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Mutter ist ein Vampir!

20. August 2014

Vampir zu sein, heißt männlich zu sein. In den meisten Fällen ist das zumindest so. Die Vampir-Szene ist eine Männer-Domäne, in der weibliche Blutsauger vielleicht gerade mal schmückende Beiwerk sind. Wirklich emanzipiert hat sich die Beißer-Szene noch nicht… wenn man mal vielleicht von Selene absieht. Was schade ist, denn weibliche Vampire würden diesem ganzen erotischen Touch der Vampire doch noch ordentlich eins draufsetzen…

… dachte sich wohl auch Regisseur Neil Jordan und schenkt uns mit „Byzantium“ einen Film über ein blutsaugendes Mutter-Tochter-Gespann, die tapfer gegen die vorherrschende Meinung ankämpfen, dass Frauen keine Vampire sein dürfen. Das ist im Falle von „Byzantium“ sowohl metaphorisch als auch wortwörtlich zu nehmen, denn Mutter Clara (Gemma Arterton) wurde ohne Zustimmung der Bruderschaft zum Vampir und besaß dann auch noch die Frechheit, ihre Tochter Eleanor (Saoirse Ronan) ebenfalls zu einer Blutsaugerin zu machen. Jahrhunderte lange sind Mutter und Tochter nun schon auf der Flucht, doch die Bruderschaft ist ihnen immer dicht auf den Fersen.

Mutti hat Hunger…

Mit „Interview mit einem Vampir“ machte Neil Jordan den Vampir zu einem echten Sex-Symbol… aber gut, da hatte er auch Brad Pitt und Tom Cruise, die dafür sorgten, dass das auch funktioniert. Dieser Film sorgte aber auch dafür, dass Vampire plötzlich ziemlich cool waren. Vorbei waren die Dracula-Zeiten, in denen der untote Blutsauger einfach nur ein mordendes Etwas war. Auf einmal hatten Vampire auch noch Gefühle, Träume und Sehnsüchte…

Fast 20 Jahre nach „Interview mit einem Vampir“ versucht Jordan mit „Byzantium“ noch mal das Gleiche, nur gibt es jetzt statt Pitt halt Bond-Girl Arterton, die als sexy Vampir-Puffmutter für sich und ihre Tochter sorgt. Und was soll man sagen: Zumindest das „Sexy“ hat Jordan auch hier wieder hinbekommen… was aber mit einer Gemma Arterton in Reizwäsche auch nicht sonderlich schwer ist. Doch wäre es unrecht, „Byzantium“ auf ein paar solcher Szenen zu reduzieren, liefert Jordan doch einen Film, der sich trotz einiger Schwächen sehen lassen kann.

Auch wenn es blutrünstig zugeht, stehen doch Mutter und Tochter im Vordergrund… und dabei geht es vor allem um Eleanor, die es nicht so richtig schafft, mit dem Lebensstil ihrer Mutter klarzukommen. Somit wird „Byzantium“ fast schon so etwas wie eine etwas merkwürdige Coming-Of-Age-Story, in der die junge Eleanor verzweifelt versucht ihren Platz in der Welt zu finden. Saoirse Ronan liefert dazu den perfekten melancholischen Einzelgänger, der gern seine Geschichte aufschreibt, nur um das Geschriebene dann in alle Winde zu zerstreuen. Im Gegensatz zu ihrer Mutter, die nur rational zu denken scheint, ist Eleanor die Emotionale… es ist also eine Ying-Yang-Konstellation, die uns beide Damen hier liefern… und dabei müssen sie sich immer wieder in der harten Männerwelt beweisen und sich ihr unterwerfen, um zu überleben. Denn Clara ist Nutte, Stripperin und Puffmutter… scheinbar das Einzige, was ein weiblicher Vampir sein kann, um überleben zu können. Man könnte sicherlich viel in „Byzantium“ über die Rolle Mann und Frau rein interpretieren… was ich aber denen überlasse, die sich damit besser auskennen.

Auf jeden Fall hat Jordan mit Ronan und Arterton zwei Damen gefunden, die ihre Rollen perfekt spielen und die Mutter-Tochter-Konflikte sowie ihre eigenen, persönlichen Dramen gut ausleben. Dazu liefert Jordan auch immer wieder gekonnt eingesetzte Rückblicke, die uns die genaue Vorgeschichte der beiden Vampir-Damen offenbart. In den Rückblenden zeigen sich dann auch die größten Stärken der Story, weil hier einfach wirklich eine interessante Geschichte erzählt wird. Bleibt der Film in der Gegenwart hat er mit einigen Längen zu kämpfen… So gut Jordan Atmosphäre schafft, so sehr zerstört er sich an einigen Stellen doch durch seine etwas schleichende Erzählweise. Ein bisschen mehr Tempo hätte „Byzantium“ auf jeden Fall gut getan… und auch ein bisschen mehr Pepp. Denn während die Rückblenden wirklich was zu erzählen haben, fühlt sich der Rest manchmal etwas unausgewogen an.

