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Lässt du mich rein?

6. August 2014

Ich bin ja immer einer der ersten, der rummeckert, wenn mal wieder zu irgendeinem richtig guten Film ein US-Remake geplant wird… aber mal ehrlich, da muss man doch hin und wieder auch meckern? Ich meine, wer will schon eine US-Variante von „The Raid“ sehen, wie es jetzt geplant ist? Kann doch nichts werden. Dieses Denken bewahrt mich auch immer wieder davor, mir Remakes gleich zu Beginn anzuschauen (auf das „Oldboy“-Remake warte ich ja auch, bis es im Fernsehen kommt)… und ja, ich erkenne die Doppelmoral an, denn: Ja, einer meiner Lieblingsfilme ist und bleibt ein US-Remake. Also können sie doch nicht alle schlecht sein, oder???

Zum schwedischen Vampir-Film „So finster die Nacht“ kamen damals auch schneller als einem lieb sein konnte, Gerüchte auf, es würde eine Remake kommen. Und so grandios gut der Film auch war, es wurde wahr: Mit „Let Me In“ drehte Regisseur Matt Reeves eine Version des Films… die erstaunlich gut geworden ist. Auch (oder gerade weil???) „Let Me In“ eine nahezu identische Verfilmung des Originals ist. Bis auf die Namen, das Setting und natürlich die Schauspieler hat Reeves nicht viel verändert:

Der junge Owen (Kodi Smith-McPhee) lebt mit seiner Mutter allein, in der Schule wird er von dem fiesen Kenny (Dylan Minnette) gemobbt und Freunde selbst hat er auch keine. Bis Abby (Chloe Grace Moretz) mit ihrem Vater (Richard Jenkins) nebenab einzieht… die beiden freunden sich abends auf dem Spielplatz an. Doch irgendwas an Abby ist anders…

Natürlich lasse ich gerne Blut überströmte Menschen in mein Haus… was soll daran schon falsch sein?

„So finster die Nacht“ ist ein wirklich grandioser Film… da geht es weniger um das Vampir-Thema, als vielmehr um die liebevoll erzählte Geschichte zweier Außenseiter, die sich gegenseitig unterstützen und brauchen. Das war subtil, irgendwie romantisch und manchmal beklemmend. Zum Glück gelingt es Matt Reeves, diese Atmosphäre auch auf sein Remake zu übertragen… und das, das muss ich ehrlich zugeben, hat mich am meisten überrascht.

Auch in „Let Me In“ geht es nicht um blutrünstiges Vampir-Gehabe, sondern um diese ungewöhnliche Freundschaft/ Liebe. Bis auf diesen sehr offensichtlichen Hinweis, dass Owen für die Schule „Romeo und Julia“ lesen muss, erspart sich auch Reeves zu viel Erklärungen und lässt uns lieber gemeinsam mit Owen hinter Abbys dunkles Geheimnis kommen.

Ich bin allerdings nach wie vor noch unschlüssig, wie gut ich das Remake jetzt wirklich finden soll, denn im Endeffekt bekommen wir hier wirklich eine 1:1-Kopie des Originals. Was aber vielleicht eine gute Sache ist (für alle, die das Original nicht kennen), denn Reeves dichtet nichts dazu, verändert nicht die Beziehung zwischen Owen und Abby oder lässt irgendwas zu Gunsten von Neuerfindungen weg. „Let Me In“ beweist, dass ein guter Stoff in den richtigen Händen einfach nicht schlecht gemacht werden kann.

Dass „Let Me In“ aber auch nur ansatzweise funktioniert, liegt zum größten Teil daran, dass Reeves ein gutes Händchen bei der Besetzung der Hauptrollen hatte. Kodi Smith-McPhee hat ja schon mit Viggo Mortensen die Apokalypse in „The Road“ überstanden, warum also nicht auch eine Vampir-Freunding? Smith-McPhee hat mich sehr stark an Kare Hedebrant erinnert, der die Rolle im Original spielt – beide zeigen in ihren jeweiligen Filmen, wie gut sie diese „Opfer-Rolle“ ausfüllen können. Smith-McPhee ist ein dürrer, unscheinbarer Junge – gefundenes Fressen für Bullies. Dieser Junge wirkt verloren in dieser großen Welt, in der er keinen richtigen Platz zu haben scheint… umso besser für ihn, wenn plötzlich Abby auftaucht.

Und Chloe Grace Moretz als Abby ist einfach nur perfekt. Zwar hat mir Lina Leandersson besser gefallen, einfach weil sie ein bisschen unheimlicher ausgesehen hat. Aber irgendwie passt der unschuldige Dackelblick von Moretz fast noch besser… bei ihr würde man wirklich nicht das böse Monster hinter der hübschen Fassade erwarten. Und irgendwie steht ihr die Rolle auch sehr viel besser als die der „Carrie„. Das war ein Moretz-Remake, das nicht hätte sein müssen!

