Skip to content

Die schwarze Königin

8. September 2014

Ich habe sonst so gut wie nie Albträume. Oder wenn ich welche hatte, dann konnte ich mich nicht mehr daran erinnern – weswegen diese Träume dann wohl auch nicht in die Kategorie „Albtraum“ zählen. Und was mir noch nie passiert ist, dass ich durch einen Horrorfilm schlecht geträumt habe. Ich kann den Kram auch wirklich kurz vorm Einschlafen schauen, störte mich bisher nie. Aber wie uns schon Mr. Bond erklärt: „Sag niemals nie!“ Und so hatte ich letztens nach einem Horrorfilm einen so krassen Albtraum, dass ich davon sogar mitten in der Nacht hochgeschreckt bin und eine ganze Weile nicht einschlafen konnte.

In meinem Traum durchwühlte ich die Schublade eines Schreibtisches auf der Suche nach einem Notizbuch. Doch in dem Augenblick, als ich das Notizbuch endlich in der Hand hielt, kam plötzlich jemand von hinten und schlitzte mir mit einem Rasiermesser die Kehle auf. Nicht schön, vor allem dann nicht, wenn man im wachen Zustand noch das Gefühl hat, die Klinge an der Kehle zu spüren. Nein, nein… das war kein schönes Erlebnis.

Der Film, den ich mir vor diesem unschönen Erlebnis angeschaut habe, war Dario Argentos „Suspiria“, der mir schon des Öfteren als großes Horrormeisterwerk empfohlen wurde. Darin geht es um eine junge Tänzerin namens Suzanne (Jessica Harper), die nach Freiburg kommt, um dort an einer renommierten Ballettschule zu studieren. Doch bereits bei ihrer Ankunft in einer stürmisch-verregneten Nacht trifft sie auf ein verstörtes Mädchen, eine Schülerin der Tanzschule, die am nächsten Tag auf mysteriöse Weise stirbt. Und sie wird nicht die einzige bleiben, denn an der Tanzschule gehen äußerst merkwürdige Dinge vor sich.

Die öffnet das Türchen noch vor Dezember…

„Suspiria“ ist schon ein wirklich unheimlicher Film… denn Dario Argento versteht es verdammt gut, Atmosphäre aufzubauen. „Suspiria“ braucht nur wenige offensichtlich schockierende Momente, in denen Blut fließt. Alles andere passiert hier im Kopf… und dem gibt Argento vorher aber auch ordentlich Futter.

Was mich an „Suspiria“ wirklich am meisten verstört (und gleichzeitig auch ziemlich begeistert hat), war wirklich das Audio-Visuelle. Argentos Einsatz von Farben ist schon ziemlich beeindruckend. Wenn da plötzlich so ein riesiger Schlafsaal wie blutüberströmt wirkt, weil alles nur noch in diesem dunklen roten Licht erstrahlt, hat das schon was… es ist auf jeden Fall ungewohnt, es brennt sich in die Augen. Ob rot, grün oder blau… Argento benutzt seine Farbpalette und malt förmlich seinen Film. Untermalt wird das Ganze vom bisher unheimlichsten Horror-Soundtrack, den ich bislang je gehört habe (und der vermutlich mit Schuld an meinem Traum trägt):

Man muss sich nur das „Suspiria Theme“ der italienischen Band Goblin anhören: Allein die Musik ist wirklich der Hammer. Dieses harmonisch unharmonische Geklimper, dazu dann noch dieses unverständliche Kauderwelsch, was man immer mal wieder hört… Ich rede ja sonst wirklich nicht viel über Soundtracks (egal, ob sie mir jetzt gefallen haben oder nicht), aber bei „Suspiria“ ist der Soundtrack einfach nicht wegzudenken. Die Musik macht hier so unglaublich viel, um die unheimliche Atmosphäre in den dunklen Fluren und Zimmern der Ballett-Schule zu untermalen. Man nimmt sie manchmal nicht einmal bewusst wahr, aber dieses ständige Gemurmel im Hintergrund bohrt sich unausweichlich in das Gehirn des Zuschauers. Man entkommt dem nicht.Und all das vermischt Argento gekonnt zu einem wirklich unheimlichen Erlebnis.

Gleichzeitig beweist Argento damit auch, dass guter Horror auch wirklich nur von der Atmosphäre leben kann. Denn die Story von „Suspiria“ ist nicht sonderlich neu und auch nicht gerade meisterlich geschrieben. Die Dialoge wirken manchmal schon recht flach… als Geschichtenerzähler selbst scheint Argento nicht gerade geboren. Und trotzdem funktioniert „Suspiria“… es ist Kopfkino und es ist verdammt gutes Kopfkino. Man ist lange am Rätseln, was da eigentlich an dieser Schule los ist. Und wenn dieses Rätsel-Raten auch funktioniert, wenn die Dialoge nicht so geschliffen sind, dann sagt das doch einiges über Argento als „bildlichen“ Erzähler aus.

„Suspiria“ ist wirklich eine Augenweide… wie Argento hier mit Licht und Schatten, Farben und Musik spielt, ist wirklich verdammt gut und erzeugt eine wirklich unheimliche Stimmung. Und bei mir scheinbar auch Albträume, weswegen ich von Argento erst einmal Abstand nehmen werde 😉

Wertung: 8 von 10 Punkten (die Musik… die Bilder… gruselig)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: