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Der Traum vom Fliegen

21. Juli 2014

Jeder, der auch nur ansatzweise mal einen Film von Hayao Miyazaki geguckt hat, weiß, dass der Mann sich besonders für zwei Dinge interessiert : für die Natur und für das Fliegen (er hat sogar einem Schwein Flügel geschenkt)… und im Endeffekt, alles andere, was sich so darum oder dazwischen befindet. Das ist halt das Tolle an Miyazaki, es gibt immer tausend Sachen zu entdecken, die man vorher noch nicht entdeckt hat. Umso trauriger die Nachricht, dass er sich nun zurückziehen will… kein Miyazaki-Filme mehr… Der einzige Trost, der bleibt, ist die Hoffnung, dass diese Entscheidung endlich mal eine wunderbar ausgestattete Miyazaki-Collector’s Box mit sich bringt…

Doch bevor es dazu kommt, steht erst einmal der (vielleicht) letzte Film von Miyazaki an… und obwohl ich diese Bezeichnungen von „reifster“ oder „erwachsenster“ Film überhaupt nicht mag, trifft es für „Wie der Wind sich hebt“ schon irgendwo zu. Es ist auf jeden Fall ein ganz anderer Miyazaki, als man ihn vielleicht erwartet:

Miyazaki erzählt die Geschichte des Flugzeug-Ingenieurs Horikoshi Jiro, der für die Mitsubishi-Werke in den 30er Jahren an der Entwicklung von Jagdflugzeugen beteiligt war. Doch Jiro baut Flugzeuge, weil er das Fliegen liebt, nicht aus Geldgier oder dem Bestreben in irgendeinem Krieg zu gewinnen. Untermalt wird die Geschichte des Ingenieurs mit einer kleinen, bezaubernden Romanze zu der an Tuberkulose erkrankten Naoko.

Wenn da jetzt Porco drin sitzen würde…

„Wie der Wind sich hebt“ ist ein traumhaft schöner Film, was vielleicht auch daran liegt, dass Miyazaki das Fantastische mal ein bisschen außen vor lässt. Außer einigen Traumsequenzen bleibt der Film auf dem Boden der Tatsachen… und verbindet gekonnt Autobiographisches von Miyazaki selbst und Ingenieur Jiro. Allerdings lange bleiben wir in diesem Film nicht auf dem Boden. „Wie der Wind sich hebt“ wäre für mich der erste Miyazaki, den ich durchaus gern in 3D gesehen hätte… aber selbst ohne diesen technischen Schnickschnack sind die Flugszenen im Film ein echtes Erlebnis.

Interessant finde ich dabei Miyazakis Entscheidung, das Fliegen hier nur selten mit dem Krieg in Verbindung zu bringen. Natürlich hat Horikoshi nur arbeiten können, weil das Militär neue Flugzeuge wollte. Doch ist der Ingenieur ein Träumer, der einfach nur etwas Schönes schaffen will… und deswegen, ähnlich wie Miyazaki im Film, an den Krieg nicht denken mag. So ist Fliegen in „Wie der Wind sich hebt“ einfach nur wunderschön… doch auch ein Miyazaki kann sich nicht vor den schlimmen Tatsachen verstecken, nur stehen sie hier nicht im Vordergrund. Umso intensiver und schmerzhafter sind sie dann, wenn sie doch mal auftauchen.

Witzig fand ich, dass alle Flugzeug- und Motoren-Geräusche sich so anhören, als hätte die jemand am Mikrofon einfach nachgemacht. Anfangs hörte sich das albern an, aber mit der Zeit fand ich diese Idee irgendwie ganz nett. Das hat den Flugzeugen etwas organisches gegeben. Es sind halt nicht nur Maschinen, sondern etwas greifbares, etwas lebendiges. Zumindest für Jiro… und Miyazaki. Und damit auch für uns. (Oder ich habe mir das nur eingebildet, in welchem Fall es wohl nur für mich gilt 😀 )

Neben dem Fliegen erzählt „Wie der Wind sich hebt“ auch die kleine, aber feine Liebesgeschichte zwischen Jiro und Naoko… hier steckt ein bisschen Kitsch, Romantik und Drama drin. Mich hat das berührt, denn neben der technischen Träumerei erlebt Jiro hier auch noch eine Liebe, die über einen langen Zeitraum auf sich warten ließ und ihm dann doch nicht all das geben kann, was man davon erwarten würde. Neben Naoko gibt es nur noch den italienischen Flugzeug-Pionier Caproni, der Jiro als Mentor dient… auch wenn sie sich nur in Jiros Fantasie treffen.

