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Die letzte Note

12. September 2014

Ich ärgere mich immer ein bisschen, dass ich nie ein Musikinstrument gelernt habe. Blockflöte in der Grundschule zählt da jetzt auch nicht wirklich… zumal ich eh ziemlich schnell verlernt habe, das Ding zu spielen. Ich denke mir zwar zwischendurch immer, was nicht ist, kann ja noch werden. Aber irgendwie fehlt dann doch der richtige Anlass… zumal, wenn ich ehrlich sein soll, ich am liebsten Klavier spielen würde. Klavier fand ich immer sehr beeindruckend und ich habe früher gern mal auf einem rumgeklimpert, aber es leider nie gelernt… wer weiß, vielleicht kommt das ja noch. Wenn ich genug Geld bekomme, um mir selbst eins zu kaufen und es dann auch zu lernen.

Bis dahin muss ich mich damit begnügen, andere Menschen am Klavier zu bewundern… wie zum Beispiel Elijah Wood in „Grand Piano“. Darin spielt er den Klavier-Virtuosen Tom Selznick. Vor fünf Jahren hat sich Selznick verabschiedet, weil er beim Spielen des unspielbaren Stücks seines Mentors Patrick Godureaux „La Cinquette“ versagt hat. Doch jetzt auf einmal tritt er für ein Konzert noch mal auf… zu Ehren des kürzlich verstorbenen Godureaux. Als Tom jedoch an seinem Klavier Platz nimmt, stehen da merkwürdige Zeilen auf seinen Noten: Wenn er auch nur einen falschen Ton spielt, stirbt er.

Was mache ich hier? Sollte ich nicht den Einen Ring vernichten?

„Grand Piano“ reiht sich ein in die Filme, die in Echtzeit ablaufen. Ein Film, ein Konzert und das große Bangen um Toms Leben… hinter „Grand Piano“ steckt Regisseur Eugenio Mira, der wiederum von Rodrigo Cortés als Produzent unterstützt wird. Und Cortés dürfte einigen als Regisseur des famosen „Buried“ bekannt sein. Die Experimentierfreudigkeit, die Cortés in „Buried“ an den Tag legte, hat er scheinbar seinem Protegé Mira mitgegeben. Denn auch „Grand Piano“ findet fast hauptsächlich an einem Ort statt… nämlich direkt vor dem titelgebenden Piano.

Dabei beeindruckt Mira – ähnlich wie schon Cortés in „Buried“ – durch eine wirklich grandiose Kamera-Arbeit. Die Fahrten, Winkel und Perspektiven, die Mira wählt, geben diesem Konzertsaal und diesem Klavier-Spieler eine unheimliche Initimität. Obwohl da zig Leute im Publikum sitzen, dreht sich alles nur um Tom Selznick und sein fehlerfreies Spiel. Dabei unterwirft Mira die Kamera und sämtliche durch sie eingefangenen Bilder der Musik… so entwickelt der Film eine unglaubliche Sogkraft, und das, obwohl wir einfach nur einen Typen am Klavier sehen.

Zu der wirklich überragend guten Kamera-Arbeit kommt aber auch ein überragend guter Elijah Wood. Jetzt fragt man sich natürlich, was der da groß macht – außer Klavier-Spielen. Nun, im Verlauf der Handlung bekommt er so ein Gerät, mit dem sein Erpresser mit ihm kommunizieren kann. So muss der gute Tom nicht nur spielen, sondern auch noch um sein Leben argumentieren. Und allein das macht das Ganze irgendwie nur noch schlimmer: Denn jedes Mal, wenn Selznick in eine heftige Diskussion mit seinem Erpresser verfällt, bekommt man es mit der Angst zu tun. Man möchte ihm fast zurufen, er soll lieber spielen, anstatt zu reden.

Wood überzeugt hier als Einzelkämpfer vor der Kamera… man spürt seine Angst, seine Panik, aber auch seinen Willen, dieses Stück zu überleben. Am andere Ende erleben wir einen Überraschungsdarsteller, der hier fast nur durch seine Stimme anwesend ist… aber darin genügend Zorn und Bedrohlichkeit rüber bringt, dass wir ihm Glauben schenken, wenn er mit Tod droht (kleiner Hinweis: Einer meiner Lieblingsschauspieler, der sich mit Musik auskennt 😉 )

„Grand Piano“ ist ein Film, der durch das perfekte Zusammenspiel von Darstellern und Kamera-Arbeit wirklich Spannung erzeugt. Es ist ein Konzertfilm, der sich langsam aufbaut und dann richtig Fahrt aufnimmt. Und auch wenn hier nur ein Mann am Klavier zu sehen ist, lässt „Grand Piano“ seinen Zuschauer nicht von der Leine. Der Film ist fesselnd und spannend… und versagt leider nur bei der letzten Note ein kleines bisschen. Denn das große Finale zieht zwar ebenfalls in seinen Bann, wird dann aber durch die Auflösung des Plots und die letzten Aktionen von Selznick ein bisschen ruiniert. Bei dem gesamten Aufbau von Spannung und Dramatik hätte ich mir zum Schluss dann doch ein bisschen mehr Raffinesse gewünscht.

Wertung: 8 von 10 Punkten (ein Klavier-Konzert war wohl noch nie so spannend wie hier)

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7 Kommentare leave one →
  1. 23. September 2014 16:51

    Lese ich Bösendorfer muss ich zwangsläufig an Tori Amos denken. Ist zwar Off-Topic, musste aber mal gesagt werden. 😉

    • donpozuelo permalink*
      23. September 2014 21:48

      Wieso? Spielt die Gute auch auf einem Bösendorfer?

      • 24. September 2014 01:09

        Tut sie.

        • donpozuelo permalink*
          24. September 2014 09:45

          Gut zu wissen. Solange ihr Klavier nicht ähnlich wie in diesem Film ist, sollte sie damit wohl sehr glücklich werden 😉

        • 24. September 2014 10:40

          Ach, sie würde sicher ohne Fehler durchkommen. 🙂

        • donpozuelo permalink*
          24. September 2014 11:40

          Besser wäre es für sie 😉

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