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11. Juli 2014

Bereits vier Jahre, bevor er in die Matrix eintauchte, tauchte Keanu Reeves in die Matrix ein. Naja, nicht so ganz, aber wenn man Keanu Reeves auf einem Stuhl sitzen sieht, wie er sich ein Kabel in den Kopf steckt, um anschließend in einem Wirrwarr aus bunten Bildern zu versinken, dann schreit das extrem nach „Matrix“. Doch das ist es nicht… ist ein Fehler im System, ein Déjà-vu wie die schwarze Katze. Oder ist es einfach nur Keanu Reeves’ Vorliebe für Science-Fiction? Nehmen wir einfach mal die letzte Annahme als korrekt an, um nicht vollkommen in Paranoia und Wahnsinn zu versinken. Und somit widmen wir uns heute einmal mehr einem Film, den ich in meiner längst vergangenen Jugend großartig fand: Robert Longos „JohnnyMnemonic“.

Im Jahr 2012 verdient sich Johnny (Keanu Reeves) als Daten-Kurier. Dazu hat er ein Implantat im Gehirn, mit dem er Daten transportieren kann, die dem Kunden zu heikel sind für offizielle Routen. Für dieses Implantat musste Johnny aber den Teil seines Gehirns aufgeben, in dem die Erinnerungen an seine Kindheit waren. Um sich die Rück-Operation leisten zu können, geht Johnny einen riskanten Deal ein: Für zwei Wissenschaftler will er Daten schmuggeln, doch überschreitet er seine Kapazität um gut das Doppelte – die Gefahr: Tod. Johnny muss die Daten innerhalb von 24 Stunden wieder los werden… eigentlich ein Kinderspiel wären nicht Killer der Yakuza im Auftrag eines großen Pharma-Konzerns hinter Johnny her. Mit Hilfe der jungen Leibwächterin Jane (Dina Meyer) versucht Johnny am Leben zu bleiben…

Endlich hat er die Hände für Internet-Pornos frei…

„Johnny Mnemonic“ erinnerte mich stark an einen Anime. Das Ganze hätte im besten „Akira“-Stil im verwüsteten Tokyo spielen können, wo eine merkwürdige Krankheit die Menschen nach und nach krank macht und sterben lässt. Dazu noch ein bisschen „Ghost in the Shell“ mit den ganzen Computer-Mensch-Schnittstellen und fertig wäre ein großartiger Anime. Vielleicht liegt es nur an meiner Vorliebe für Animes…

Aber nicht nur für Anime-Liebhaber ist „Johnny Mnemonic“ sehenswert. Auch für alle Fans der neuen Oculus Rift-Brillen. Denn was heute so langsam mehr und mehr in die Startlöcher kommt, war für Keanu Reeves Daten-Kurier Johnny schon längst Alltag. Ich muss auch dazu sagen, dass mich sein Brille und sein damit verbundener virtueller Gang ins Internet auf ewig geprägt hat. Als ich selber das erste Mal ins Internet gehen konnte, habe ich die ganze Zeit darauf gewartet, dass es so aussieht wie in „Johnny Mnemonic“ 😉 Aber naja, jetzt ist die Zeit ja fast gekommen, in der „Johnny Mnemonic“ Wirklichkeit werden könnte… wenn das so weiter geht, kriegen wir vielleicht auch irgendwann mal unser Hoverboard (was ja auch wirklich höchste Eisenbahn wäre).

„Johnny Mnemonic“ ist ein grandioser Film, der mich auch jetzt nach wie vor großen Spaß macht. Es wirkt, wie gesagt, wie eine Mischung aus „Die Klapperschlange“ trifft auf „Matrix“ und „Ghost in the Shell“, hat irgendwie diesen typischen, irgendwie unbeschreiblichen 90er-Jahre-Sci-Fi-Flair, in dem Technik immer noch ein bisschen so aussieht, als käme sie aus der Steinzeit. Aber hey… das hat Charme und wohl auch ein bisschen Stil, weswegen ich mich keineswegs beschweren will.

