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Mein Therapeut, das Monster

11. August 2014

Janice Poon hat einen interessanten Job… interessant genug, dass sie über ihre Arbeit bloggt, um alle daran teilhaben zu lassen. Janice Poon ist food consoultant… klingt erst einmal so, als würde sie reichen Menschen sagen, was sie essen sollen, können oder müssen. Aber Janice Poon ist food consoultant fürs Fernsehen… genauer gesagt, sorgt sie in der Serie „Hannibal“ dafür, dass Hannibal Lecters Gerichte einfach nur verdammt köstlich aussehen. Und all das beschreibt sie auf ihrem Blog… zu jeder Folge und zu jedem Gericht, dass gekocht wird. Mit allen Rezepten zum Nachkochen… doch bevor ihr jetzt auf Menschenjagd geht: Alle Rezepte funktionieren auch perfekt ohne Menschenfleisch.

Dr. Hannibal Lecter (Mads Mikkelsen) würde da sicherlich widersprechen, doch in Staffel 2 von „Hannibal“ hat der Gute genug zu tun: Nachdem er in der letzten Staffel dafür gesorgt hat, dass sein angeblicher Freund Will Graham (Hugh Dancy) wegen Hannibals Morden in die Psychiatrie gesteckt. Auf seine Anschuldigungen, Lecter wäre der wahre Mörder, will nur leider niemand hören. Bis auf Lecter, der trotz allem immer noch ein Herz für Graham hat… und so beginnt ein merkwürdiges Katz-und-Maus-Spiel, bei dem man irgendwann den Überblick verliert, wer hier eigentlich wen hintergeht.

Well, Hannibal – have the lambs stopped screaming?

„Hannibal“ zeigt in der zweiten Staffel gleich zu Beginn, worauf es hinauslaufen wird: Man sieht Lecter mit Direktor Jack Crawford (Laurence Fishburne) kämpfen – ein Zeichen dafür, dass irgendwann mal jemand doch den Anschuldigungen von Will Graham Glauben schenken wird. Doch diese Staffel schafft es, dass dieser kleine Spoiler wenig daran ändert, wie verdammt spannend die folgende Handlung sich entwickelt.

In Staffel 1 hatten mich diese Einzel-Fall-Episoden gerade zu Beginn ein bisschen abgeschreckt, bevor die ganze Geschichte dann doch ordentlich Fahrt aufnahm. In der zweiten Staffel musste ich mir wegen solcher Dinge überhaupt keine Gedanken mehr machen… denn hier fing man sofort richtig an: Die Story verfolgte jetzt von Anfang an ein größeres Ziel, jede Folge beschrieb ein weiteres Puzzle-Stück, um vielleicht ein bisschen mehr Verständnis zu erlangen, was da eigentlich los ist. An dieser Stelle muss man einfach wirklich die Schreiber loben, die hier wirklich wahnsinnig gute Skripte liefern.

Doch gute Skripte können auch nur funktionieren, wenn die Darsteller und der Look stimmen. Gut, zum Look trägt ja unter anderem auch Janice Poon mit ihren Gerichten bei, die einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Essen ist hier aber nicht das Einzige, was gut aussieht. „Hannibal“ versteht es, auf der einen Seite absolut stylisch auszusehen (ich möchte nach wie vor jeden Anzug von Hannibal Lecter in meinem Schrank haben), aber auch immer wieder so unheimlich, abartig und düster, dass man seinen Blick fast abwenden möchte… aber nur fast, sonst verpasst man ja noch was.

Gerade Wills „Wahnvorstellungen“ von einem riesigen schwarzen Hirsch oder diesem Hirsch-Menschen sind einfach nur starke Bilder und führen uns so viel intensiver in diesen Kopf, in diese Psyche eines Mannes, der sich selbst zu verlieren scheint.