Somit komme ich zu dem Ergebnis, dass „Let Me In“ sich in die Reihe guter Remakes einreihen darf. Ich rede nicht von nötigen Remakes, denn gibt es wirklich Filme, die ein Remake nötig haben? Kaum! Aber „Let Me In“ funktioniert trotzdem verdammt gut, ist atmosphärisch und erzählt genau wie das Original eine rührende Liebesgeschichte mit Biss (der musste jetzt sein)

Wertung: 8 von 10 Punkten (ich kann das Original trotzdem nur wärmstens empfehlen!!!)

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13 Kommentare leave one →
  1. 6. August 2014 11:04

    Sehr schön! Ich kenne bisher nur das Remake und war auch ziemlich begeistert. Das Original steht seitdem natürlich auf der Liste. Freut mich auf jeden Fall einen so offenen Blick von einem Kenner des Originals zu lesen 🙂

    • donpozuelo permalink*
      6. August 2014 11:53

      Ich war wie gesagt selbst erstaunt darüber, wie sehr mich das Remake doch mitgerissen hat. Auch wenn es eigentlich überflüssig ist, ist es trotzdem ziemlich gut geworden… nur kann ich dir das Original immer noch wärmstens empfehlen… das hat nämlich so kleine Feinheiten, die im Remake nämlich ausgelassen wurden (z.B., was es damit auf sich hat, dass Abby immer wieder sagt, sie sei gar kein Mädchen…)

  2. 6. August 2014 15:17

    Oh ja, da kann ich dir nur zustimmen. Ich fand auch schon das Original sehr gut umgesetzt, stellenweise sogar ein wenig düsterer. Das Remake ist jedoch ebenbürtig, nicht zuletzt durch Chloe Grace Moretz, die hier wirklich perfekt in die Rolle passt.

    • donpozuelo permalink*
      6. August 2014 16:08

      Das Original ist wirklich etwas düsterer und geht hier und da noch andere Wege (ich fand’s da gerade auch interessant, dass sie mehr auf Oskars Vater eingehen), aber das Remake kann sich durchaus sehen lassen. Und ja, Moretz war für diese Rolle wirklich perfekt!!!

  3. 6. August 2014 22:22

    Ich kenne nur das Original, werde mir das Remake aber sicherlich auch mal zu Gemüte führen. So ein bisschen steht für mich schon noch die Frage im Raum: wenn es ein 1:1 Remake ist (storytechnisch), warum musste es dann gemacht werden?

    • donpozuelo permalink*
      6. August 2014 23:45

      Das ist die große Frage… weil die Amis nicht gern Untertitel lesen oder Synchronfassungen erstellen??? Wer kann das schon sagen? Wahrscheinlich gehen sie tatsächlich einfach eher ins Kino, wenn es eine eigene Produktion ist. Ausländische Produktionen haben es in den USA doch meistens immer sehr viel schwerer. Da ist es sicherlich einfacher, dass Ding einfach komplett neu zu drehen… die sollen ja nicht von den guten Ideen abgeschirmt werden. Keine Ahnung, die haben doch keine Ahnung… 😉

      • 9. August 2014 16:33

        Haha – irgendwas von den verschiedenen Beweggründen, die du geschrieben hast, wird es wohl sein. 😉 Ich tippe auf eine Mischung aus allem mit einer großen Betonung auf Ideen-Imperialismus. „Der Film ist genial … warum haben wir den nicht gemacht?“ – „Ich weiß nicht. Brain, sag mal … was machen wir heute abend noch?“ – „Pinky, das was wir jeden abend tun. Ein Remake drehen!!!“

        • donpozuelo permalink*
          11. August 2014 09:24

          😀 😀 😀 Sehr gut… obwohl Pinky und der Brain sicherlich einige Remakes etwas anders gestaltet hätten 😉

        • 11. August 2014 22:54

          Bestimmt 😉

  4. 14. August 2014 17:04

    Habe vor kurzem beide Teile hintereinander noch mal gesehen und muss sagen, dass Matt Reeves wirklich ein gutes Remake hingezaubert hat. Ganz 1:1 ist das ganze aber dann auch nicht. LET ME IN ist noch mehr auf die Beziehung der Außenseiter fokussiert, im Original gibt es noch etwas mehr Einblick in das soziale Umfeld und Oskars Eltern.

    Witzigerweise sieht man in beiden Filmen die Mutter von Oskar nur in ganz wenigen Einstellungen komplett im Bild oder im Schärfenbereich, wunderbare Visualisierung, dass die Eltern überhaupt nicht mit den Problemen ihres Sohnes konfrontiert werden wollen.

    • donpozuelo permalink*
      15. August 2014 09:03

      Okay, 1:1 ist es in dem Sinne dann tatsächlich nicht, aber das ist wiederum etwas, dass ich am Original so mag… das man auch noch ein bisschen besser eingeordnet wird in Oskars Welt. Aber vielleicht waren die Themen für den amerikanischen Markt auch ein bisschen zu krass… zumal ich es ja auch schon ein bisschen zu viel fand, dass die Mutter im Remake so eine Sekten-Tante war. Aber gut…

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