„Wie der Wind sich hebt“ ist ein wunderschöner Abschluss einer großartigen Karriere. Der Film zeigt noch einmal alle Qualitäten, die Miyazaki auszeichnen. Der Film sieht toll aus, er hört sich toll an (großartiger Soundtrack) und ist einfach nur toll erzählt. Miyazaki, du wirst uns fehlen!!!

Wertung: 10 von 10 Punkten (wenn der Wind sich hebt, dann lässt man sich einfach von ihm treiben – das gilt auch für diesen Film: Einfach treiben lassen!!!)

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11 Kommentare leave one →
  1. oldboyrap permalink
    21. Juli 2014 11:28

    Müsste einer der einzigen Miyazakis sein, die ich halt noch nicht gesehen hab. Leider zeigt unser Kino keine guten Filme 😀

    • donpozuelo permalink*
      21. Juli 2014 12:04

      Ich war ja schon froh, dass sie irgendwann überhaupt mit einem Start-Termin rausgerückt sind. Hatte da ja schon echte Bedenken, dass der gar nicht in die Kinos kommt. Aber ich kenne das mit den Kinos, die keine guten Filme zeigen. Weswegen ich es umso mehr zu schätzen weiß, dass ich hier in Berlin fast alles bekomme, was ich sehen mag…

      • oldboyrap permalink
        21. Juli 2014 12:05

        Ja gut, wenn du in Berlin wohnst, hat sichs eh erledigt 😀 Ich wohn halt leider auf dem Land

  2. 21. Juli 2014 12:34

    Ich hatte jetzt echt gezittert, weil ich Angst hatte, du könntest den eventuell nicht mögen. Total absurd, ich weiss. Sogar meine Freundin, die Miyazaki nicht kannte und somit keine Rosa-Brille hatte, fand den erste Sahne. Den kann ich wirklich jedem empfehlen.

    Wie war denn die deutsche Synchro? Ich kenne nur die französische und englische, und die waren ganz solide. Immerhin blieb dir das miese Deutsch der Amis oder Franzosen erspart (bei den Szenen in Deutschland oder mit Herrn Castorp) 😉

    Und das mit den Geräuschen hast du dir nicht eingebildet – das gefiel mir auch total. Scheint aber den Wenigsten aufgefallen zu sein, weshalb du bei mir gerade noch zusätzlich an Kredit gewonnen hast. 😛

    • donpozuelo permalink*
      21. Juli 2014 13:03

      Freut mich ja, wenn ich bei dir zusätzlichen Kredit abstauben kann. 😀

      Ich muss zugeben, dass mir die deutsche Synchro nicht so sehr gefallen hat. Gerade der junge Jiro am Anfang hatte eine furchtbare Stimme, danach wurde es ein bisschen besser. Es ging irgendwie…

      Der Film selbst ist wirklich super, obwohl ich gerade zu Beginn ein bisschen brauchte, um mich reinzufinden. Da hatte ich dann noch nicht so ganz den Dreh raus, dass die Caproni-Szenen quasi nur Träume sind. 😉

  3. 23. Juli 2014 22:36

    Ich bange ja noch und schaue jeeeden Tag nach, ob er bei mir irgendwo läuft >.< aber große Chancen sehe ich da nicht. Freue mich jedenfalls sehr auf den Film. Auch wenns dann erst auf DVD wird. Apropos… da hast du Recht, so eine schöne Collectors Edition hätte was. Es sind ja jetzt straff hintereinander eine optisch angepasste DVDs erschienen. Die machen auch was her …
    Nur kann ich mir nicht so recht vorstellen, dass du den wirklich in 3D hättest sehen wollen. Meinst du 3D-Animation mit Knetköpfen oder 3D-Effekt?

    • donpozuelo permalink*
      24. Juli 2014 09:05

      Ne Collectors Edition wäre super. Auch wenn ich eh schon fast alle Filme zuhause habe, würde ich mir die trotzdem besorgen. Und ich drücke dir mal weiterhin die Daumen, dass du den Film vielleicht doch noch vor DVD-Start zu sehen bekommst. Im Kino ist der nämlich echt schön… und da wäre so ein 3D-Effekt echt super. Die Flugszenen erzeugen ja so schon ein angenehmes Schwindelgefühl 😉

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