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Ich bin überall!

25. August 2014

Hollywood braucht uns (manchmal) dumm! Was ja auch in Ordnung ist, denn viele Filme kann man wirklich erst so richtig genießen, wenn man sein Gehirn einfach mal ausschaltet. Und da wir das ja – wie man es uns gern für einige Story-Plots weismachen will – eh nur mit so 5-10 Prozent nutzen, ist Gehirn ausschalten für uns ja scheinbar gar nicht so schwer. Also schalten wir unsere 5-10 Prozent runder auf so einen mickrigen Prozent und erfreuen uns an der Tatsache, dass Luc Besson mal wieder als Regisseur tätig ist und uns mit „Lucy“ zeigen will, wozu wir nur fähig wären, wenn wir sehr viel mehr von unserem Hirn nutzen würden.

NZT war gestern. Die Droge, mit der Bradley Cooper in „Ohne Limit“ sein ganzes Gehirn in Fahrt brachte, ist nichts im Vergleich zu CPH4. CPH4 ist der absolute Shit… angeblich bekommen wir schon im Mutterleib kleine Dosen davon, um unser Gehirn und all seine Funktionen überhaupt erst in Gang zu bringen. Und dieses CPH4 hat der koreanische Gangster Mr. Jang („Oldboy“ Choi Min-sik) nun künstlich hergestellt und will damit den europäischen Markt erobern. Als Drogen-Esel soll ihm unter anderem die Amerikanerin Lucy (Scarlett Johansson) dienen. Doch leider platzt ihr Paket in ihrem Bauch und Lucy beginnt mehr und mehr von ihrem Gehirn zu nutzen.

Nein, LSD hat sie keins genommen…

Wie gesagt, euer Gehirn braucht ihr bei diesem Film wirklich nicht. Das wäre sogar weitesgehend fatal, würde euer logisches Denken doch permanent vor Verzweiflung schreien und flehen, ihr möget doch aus dem Kino laufen. Mit „Lucy“ wollte sich Luc Besson offensichtlich einen unterhaltsamen Spaß erlauben: ein paar bunte Bilder, ein bisschen Action, ein bisschen Sci-Fi und fertig. „Lucy“ wird zum Mix aus Leeloo und Nikita und fertig… und fertig ist ein Besson, wie wir ihn schon lange vermisst haben.

Doch ich weiß nicht so recht… trotz der heruntergefahrenen Gehirnfunktionen wollte „Lucy“ bei mir einfach nicht so richtig zünden. Anfangs macht der Film noch Spaß, da ist es sogar erstaunlich witzig, wie Besson einen jagenden Leoparden parallel zu Lucys eigener Festnahme von Jangs Leuten schneidet. Hier denkt man noch, man bekommt hier mehr als nur ein Optik-Feuerwerk geboten. Aber dem ist leider nicht so… denn außer Optik hat „Lucy“ nicht sonderlich viel zu bieten.

Was mich am meisten irritiert hat, war die Tatsache, dass viele Kritiken von einem Action-Feuerwerk sprachen. Ich frage mich nur, welches Action-Feuerwerk??? Das muss wohl dann gewesen sein, als mein Hirn komplett runtergefahren und auf Stand-By gegangen ist. Denn auch wenn „Lucy“ eine gut inszenierte Fahrt durch Paris hat, ist die Action sonst ehrlich gesagt kaum erwähnenswert. Johansson hat da bessere Sachen als Black Widow abgeliefert… und Besson sowieso.

Die gute Scarlett ist dann auch das Stichwort: Mit ihr scheint Besson seine neue Muse gefunden zu haben… entweder das oder er war einfach so fasziniert von ihr, dass er vergessen hat, den Nebenfiguren mehr Tiefe zu geben. Morgan Freeman kommt so gut wie gar nicht zur Geltung, und wenn Choi Min-sik nicht einfach so ein verdammt guter Schauspieler wäre, hätte man seine Rolle auch vernachlässigen können. Niemand spielt in diesem Film wirklich eine große Rolle… wozu auch? Der Film heißt ja schließlich „Lucy“ und deswegen gehört der Film ganz allein Scarlett Johansson. Nur so wirklich viel macht sie auch nicht… Action hatten wir ja schon geklärt, d.h., in wirklich viele Kämpfe ist die Gute nicht verwickelt und wenn doch, dann benutzt sie keine „Black Widow“-Moves, sondern mehr so Neo-Matrix-Aktionen. Irgendwie habe ich mir da von Scarlett als Super-Woman mehr erhofft.

Auch der Film an sich wirkte irgendwie… unfertig! Mir fällt gerade kein besseres Wort ein, aber der Film endet an einer Stelle, an der ich eigentlich wissen will, wie es wirklich weiter geht. An dieser Stelle entscheidet sich eigentlich erst das Potenzial dieser Idee. Was passiert mit Lucy? Was ist sie? Wer ist sie? Wo ist sie? Und was wird sie mit ihren Fähigkeiten machen? Was kann sie der Menschheit geben? Ist sie die nächste Stufe der Evolution? Keine Ahnung… Besson lässt das für uns offen, aber ganz ehrlich… da hätte er sich ein bisschen mehr von dem Vorgeplänkel sparen können und die Story etwas interessanter an dieser Stelle weiter spinnen können.

„Lucy“ ist irgendwie nichts halbes und nichts Ganzes. Optisch schon sehr nett, aber mehr auch nicht. Action ist so lala und seine große Darsteller-Riege lässt Besson nie so richtig zum Zug kommen. Alles in allem ist für diesen Film wirklich sehr wenig Gehirn-Kapazität notwendig… und selbst dann macht der Film nicht so viel Spaß, wie ich es mir erhofft hatte.

