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Lonesome Cowboy, Angry Samurai

17. September 2014

Josh Hartnett ist scheinbar auch einer dieser Schauspieler geworden, die mal kurz auf einem aufsteigenden Ast in Hollywood waren und sich dann still und heimlich verzogen haben. Jetzt findet man Hartnett ja fast nur noch in irgendwelchen kleinen Direct-to-DVD-Filmen. Und selbst die, die es noch ins Kino schafften, bescherten Hartnett jetzt nicht mehr so viel Ruhm und Ehre. Sein „Sin City“-Auftritt war zwar cool, aber auch verdammt kurz und „30 Days of Night“ war dann scheinbar der letzte Film, der würdig genug schien, ins Kino kommen zu dürfen. Aber Direct-to-DVD muss ja nicht immer was Schlechtes sein… da finden sich ja auch immer wieder kleine Juwelen, wie etwa „Lucky Number Slevin“, der ja wirklich richtig gut war.

Richtig gut schien auf dem Papier auch „Bunraku“ von Guy Moshe: Wir befinden uns in einer Zeit, in der Schusswaffen verboten sind. Wer sich töten will, muss auf Schwerter, Schläger oder einfach auf seine Fäuste setzen. Auf seine Fäuste kann sich der namenlosen Unbekannten (Hartnett) verlassen. Und er wird sie brauchen, wenn er den mächtigen Nicola (Ron Perlman) und seine Gang vernichten will. Warum er das will, wissen wir nicht. Doch ist er nicht der Einzige, der dem Schurken an den Kragen will. Der junge Samurai Yoshi (Gackt) will die Ehre seiner Familie herstellen, denn Nicola hat seinem Vater ein wertvolles Medaillon gestohlen. Bleibt nur die Frage, ob der Unbekannte und Yoshi gemeinsam gegen Nicolas Horden angehen können.

The manliest cowboy ever… even in pink!

Guy Moshe vermischt in „Bunraku“ Western und Samurai-Film… und wieso auch nicht. Schließlich hat gerade der Samurai-Film ja schon etliche Western beeinflusst, warum sollte man beides nicht auch mal zusammenpacken? Immerhin geht es in beiden Genres oftmals um Rache und die Zurückgewinnung der Ehre. Allerdings scheitert „Bunraku“ daran, diese doppelte Rache-Geschichte spannend und eindringlich zu erzählen. Man fiebert weder mit dem Unbekannten noch Yoshi wirklich mit… was vielleicht aber auch daran liegen könnte, dass beide Charaktere nicht wirklich ausgearbeitet sind. Josh Hartnett versucht zwar sein Bestes, so eine Art schweigsamer Clint Eastwood zu sein. Aber dazu gehört dann doch mehr als einfach nur grimmig in die Kamera zu schauen. Auch Yoshi-Darsteller Gackt hat so seine Schwierigkeiten, er bekommt die übliche Klischee besetzte Japaner-auf-Rache-Rolle. Auch nicht wirklich beeindruckend… und wenn dann beide zusammentreffen, zoffen die sich mal kurz und können sich dann doch schnell einigen. Hier hätte man mehr draus machen können.

Gleiches gilt auch für Ron Perlman, der muss sich als Schurke hinter seiner Nummer 2 verstecken. Kevin McKidd, der Perlmans Nummer 2 spielt, ist ein großartiger Antagonist und der Einzige in diesem Film, der auch wirklich interessant geschrieben ist.

Was „Bunraku“ an Story, Spannung, Emotionalität und Intensität fehlt, wird durch die Optik fast wieder wett gemacht. „Bunraku“ sieht aus wie eine Mischung aus Origami und Pop-Up-Art. Dazu kommt so eine Art Comic-Look, der hin und wieder schon ein bisschen an „Sin City“ erinnert. Auf jeden Fall macht „Bunraku“ optisch echt was her. Dazu sorgen Schnitte, Kamera-Fahrten und Settings immer wieder dafür, dass man sich vorkommt, als würde man eins dieser Pop-Up-Bücher lesen. Der Look geht erstaunlich gut in die Story über… wenn die jetzt noch richtig gut gewesen wäre, hätte „Bunraku“ echt extrem geil werden können.

Und wenn wir schon bei „extrem geil“ sind… bei der coolen Optik hätte ich mir auch ein paar mehr stylische Fights gewünscht. Für einen Film, der Western mit Eastern vermischt und auf Schusswaffen verzichtet, liefert „Bunraku“ zwar gute Fights, aber keine, die wirklich in Erinnerung bleiben. Auch da hätte man mehr draus machen können.

Somit ist „Bunraku“ einmal mehr einer dieser Filme, in denen es heißt: Stil vor Story. Dadurch dass der Stil aber doch verdammt gut geworden ist, kann man nur sagen, dass man sich „Bunraku“ durchaus mal anschauen kann… nur erwartet halt von allem anderen nicht zu viel 😉

Wertung: 6 von 10 Punkten (das filmische Pop-Up-Buch… vielleicht was, was Robert Rodriguez mal für „Sin City“ in Erwägung ziehen könnte)

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