. Schließlich kennt man sie ja irgendwie auch alle schon und weiß zumindest von den Klassikern, wohin sie gehen. „Penny Dreadful“ macht sich das gut zunutze und spielt immer wieder gekonnt mit Erwartungen.

Einzig und allein beim Finale der ersten Staffel haben sie ein bisschen zu viel mit den Erwartungen gespielt. Denn statt uns das zu liefern, worauf wir die ganzen acht Folgen warten, wird man mit einer der Nebenstories gequält Ein bisschen wirkte das auf mich so, als hätte man lange darauf gewartet, ob man die zweite Staffel bewilligt bekommt. Wenn dem nicht so gewesen wäre, hätte man dann genug „Platz“ in der letzten Folge für den großen Knall gehabt. Nun wurde zu unserem Glück die zweite Staffel bewilligt und deswegen spielt man auf Zeit und ruiniert sich dabei ein bisschen das Finale einer sonst sehr atmosphärischen und spannenden ersten Staffel.

Wertung: 9 von 10 Punkten (alte Klassiker in neuem Gewand mit tollen Darstellern – diese Serie macht wirklich Spaß)

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9 Kommentare leave one →
  1. 17. Oktober 2014 10:43

    Lol, Josh Hartnett – gibt dem also immer noch jemand Arbeit…

    • donpozuelo permalink*
      17. Oktober 2014 11:13

      Auf die große Leinwand wird er’s wohl nicht mehr schaffen, aber so im Kleinen macht der Gute ja doch noch ganz schön viel. Und hier ist er auch echt gut!

  2. 18. Oktober 2014 12:13

    Also ich dachte, das wäre eher so eine Westernserie, weil ich oft nur halb lese. Prompt habe ich die erste Folge zum Frühstück geguckt…na ja mit so viel rohem Fleisch hätte ich nicht gerechnet, schon gar nicht bei Mendez ;D
    Nichtsdestotrotz gefällst mir, bin aber noch nicht durch.

    • donpozuelo permalink*
      18. Oktober 2014 19:03

      Ja, stimmt. Die erste Folge hat schon ordentlich was zu bieten… 😀 Bin gespannt, wie dir die erste Staffel dann als Ganzes gefällt.

  3. 18. Oktober 2014 16:32

    Ah! Da ist ja der Artikel! 😀 Hast du dich ja doch noch durchgerungen! 😉 Gestern habe ich gelesen, dass Madame Kali in der 2. Staffel eine wichtige Rolle spielen wird. Undzwar als … sage ich nicht, es sei denn du willst es wissen.
    Was lustig ist, weil … ich schon in der letzten Folge anfangs nicht mehr wusste, wer sie überhaupt ist XD So gut habe ich aufgepasst … aber das konnte man ja schon ahnen, dass sie wieder auftritt :-/

    • donpozuelo permalink*
      18. Oktober 2014 19:07

      Da ist er endlich 😉 Ja, Madame Kali habe ich da auch nicht so wirklich wahrgenommen, aber ist doch gut, dass sie noch weitere Sachen ausloten. Ich hoffe nur irgendwie auch, dass sie die Serie nicht zu lang ausschlachten. Sonst kommen da am Ende einfach nur immer wieder neue Roman-Figuren vor und es wird irgendwann unübersichtlich… 😉 Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie es alles so weiter gehen wird.

  4. Illegitim permalink
    22. Oktober 2014 15:18

    Ich wollte das gleiche kommentieren wie Flo. :p Aber gut. „The League of Extraordinary Gentlemen“ ist ja ein kleines Guilty Pleasure von mir, allerdings weigere ich mich gerade deshalb auch seit Jahren, ihn mir noch mal anzusehen, aus Angst, dass ich ihn heute furchtbar finden würde. Mit Sam Mendes hinter der Kamera ist die Ausgangslage natürlich eine ganz andere. Der Mann verdient Vertrauensvorschuss. Muss ich mal reinschauen.

    • donpozuelo permalink*
      22. Oktober 2014 15:29

      So geht’s mir mit dem Film tatsächlich auch… allerdings habe ich letztens Mal einen der Comics gelesen und der hat mir erstaunlicherweise mal so gar nicht gefallen. Von daher könnte das ein Pluspunkt für den Film werden. Er liegt zumindest noch im Regal 😉

      Mendes selbst war jetzt meines Wissens nie hinter der Kamera, sondern ausführender Produzent, aber das sollte vielleicht trotzdem ausreichen 😀

Trackbacks

  1. Lupus Dei | Going To The Movies

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