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Kleines Dorf, große Hölle

19. September 2014

Darf man Mel Gibson eigentlich noch mögen? Schließlich hat sich der Mann in der Vergangenheit auch nicht gerade beliebt gemacht. Mmh… schwierig… da verwende ich dann wohl besser meine Tom-Cruise-Regel auch gleich bei Mel Gibson: Ich ignoriere einfach mal den ganzen Mist, den er da so in seiner „Freizeit“ verzapft und denke nur an Mel Gibson, den Schauspieler, den „Mad Max“, den Riggs, den Typen, der in seinen Filmen eigentlich immer ziemlich cool rüberkommt. Und deswegen darf ich mir dann auch ohne Weiteres Machwerke wie „Get the Gringo“ anschauen 😛

In „Get the Gringo“ entflieht der namenlose Gringo (Gibson) mit ziemlich viel Kohle unfreiwillig nach Mexiko (unfreiwillig nur deswegen, weil er von der amerikanischen Polizei verfolgt wird und keinen anderen Weg sieht, als die Grenzmauer zu durchbrechen). Doch in Mexiko nehmen korrupte Polizisten ihm sein Geld weg und sperren ihn in „El Pueblito“ – ein eingezäuntes Ghetto. Hier freundet sich der Gringo mit einem Jungen (Kevin Hernandez) an… eine Freundschaft, die ihm bald ordentlich was abverlangt, denn der Junge scheint für den Boss des Pueblitos von besonderer Bedeutung zu sein. Ach ja, und dann ist da auch noch Frank (Peter Stormare), der sein Geld wieder haben will, dass der Gringo ihm gestohlen hat.

Don’t make Mad Mel angry…

Es ist ja fast schon ein bisschen bemitleidenswert, wie sehr die ganzen alten Herren der Action-Kinos versuchen, sich noch einmal aufzubäumen. Es scheint ja fast eine Rentner-Rebellion im Action-Kino zu geben. Liam Neeson macht dauernd auf harter Junge und von Sylvester Stallone und seinen „Expandables“ brauchen wir ja erst gar nicht zu sprechen. Aber gut, manchmal erleben die alten Herren ja auch tatsächlich noch einen kleinen Erfolg… und mit „Get the Gringo“ funktioniert das für Mel Gibson sogar ziemlich gut. Was aber vor allem daran liegt, dass der gute Mel sich hier jetzt nicht zu sehr zum Klops macht. Er spielt halt einfach einen neunmalklugen Gringo, der in einem unmöglichen Knast versucht, zu überleben. Auf große und vor allem direkte Kämpfe lässt er sich nur ein, wenn es gar nicht anders geht. Ansonsten benutzt der Gringo vorwiegend sein Köpfchen und hintergeht diejenigen, die er hintergehen möchte. Gibson passt gut in die Rolle des Gringo. Er ist kein Superheld, sondern einfach nur ein normaler Typ.

Allerdings war’s das auch schon… ansonsten hat „Get the Gringo“ nicht wirklich viel zu bieten. Die Action und die Story sind bekannt und bieten nur selten große Überraschungen. Nein, streichen wir das, sie bieten überhaupt keine Überraschungen. Das soll jetzt nicht so negativ gewertet werden, wie es klingt. Denn: Die Action ist schon sehenswert… mit ordentlich viel CGI-Blut und so. Manchmal unglaublich gnadenlos… aber man ist ja in einem Knast voller böser Burschen, da kann man das ja scheinbar so machen.

Was mich sehr geärgert hat, ist, dass „Get the Gringo“ zu Anfang erscheint, als könnte dies ein wirklich großartiger und unterhaltsamer Film werden. Denn noch zu Beginn kommentiert der Gringo das Geschehen in recht zynischer Art und Weise aus dem Off. Er redet uns direkt an mit „boys and girls“ und lässt uns auf sehr amüsante Weise an seinen Gedanken teilhaben. Er erklärt uns sein Vorgehen, die Möglichkeiten, analysiert für uns die Situation und hat dabei immer einen blöden Spruch auf Lager. Da steckt gleich zu Beginn also viel Potenzial, diesen Film ein bisschen interessanter zu gestalten. Doch leider verschwindet Gibson schnell als Off-Kommentator und damit leider auch der Witz aus diesem Film. Erst zum Schluss darf Gibson sich noch einmal so zu Wort melden.

Auch wenn Erzähler ja nicht immer die richtige Lösung sind, für „Get the Gringo“ wäre es definitiv von Vorteil gewesen. So versinkt der Film schnell in gewöhnliches Alter-Mann-Action-Kino, das sich zwar sehen lassen kann, aber sein Potenzial verspielt. Was halt besonders ärgerlich ist, weil man in den ersten 10-20 Minuten schon gezeigt bekommt, was hätte sein können.

Naja, Gibson hatte aber dennoch Spaß, der Film haut seine Story konsequent durch und langweilt uns nicht mit Sentimentalitäten. „Get the Gringo“ ist okay… mehr aber auch nicht.

Wertung: 7 von 10 Punkten (mit Gibson als zynischem Off-Kommentator wäre das Ding sehr viel unterhaltsamer geworden)

5 Kommentare leave one →
  1. 20. September 2014 14:27

    Der hatte mich damals zum Kinostart auch ganz gut unterhalten. War glaube ich einer der ersten Filme, die ich aus dem US-iTunes Store ausgeliehen habe, insofern ein Meilenstein meiner VoD-Historie 😀

    Ich weiß noch, dass Gibson zumindest eine gute Performance liefert und hatte ihm bescheinigt, wieder auf dem richtigen Weg zu sein, abseits seines Privatlebens Schlagzeilen zu machen. Und so allmählich ist er wohl wieder in Hollywood angekommen und hat sich an sein Image als Bösewicht gewöhnt (s. MACHETE KILLS und EXPENDABLES 3). Hoffentlich sehen wir ihn nochmal in einer richtig charismatischen Rolle abseits von Knarren und viel Action.

    • donpozuelo permalink*
      21. September 2014 22:09

      Gibson war schon gut… und ganz ehrlich der Film ist es auch. Aber er wäre um Welten besser gewesen, wenn sie einfach Gibson als ironischen Kommentator aus dem Off beibehalten hätten. Hätte den Film ungemein aufgewertet.

  2. Andreas permalink
    5. Oktober 2014 20:56

    Hört sich interessant an und trotz der Reduzierung auf einen reinen Actionfilm ohne viel Story werde ich ihn mir mal anschauen. Was das Private von Mel Gibson betrifft, das man meist unfreiwillig mitbekommt, handhabe ich es genauso und blende es so gut es geht aus. Ansonsten könnte man viele Filme mit ihm gar nicht mehr genießen, wie zum Beispiel die Lethal Weapon Reihe, die ich immer noch so gern schaue, obwohl ich sie schon fast auswendig kenne. Der letzte neuere Film von ihm, der mich richtig beeindruckt hat, war auf jeden Fall „Auftrag Rache“, weil die Story auch einfach gut war.

    • donpozuelo permalink*
      5. Oktober 2014 20:58

      „Auftrag Rache“ habe ich leider noch nicht gesehen… aber werd ich mir mal vormerken 😉

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  1. Unterwegs mit Papa! | Going To The Movies

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