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Scully solo…

10. Oktober 2014

Meinen ersten richtigen und wohl auch einzigen Celebrity-Crush hatte ich so mit 13, 14. Und das „Objekt“ dieser „Liebe“ war Gillian Anderson… und natürlich war „Akte X“ Schuld. Zu meinem Glück hatte ich da noch nicht die allererste Staffel gesehen, in der die Gute ja schon sehr, sehr unvorteilhaft in viel zu großen Anzügen versteckt wurde und noch nicht viel von der zauberhaften Scully entdecken ließ. Auf jeden Fall stand ich total auf sie und bin seitdem auch nach wie vor großer Fan. Umso begeisterter war ich natürlich, als sie in meiner neuen Lieblingsserie „Hannibal“ auftrat (und nach neuesten Meldungen ja auch noch weiter auftreten wird). Noch begeisterter war ich dann, als ich feststellte, dass Gillian Anderson auch als Solo-Ermittlerin in einer BBC-Serie unterwegs ist.

In „The Fall“ (nicht zu verwechseln mit Tarsem Singhs „The Fall“) spielt Anderson Detective Superintendent Stella Gibson, die nach Belfast gerufen wird, um der Polizei dort bei einem Mordfall zu helfen: Ein Killer attackiert junge Frauen, die meist erfolgreich im Berufsleben stehen. Was nur wir Zuschauer wissen, der Killer ist Paul Spector (Jamie Dornan).

Sie kann auch ohne Mulder…

Ich bin eigentlich für so ganz normale Krimi-Serien nicht so wirklich zu haben. Ich brauch immer irgendwie ein bisschen Mystery oder so was in der Art. Einfach nur so CSI-Kram find ich furchtbar langweilig. Deswegen war ich mir bei „The Fall“ auch erst gar nicht so sicher, ob es mir gefallen würde. Aber zu meinem Glück hat es mir sehr gefallen, denn die Serie – erfindet das Rad zwar nicht neu – versucht alte Klischees aufzubrechen und das ganze Katz-und-Maus-Spiel ein bisschen interessanter zu gestalten.

Deswegen fährt die Serie auch grundsätzlich zweigleisig: Auf der einen Seite halt Stella und auf der anderen Paul. Die große Überraschung, wer denn nun der Killer ist, ist damit schon mal eliminiert. „The Fall“ geht es mehr darum, auf beide Seiten zu schauen. Und sowohl die Jägerin als auch der Gejagte sind nicht unbedingt so, wie man sie sich sonst so vorstellen würde.

Andersons Stella zum Beispiel ist neben ihren guten Fähigkeiten als Ermittlerin eine richtige Männerfresserin. Gleich in der ersten Folge winkt sie einen gutaussehenden Polizisten zu sich, gibt ihm ihre Hotelzimmer-Nummer und als er da auftaucht, hat er nur brav seinen „Job“ zu erledigen. „The Fall“ liefert uns also nicht unbedingt die typische brave Ermittlerin, sondern eine mit Ecken und Kanten, deren Geschichte wir selber nie so wirklich erfahren. Wenn man es genau nimmt, ist Stella sogar ein einsamerer Wolf als der Killer, den sie jagt.

Dornans Paul steht nämlich mit beiden Beinen fest im Berufsleben, hat eine Frau und zwei Kinder und eine hübsche, minderjährige Babysitterin, die sich an ihn heranmachen will. Dornan wird hier schon zum interessanten Charakter, weil bei ihm viel mehr noch nebenbei läuft. Andersons Stella ist halt einfach die eiskalte Jägerin, aber Dornan muss seine Familie am Laufen halten, sich der Avancen der Babysitterin erwehren, in seinem Job klarkommen und dann auch noch seinen eigenen dunklen Trieben nachgehen. Und von jeder Seite könnte er jederzeit erwischt werden.

Er übt schon mal für „50 Shades of Grey“

Und hier liegt dann auch das große Spannungspotenzial, das „The Fall“ auch sehr gut in seinen (leider nur!!!) fünf Folgen voll ausnutzt. Wir bekommen zwei starke und sehr gegensätzliche Charaktere, die dann auch noch gegensätzlich beschrieben sind, denn sonst würde normalerweise eher der Cop die Familie und all die Probleme bekommen. Schließlich sollen wir ja eigentlich nicht wirklich Mitleid mit dem Täter haben oder gar mit ihm mitfiebern. Aber wenn Paul nicht gerade selbst Schlimmes tut, kann er einem schon auch mal Leid tun (wenn ich das jetzt mal so unverblümt sagen darf).

„The Fall“ dreht sich aber nicht nur um Stellas Jagd auf Paul. Vielmehr gelingt es dieser kleinen, feinen englischen Serie sehr schön, auch ein paar gut geschriebene Nebenstränge aufzubauen, die sich auch mal in ganz andere Richtungen entwickeln können, aber die Hauptstory nie behindern, sondern vielmehr untermauern.

„The Fall“ überzeugt durch eine wirklich packende Story, tolle Darsteller und einen herrlich fiesen Cliffhanger, der sehr viel Lust auf die zweite Staffel macht.

Wertung: 9 von 10 Punkten (leider viel zu kurz, aber verdammt gut!)

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5 Kommentare leave one →
  1. 15. Oktober 2014 23:18

    Oh, schön was über die Serie zu lesen. Seitdem ich Hannibal Staffel 2 gesehen habe, spiele ich immer mal wieder mit dem Gedanken mir The Fall anzuschauen. Inspiriert durch Scul…Gillian Anderson. (Mal ehrlich … ich habe Akte X geschaut, welches Mädchen/welche Frau, die die Serie liebte, wollte nicht ein bisschen Scully sein?) Aber irgendwie hatte ich nie so richtig den Antrieb, weil ich dachte, dass es die 125.876. Krimiserie ist – aber das klingt doch nicht schlecht.

    • donpozuelo permalink*
      16. Oktober 2014 08:57

      Dann ging’s dir ja echt wie mir. Aber keine Sorge, es ist nicht die x-te CSI-Crime-Kram-Serie. Ist wirklich gut… weil halt beide Seiten so stark beleuchtet werden. Als Nerven-Futter beim Warten auf Hannibal Staffel 3 genau das Richtige (und bei fünf Folgen ist man auch schnell durch 😉 )

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