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I will dance with the Golden Toad!

6. Oktober 2014

Für wie viel Geld würde ein Mensch aufhören, ein Mensch zu sein? Das ist für einen Thriller schon fast eine zu philosophische Frage. Aber es ist eine, die ja nicht von ungefähr kommt, heißt es doch, dass jeder Mensch seinen Preis hat. Ein interessantes Konzept, das schon viele Filme versucht haben, zu ergründen. Wie viel Geld ist notwendig, damit ein Mensch gegen alles angeht, wofür er sonst eigentlich steht? Wenn du Geldsorgen hast und dir bietet jemand knapp 4000 Dollar, nur damit du eine Fliege tötest und sie anschließend isst, würdest du das nicht tun? Es fällt schwer, da im ersten Augenblick „Nein“ zu sagen, oder? Und damit wären wir schon wieder bei der Frage, wie weit würde man gehen – für Geld…

Elliot Brindle (Mark Webber) schlägt die Fliege tot und isst sie danach auch, denn er hat arge Probleme. In „13 Sins“ hat er damit die ersten zwei von 13 Aufgaben bestanden. Denn eine geheimnisvolle Stimme am Telefon hat Elliot dazu eingeladen, ein Spiel zu spielen. Ein Spiel, das Elliot reich machen könnte. Er muss nur sagen: „I will dance with The Golden Toad!“ und schon hat er angenommen. Nur darf er niemandem erzählen, dass er ein Spiel spielt und er muss alle 13 Aufgaben bestehen, sonst verliert er alles. Und die Schwierigkeit: die Aufgaben bestehen leider nicht nur darin, tote Fliegen zu essen. Schon bald überschreitet Elliot seine eigenen Grenzen… und die des Gesetzes.

Die Wäscheleine hängt wohl doch zu niedrig…

Ich muss mir zu „13 Sins“ unbedingt demnächst noch das thailändische Original „13 Beloved“ anschauen, denn so schwer das auch fällt zu sagen: „13 Sins“ ist leider nur ein Remake. Aber ohne das Original zu kennen, muss ich doch auch sagen, dass Regisseur Daniel Stamm hier einen wunderbar schrägen und unfassbaren Film gedreht hat.

Wie schnell wird aus einem Mensch ein Monster? Nun, bei Michael Douglas in „Falling Down“ reichte ein Verkehrsstau aus, um ihn in Rage zu bringen. Bei Elliot dauert es ein wenig länger, aber er erlebt eine ähnliche Gewalt geladene Odyssee wie Douglas. Nur, dass er halt ein Spiel spielt. Und wer irgendwie hofft, das Ganze könnte so ähnlich enden wie Finchers „The Game“, den darf ich jetzt gleich beruhigen/ spoilern. „13 Sins“ ist ein böser Film über die Bosheit im Menschen und deswegen darf das einfach kein Happy End haben.

Daniel Stamm, ein Hamburger in Hollywood, auf den man nach diesem Film wirklich achten sollte, schafft es auf grausame Art und Weise, uns bei Laune zu halten. Die anfänglichen Aufgaben sind noch makaber bis lustig. Da kann man noch über alles lachen, nur je mehr Geld im Spiel ist, desto mehr bleibt uns das Lachen im Halse stecken. Wie bei einem Drogenjunkie stürzt Elliot immer mehr und mehr ab. Unaufhaltsam gibt er sich dem Spiel hin… und das Fiese daran: Stamm zieht uns da als Zuschauer bis zu dem Punkt mit hinein, dass wir irgendwann sagen: Mach einfach weiter, Elliot. Immerhin steckt der Gute schon so tief drin. Jetzt aussteigen, würde auch nichts bringen. Also mach einfach weiter. Fies, Herr Stamm, sehr fies!

Dazu kommt das Stamm mit Mark Webber auch jemanden gefunden hat, der diese verschiedenen 13 Stufen der Abhängigkeit vom Spiel sehr glaubhaft rüberbringt. Egal was Webber hier auch durchstehen muss, egal was er tun muss, wir sind an seiner Seite und fiebern mit ihm mit.

„13 Sins“ ist ein Film, bei dem ihr nicht ruhig setzen bleiben werdet. Ich habe immer wieder laut aufgeschrieen, dann wieder den Atem angehalten und innerlich gezittert, gebibbert und gebetet, dass Elliot da irgendwie heil durch dieses Spiel kommt. Und neben diesem ganzen Spiel, das hier auch Daniel Stamm mit uns spielt, füttert er uns gekonnt mit winzig kleinen Infos darüber, wer wohl diejenigen sind, die das ganze Spektakel veranstalten. Stamm muss nicht viel erklären, aber das Bisschen macht er verdammt gut… da wünscht man sich am Ende fast schon einen zweiten Teil (aber auch wirklich nur fast. Vergiss, was ich geschrieben habe, Internet. Keiner will einen zweiten Teil, der alles kaputt machen würde, was Stamm mit „13 Sins“ aufgebaut hat.)

Daniel Stamm hat mit „13 Sins“ einen wirklich unheimlichen Film gedreht – der sowohl Spaß macht, als auch an die Nerven geht und auch ein wenig zum Nachdenken anregt. Nicht schlecht für nur 90 Minuten Film. Auf Daniel Stamm sollte man wirklich ein Auge werfen… und wenn ihr mal angerufen werdet, überlegt Euch gut, ob ihr die Fliege wirklich essen wollt.

Wertung: 9 von 10 Punkten (ich werde nicht für die Goldene Kröte tanzen!!!)

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6 Kommentare leave one →
  1. 6. Oktober 2014 22:26

    Kommt sofort auf die Watchliste – jetzt bin ich aber neugierig. Wie immer. Und wegen der Sache mit dem Remake – du weißt doch: das Internet vergisst nie.

    • donpozuelo permalink*
      7. Oktober 2014 09:04

      Ja, schau dir den mal an… und was das Internet angeht: Das ist wohl wahr – wie ein Elefant! Es vergisst nie etwas. Und anders als ein Elefant: Es verzeiht auch nie etwas 😀

      • 9. Oktober 2014 20:56

        Elefanten verzeihen!? XD

        • donpozuelo permalink*
          9. Oktober 2014 22:41

          Wer weiß??? Wenn sie trauern können, können sie vielleicht auch verzeihen. Ich kenn mich doch mit Elefanten nicht wirklich aus, Miss Booleana… also bitte nicht weiter nachfragen 😀

  2. 6. Oktober 2014 22:40

    Hab den beim diesjährigen Fantasy Filmfest gesehen und dort war er auch mein Highlight. Webber spielt das wirklich toll, diese Verwandlung vom trögen Schluffi bis zum Ende. Und dann spielt auch noch Ron Perlman mit, den du hier ja gnadenlos unterschlägst!

    • donpozuelo permalink*
      7. Oktober 2014 09:06

      😀 Ich habe ihn gnadenlos unterschlagen, das stimmt wohl. Aber ein bisschen Überraschung soll ja auch noch für alle sein, die ich mit meinem Text für den Film begeistern kann 😀

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