Ich fühlte mich zwar zwischendurch ein bisschen an „Only Lovers Left Alive“ erinnert, denn genau wie Jarmusch liefert Jordan anfangs scheinbar nur eine Momentaufnahme aus dem Leben zweier Vampire. Doch anders als Jarmusch muss Jordan mehr erzählen, will er mehr erzählen und verrennt sich dabei ein bisschen. Aber zum Glück retten ihn seine zwei Vampir-Ladies die meiste. So verzeiht man „Byzantium“ die ein oder andere Länge.

Wertung: 7 von 10 Punkten (Vampir-Frauen an die Macht!!!)

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14 Kommentare leave one →
  1. 20. August 2014 16:54

    Ein Film mit Saoirse Ronan kann ja nicht wirklich schlecht sein. Den hier kenne ich noch nicht. Ist vorgemerkt. 🙂

    • donpozuelo permalink*
      20. August 2014 21:13

      Stimmt. Bis jetzt hat sie noch immer überzeugen können… und auch hier ist sie echt gut. Kann man sich angucken!!! 😉

  2. 20. August 2014 22:50

    Genauso würde ich den auch bewerten. Irgendwie war der Vampirmythos in dem Film erfrischend, aber nicht genug, um mich voll vom Sessel zu hauen. Und schön, dass Frauen auch mal die Hauptrolle in einem Vampirfilm spielen dürfen. Und vor Allem Vampire spielen dürfen … 🙂

    • donpozuelo permalink*
      21. August 2014 09:20

      Ich fand’s auch ganz nett, wie sie den Vampir-Mythos hier und da ein kleines bisschen verändern… das mit denn Daumennagel und so. Irgendwie schon cool 😉

  3. 21. August 2014 00:35

    Grandioser Film! (Und womöglich Haupt-Betrachtung meiner Bachelor-Thesis, mal schauen…)

    Mir gefällt an Jordans neuestem Film neben der wirklich betörenden Bildsprache (Arterton vor der Hotelleuchtschrift ziert seit über einem Jahr meinen Desktophintergrund), das hier mal wieder ein ganz neuer Vampirmythos geschaffen wurde. Und mit den beiden Hauptdarstellerinnen liegt Jordan genau richtig und kann die Geschichte um Jugendliche Vampire erzählen, die in INTERVIEW WITH THE VAMPIRE in Gestalt der jungen Kirsten Dunst ja nur ganz arg wenig gestreift wurde.

    • donpozuelo permalink*
      21. August 2014 09:22

      Uh, jetzt bin ich ja neugierig. Worüber gedenkst du denn zu schreiben? Vampir-Mythos???

      An die Weiterführung der Geschichte jugendlicher Vampire aus „Interview mit einem Vampir“ musste ich auch denken. Fand ich auch schön, dass die Geschichte hauptsächlich aus der Sicht der jungen Vampirin und ihren Problemen mit ihrem Dasein erzählt wird.

    • 21. August 2014 20:47

      Deine Bachelor – These würde mich jetzt auch sehr interessieren.

  4. 21. August 2014 20:46

    Den Film möchte ich mir auch noch ansehen. Vampire gehören ja zu meinen Lieblingen 🙂

    • donpozuelo permalink*
      22. August 2014 06:28

      Na dann wird dir der Film gefallen… hier glitztert wenigstens keiner 😀

      • 22. August 2014 08:06

        Zum Glück… Bei Twilight habe ich schon gedacht, jetzt wird der Abgesang auf das Vampirgenre eingeleitet… Den Ersten habe ich nach 25 Minuten ausgemacht gehabt.

        • donpozuelo permalink*
          22. August 2014 08:35

          Den ersten habe ich noch vollständig durchgestanden… aber dann hat’s auch wirklich gereicht.

        • 22. August 2014 12:11

          Das habe und werde ich auch nicht durchhalten 😉

  5. 21. August 2014 22:40

    Ja den mochte ich auch sehr, aber mehr wegen Gemma als wegen Saoirse, die mich mehr und mehr mit ihrer langweiligen Art zu spielen nervt.
    Auf jeden Fall sehr romantisch und echte „Mutterliebe“ :))

    • donpozuelo permalink*
      22. August 2014 06:28

      Ich fand sie beide ziemlich gut.

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