Womit wir dann bei den Darstellern wären: Wie schon in der ersten Staffel weiß Mads Mikkelsen auch hier wieder perfekt zu überzeugen. Er verleiht diesem Hannibal so etwas menschlich Unmenschliches – als wäre er nicht von dieser Welt. Mikkelsens Hannibal wird in Staffel 2 noch mehr zu einem Puppenspieler des Grauens, denn scheinbar nichts aus der Ruhe bringen kann, weil er eh schon alles im Voraus geplant hat. Mikkelsen spielt Lecter mit einer so stoischen Ruhe und Gelassenheit, dass man gar nicht erahnen mag, was da hinter dieser Fassade alles noch lauern mag. Lecter wird zu einer Art merkwürdiger Gottheit, die Will Graham dann halt nur noch als dieses Hirschmonster sieht… für Lecter ist hier alles nur ein Spiel, ein Experiment – ein scheinbar einfacher Zeitvertreib.

Dinner is served…

Doch neben dem großartigen Mads Mikkelsen darf nun auch Hugh Dancy deutlich besser glänzen als noch in der ersten Staffel. Hier entwickelt sich jetzt eine sehr merkwürdige Zweckgemeinsacht / Freundschaft zwischen den beiden… die man ebenfalls nur schwer durschauen kann. Aber natürlich wäre es nicht fair, „Hannibal“ nur auf die zwei Hauptcharaktere zu reduzieren. Ob nun Fishburne als Crawford oder Caroline Dhavernas als unglücklicher Spielball Alana Bloom von Lecter und Graham… sie überzeugen alle. Dazu kommen einige neue Gesichter… besonders mit Michael Pitt und Katharine Isabelle als Verger-Geschwister… Verger, ihr wisst schon, das war der mit den Schweinen… ein ekliges Miststück und grandios dargestellt von Pitt.

Die zweite Staffel von „Hannibal“ fühlt sich ein bisschen so an, als wäre man in einem Schraubstock gefangen… manchmal tut das Ganze fast schon physisch weh, aber man kommt einfach nicht davon los. Man bekommt kaum eine Verschnaufpause, sondern der Adrenalin-Pegel wird ständig hochgehalten. Die Macher übertreffen ihre erste Staffel bei weitem und sorgen dafür, dass man wohl in Zukunft fragen wird: „Anthony… wer???“ Mads Mikkelsen ist Hannibal und wird uns hoffentlich noch einige Zeit so verdammt gute Spannung bieten… nach dem schweißtreibenden und unglaublichen Finale ist das ja wohl auch Pflicht…

Wertung: 10 von 10 Punkten (verdammt – eine Staffel, die einen förmlich zum Binge-Watching zwingt… man kommt einfach nicht davon los)

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12 Kommentare leave one →
  1. 11. August 2014 22:07

    Jaaaaa genau – kann dir in allen Punkten nur zustimmen. Was für eine großartige Serie. Wenn auch nur ein einzelner Punkt nicht gut durchkomponiert wäre, könnte ich mich vielleicht daran stören, dass es irgendwie zuviele mordende Psychopathen in der freien Wilbahn der Serie gibt. Oder daran, dass ich den Plan der Verger-Schwester etwas überholt und übertrieben fand … aber die Serie geht damit auf eine Art und Weise um, die so unglaublich fesselt. Was für eine Serie …

    Cool, dass du Janice Poon erwähnt hast 😀 ich lese auch in großen Abständen in ihren Blog rein. Hast du mal die Post Mortem – Videos geschaut? da ist sie auch zu Gast und wird in Hannibals heiligen Hallen interviewt. Klasse. 🙂

    • donpozuelo permalink*
      12. August 2014 10:11

      😀 Da hast du wohl Recht, in der Welt der Serie gibt’s wirklich eindeutig zu viele Verrückte 😉 Aber vielleicht ist das ja auch nur ein Blick ins Hannibal-Paralleluniversum… Egal, geile Serie, tolle Darsteller…

      Die Videos von Poon muss ich mir mal anschauen. Wie gesagt, ich kenne bislang nur ihren Blog.

    • donpozuelo permalink*
      12. August 2014 14:27

      So, ich habe jetzt auch die „Post Mortem“-Interviews gesehen… sehr gut. Schön, dass die Herrschaften auch noch ihren Spaß haben können 😉

      • 13. August 2014 20:23

        Ja, sehr beruhigend. Finde es genial, was sie da für ein kleines schönes Format abgedreht haben. 😀 So lob ich mir die Serien, die ich liebe. 🙂

        • donpozuelo permalink*
          13. August 2014 21:17

          Das war wirklich gut!!!

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