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Überirdisch unterirdisch

10. September 2014

Wir alle würden doch sicherlich gerne den vierten Teil von „Indiana Jones“ wieder vergessen. Zu sehr haben George Lucas und Steven Spielberg mit unserer Kindheit gespielt. Kristall-Schädel, Außerirdische, Russen??? Nein, nein, nein, das passt alles nicht zusammen. Indy sucht nach den wirklich wichtigen Schätzen dieser Welt und er tut es, damit die Nazis sie nicht zuerst in ihre Hände bekommen. Ideen für einen vernünftigen Indy-Film hätte es genügend gegeben, aber genutzt wurde keine von ihnen.

Man hätte selbst die Idee von John Erick Dowdle benutzen können. Doch scheinbar hat niemand Dowdle gefragt, deswegen hat er seinen Indy-Film selbst gedreht. Nur halt ohne Indy und nicht unbedingt als Abenteuerfilm. Stattdessen verwendete er die Idee für einen Found-Footage-Horror-Streifen namens „Katakomben“: Darin sucht die junge Archäologin Scarlett (Perdita Weeks) den Stein der Weisen. Wie bei Indy übernimmt sie diese Suche von ihrem Vater, den die ganze Sache allerdings in den Selbstmord gestürzt hat. Hinterlassen hat er seiner Tochter nur ein schlechtes Gewissen und sein Tagebuch (!) über die wichtigsten Hinweise. Im Iran findet Scarlett dann einen wichtigen Hinweis, der sie nach Paris führt. Hier sucht sie gemeinsam mit ihrem Freund George (Ben Feldman) in den Katakomben unter Paris nach dem Stein, der Eisen in Gold verwandeln kann und seinem Besitzer das ewige Leben verspricht.

Ich wünschte, Indy wäre hier, um alles besser zu machen…

„Katakomben“ ist ein Film, der sich trotz seiner recht aberwitzigen Idee viel zu ernst nimmt. Wenn Perdita Weeks gleich zu Beginn für eine Dokumentation mit sehr ernster Miene ihre Geschichte vom Stein der Weisen erzählt, dann muss man schon ein bisschen schmunzeln. Und während man sich so den Anfang anschaut, dann denkt man sich: Mit Harrison Ford als Indiana Jones würde ich die Story kaufen, so aber nicht. Zumal sich auch keine sonderlich große Mühe gegeben wird, Scarlett und ihre Crew in die Katakomben zu locken. Ähnlich wie Batman und Robin in „Batman hält die Welt in Atem“ werden Rätsel und Hinweise in Sekundenschnelle gelöst… wenn auch manchmal recht fragwürdig.

Vielleicht nur ein Beispiel dazu: Man findet auf einer Wand eine Zeichnung von einem Käfer, der so im Groben an einen Skarabäus erinnert. Was schlußfolgert man: „Ägypten… Pyramiden… Wüste…“ und irgendwie so Zeug, als würde man ein merkwürdiges Spiel spielen. Und schon rechnet man irgendwas mit Planeten und weiß plötzlich, welchen Stein man drücken muss. Wenn es dann darum geht, den richtigen Stein zu bewegen, wird auch nicht lange hinterfragt, ob man den siebten Stein von oben oder von unten gezählt schieben soll. Bei Indy wäre das alles cool gewesen, hier in den „Katakomben“ wirkt das alles nur nach schnell geschrieben, ohne später noch einmal drüberzulesen…

Was sich leider auch auf die Dialoge auswirkt… die leider so ziemlich alle extrem albern sind. Wenn auch ungewollt. Nur ganz ehrlich: Wer würde beim Fund einer Leiche noch fragen, ob die Person am Leben ist? Zumindest zeigt Dowdle hier auch wieder seine Vorliebe zu Indiana Jones, indem er uns einen Tempelritter in den Katakomben präsentiert. Warum und wieso der da ist, interessiert hier nur niemanden. Das wird auch nicht hinterfragt… genaugenommen hätte den da niemand gebraucht.

Wie diesen gesamten Film. Denn was an alberner Story und noch alberenen Dialogen noch nicht genug ist, macht der Film durch seine schlechte Found-Footage-Wackelkamera und öde Horror-Atmosphäre wieder wett. Obwohl man von Atmosphäre nicht wirklich sprechen sollte. Und das verstehe ich nicht: Wie kann man bei einer so geilen Location wie den Katakomben von Paris einen Horror-Film so verhauen? Der ganze Film ist wie eine Fahrt in einer miesen Geisterbahn: Es taucht immer mal wieder was auf, es gibt hier und da mal einen kurzen Moment, wo man uns erschrecken möchte, aber die meiste Zeit sitzt man nur da und hofft auf ein Ende.

Dowdle liefert einen Haufen interessanter Ideen, zeigt sie aber nur kurz mal und geht dann nie wieder wirklich auf sie ein. Er verspielt den kompletten Film… und trotzdem bin ich sehr gut unterhalten aus diesem Film gekommen. Was aber sicherlich nicht in Dowdles Interesse lag, denn ich habe sehr, sehr viel gelacht und mich köstlich über alles an diesem Film amüsiert.

Hätte er das Skript mal lieber Steven Spielberg gegeben. Mit ein paar Veränderungen wäre das vielleicht ein interessanter Film geworden… bis zu dem Moment, an dem man festgestellt hätte, dass Dowdle einfach nur „Indiana Jones und der Letzte Kreuzzug“ plagiiert und verhunzt hat. Also, auch keine gute Idee. Schade, Mr. Dowdle… das war nix.

Wertung: 3 von 10 Punkten (man gruselt sich nicht, aber man lacht sehr viel… ich würde mal sagen: Thema verfehlt)

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