Erst jetzt kann ich auch den ganzen Yakuza-Bezug in „Johnny Mnemonic“ mehr würdigen. Nicht nur, weil mir das Yakuza-Thema gefällt und weil es wiederum gut dazu passt, dass der Film auch als Anime funktionieren könnte und so dem Ganzen auch ein leicht exotischer Touch hinzugefügt wird. Nein, erst jetzt ist mir klar geworden, dass Takeshi Kitano hier den fiesen Obermotz spielt. Und jeder Film wird gleich um einiges cooler, wenn der stoische Takeshi Kitano darin auftaucht und versucht, den Hauptdarsteller umzunieten. Der wiederum ist mit dem noch frisch aussehenden Keanu Reeves auch gut besetzt, zumal dessen leicht verwirrter Blick perfekt zur Rolle passt… obwohl es hier und wieder schon irritiert, dass das der gleiche Reeves ist, der ein Jahr zuvor in „Speed“ zum Helden wurde. Ich will jetzt nicht sagen, dass Reeves zurecht für die Goldene Himbeere nominiert wurde…. aber manchmal wirkt er als guter Johnny doch ein bisschen überfordert (was, wie ebenfalls schon erwähnt, trotzdem irgendwie gut zur Rolle passt).

Ich liebe diesen Film. Ist wahrscheinlich eine Folge des Nostalgie-Bonus‘. Aber „Johnny Mnemonic“ ist ein Action-Sci-Fi-Mix, der gut zu unterhalten weiß.

Wertung: 8 von 10 Punkten (Daten-Schmuggel auf 90er Art mit merkwürdig vernetzten Delfinen… muss man einfach mal gesehen haben)

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13 Kommentare leave one →
  1. 11. Juli 2014 08:28

    Oh ja, auf das Hoverboard warte ich auch schon so lange…

  2. 11. Juli 2014 12:54

    Ich kann mich noch genau erinnern wie seltsam ich den Film fand. Damals natürlich noch großer Reeves Fan und dieser seltsame Mischmasch hatte schon was, allerdings war mir der Delfin dann zu viel :))

    • donpozuelo permalink*
      11. Juli 2014 13:17

      Der Delfin hat mich auch voll aus dem Konzept gebracht. Auf sowas ist man bei diesem Film einfach nicht vorbereitet 😉 Aber trotzdem irgendwie cool… würde heute auch keiner mehr bringen.

  3. 12. Juli 2014 11:45

    Ah, ein Cyberpunk-Klassiker! Zwar leicht trashig, doch irgendwie auch gut. Man hätte mehr daraus machen können, doch letztendlich bin ich froh, dass es den Film gibt (eh zu wenig besetzt dieses Genre).

    • donpozuelo permalink*
      14. Juli 2014 12:35

      Auf jeden Fall. Ich finde den Film gut, so wie er ist.

  4. 20. Juli 2014 17:52

    Den habe ich zwar erst nach Matrix gesehen, mochte den aber sehr gern. Habe es ja ein bisschen gefeiert, dass du Oculus Rift, Anime und Takeshi Kitano erwähnt hast. 🙂 Wer könnte den Yakuza besser verkörpern??? 😀

    • donpozuelo permalink*
      20. Juli 2014 20:33

      Aber es stimmt doch, oder nicht??? Den Film hätte man perfekt als Anime machen können… und der wäre sicherlich riesig geworden und hätte wahrscheinlich einen höheren Status als „Johnny“ hier.

      Und klar: Kitano ist Yakuza pur 😀

      • 22. Juli 2014 22:11

        Jepp, so wie du das schon oben geschildert hast, kann ich mir das gut vorstellen. 😉 Ich muss da auch immer an Satoshi Kons Paprika denken … obwohl das ziemlich anders ist. Aber das wäre ein großartiger Anime geworden. 😀

        • donpozuelo permalink*
          23. Juli 2014 09:08

          Ja, der Film wäre in der Hand von Satoshi Kon richtig, richtig groß geworden. 😀

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