Wertung: 5 von 10 Punkten (dann bleibe ich doch lieber bei NZT, das war wirklich cool!!!)

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10 Kommentare leave one →
  1. 25. August 2014 12:26

    Hm, das sehe ich ähnlich. Mich störte vor allem, dass der Film dumm war, sich aber für schlau verkaufen wollte. Das ärgert mich immer tierisch.

    • donpozuelo permalink*
      25. August 2014 12:56

      Ja, auch das. Vor allem wenn die gute Scarlett dann anfängt, so pseudo-philosophischen Kram runter zu leiern… nee, das war irgendwie nichts. Und wie gesagt: Das Ende!!! Hat mich echt genervt. Da, wo es spannend wird, hört alles auf. Super!!! Da möchte der Film dann wohl, dass wir doch unser Gehirn anstrengen und uns was Gutes ausdenken.

  2. 25. August 2014 16:32

    Irgendwie sind alle so kritisch bei diesem Film. Und meistens beginnt die Kritik dabei, dass der Film mit seiner Grundidee des 10%-Mythos vollkommen hanebüchene Dinge erzählt. Aber das hier ist doch kein Dokumentarfilm, der Film arbeitet mit dieser fiktiven Prämisse und zieht die voll durch: Mit jedem Prozent mehr Hirn, verliert Lucy an Emotionen, Sympathie und Mitgefühl. Sie fährt ihre eigene Agenda und wird dabei (je nachdem wie man es sehen will) viel mehr oder sehr viel weniger als ein Übermensch.
    Diese Entwicklung hat mir richtig gut gefallen, dazu kamen noch optische Spielereien, die mir schon im Trailer das Wasser im Munde zusammenlaufen hat lassen und natürlich Scarlett (die vielleicht noch etwas zu sehr ihre Rolle in UNDER THE SKIN im Blut hatte). Alles in allem: Ein Film, der mir wirklich gut gefallen hat – weitaus besser als so viele andere höher budgetierten Filme in diesem Jahr.

    • donpozuelo permalink*
      25. August 2014 17:23

      Ich weiß nicht, die 10-Prozent-Prämisse war vielleicht vor fünf, sechs Jahren noch irgendwie witzig, aber mittlerweile… klar ist das kein Dokumentarfilm, aber ein bisschen mehr hätte man daraus schon machen können. Nur ist Besson halt nicht soweit gegangen (deswegen ja auch mein Ärger mit dem Ende).
      Die optischen Spielereien fand ich am Anfang (gerade diese Parallel-Schnitte zu den Tier-Szenen) richtig gut, aber irgendwann wurden die auch immer weniger. Ich habe mich da irgendwann echt nur bedingt unterhalten gefühlt… ich glaube einfach, dass man aus der Story sehr viel mehr hätte machen können.

      • 25. August 2014 23:52

        Hm, also ich bin der Meinung, dass der Film schon sehr stark genau auf dieses Ende hinausläuft. Diese Geschichte will er erzählen, das ist mit den Unterbrechungen, in denen der „Ladebalken“ eingeblendet wird, irgendwie der logische Schluss. Aber okay. Mich hat der Film echt gut unterhalten und auch ein wenig über Menschlichkeit und die philosophischen Ansätze (mehr sind die Gedankenspielereien ja wirklich nicht, sehe ich aber nicht als Kritikpunkt) zum Nachdenken angeregt.

        • donpozuelo permalink*
          26. August 2014 09:52

          Mmh… mag wohl sein. Wenn nach diesem Ende noch was gekommen wäre, wäre es für diesen Film wahrscheinlich auch zu viel geworden. Trotzdem würde mich die quasi nachfolgende Geschichte viel mehr interessieren. In gewisser Weise hat mich der Film zwar auch unterhalten, zum Nachdenken angeregt hat er mich tatsächlich aber überhaupt nicht.

  3. 26. August 2014 08:17

    Also ich habe mich auch gut unterhalten gefühlt. Dieses 10%-Ding muss man natürlich akzeptieren, aber so ist das halt, das ist bei Jurrasic Park auch nicht anders.

    Das Ende war vielleicht etwas drüber (deswegen landet der Film bei mir auch nur bei 7 oder 8 Punkten) bzw. nicht konsequent philosophisch genug (ohne zu spoilern aber, wäre Lucy zu Lucy geworden – das hätte ich klasse gefunden).

    Ich muss auch noch einer anderen Stelle widersprechen: Die gute inszenierte Fahrt durch Paris. War zwar optisch eindrucksvoll, aber wirkte wie der Versuch, noch etwas klassische Action in den FIlm zu bekommen.

    Aber trotzdem kein schlechter Film.

    • donpozuelo permalink*
      26. August 2014 09:54

      Klar muss man das einfach hinnehmen, sonst funktioniert es überhaupt nicht. Aber die Wege, die damit eingeschlagen werden… ich stimme dir aber in dem Punkt zu, dass ich auch fest damit gerechnet hatte, dass Lucy zu Lucy wird. Sah ja dann aber mehr danach aus, als würde Lucy zum Schwarzen Monolith werden 😉

      Und das mit der Fahrt beziehe ich ja nur darauf, dass so viele Kritiken „Lucy“ als Action-Feuerwerk bezeichnen. Und da gibt’s aber doch nur diese eine recht unwillkürlich eingesetze Szene, die dem Film absolut nichts bringt. Wenn man nicht versucht gewesen wäre, dem Film die Action aufzubürden und stattdessen mehr auf Inhalt gegangen wäre, hätte da auch mehr bei raus kommen können.

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