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Das große Saubermachen

2. Juli 2014

Wenn ich mal einen Tag lang tun und lassen könnte, was ich wollte… ich glaube, ich würde mir den dicksten Jeep besorgen, den ich finden kann und überall lang fahren, wo KEINE Straße ist. Einfach mal so – Vollgas und immer gib ihm! Auf mögliche Passanten müsste ich ja an diesem Tag dann ja auch keine Rücksicht nehmen, schließlich wäre das ja der Tag, an dem ich tun und lassen kann, was ich will.

Die Idee, mal einen Tag lang einfach durchdrehen zu dürfen, klingt einfach viel zu gut. Da wundert es mich doch sehr, dass sich vor „The Purge“ irgendwie nie jemand so richtig mit diesem Thema beschäftigt hat. Und dann kam 2013 „The Purge“ und alle Welt freute sich wegen der tollen, innovativen Idee, die da plötzlich aus Hollywood kam. Jenem Ort, der doch scheinbar nur noch Comics, Remakes und Sequels kennt. Die Begeisterung war enorm, die Erwartungen unendlich hoch… und dann kam schnell die Enttäuschung. Irgendwie war „The Purge“ wohl doch nicht das, was sich alle erhofft hatten. Weswegen ich dann auch bis heute gewartet habe, um mir den Film anzuschauen… und ich weiß nicht, vielleicht liegt’s daran, dass ich meine Erwartungen wieder extrem gesenkt habe, aber soooo enttäuscht war ich am Ende nicht von „The Purge“.

Wie gesagt, die Idee ist, dass man einmal im Jahr für 12 Stunden tun und lassen kann, was man will. Morden, plündern, brandschatzen… egal. Damit sich die US-Bürger mal richtig austoben dürfen, wird in dieser Zeit kein Polizist eingreifen. Anarchie legal! Doch „The Purge“ zeigt uns davon nicht so viel, sondern eher die Familie Sandin, die sich während der Säuberungsaktion in ihrem Hochsicherheitshaus versteckt: Mama Mary (Lena Headey), Papa James (Ethan Hawke), Sohn Charlie (Max Burkholder) und Tochter Zoey (Adelaide Kane). Blöd nur, dass Sohnemann dann doch die Sicherheit des Hauses gefährdet, als er einem Flüchtingen Einlass gewährt und plötzlich die Sandins Ziel einer säubernden Horde werden.

Was ist gruseliger – der Typ im Hintergrund oder die schlechte Perücke?

Es wurde ja schon gleich zu Beginn damals gemeckert, dass „The Purge“ eigentlich mehr ein Home-Invasion-Film ist, der sein großartiges Story-Potenzial komplett in den Wind pustet. Und was soll man lange um den heißen Brei reden: Es ist wirklich so. 80 Prozent des Films sind wirklich nichts Neues. Eine Familie steckt in ihrem eigenen Haus fest und wird von üblen Schurken darin gejagt. Dabei möchte man dann manchmal schon mit dem Kopf schütteln… ich meine, wenn man sich so viel Security leisten kann, warum dann nicht einen zusätzlichen Panic Room? Doppelt hält doch bekanntlich besser. Nein, stattdessen müssen wir hier mit unseren Protagonisten im Dunkeln ausharren und hoffen, dass sie nicht gleich alle drauf gehen.

Noch schlimmer wurde es für mich nur bei Sohnemann Charlie, der mir durch seine Aktion und seine ständigen Sorgen und Zweifel echt auf den Sack ging. Wenn man bedenkt, dass er sein kurzes Leben schon immer mit dieser Purge verbracht hat, wundert man sich dann doch, warum er da so komisch reagiert. Aber gut, irgendwie muss die Story ja in Gang gebracht werden. Immerhin überzeugt Lena „Cersei“ Headey auch mal wieder außerhalb einer Serie (allerdings hätte man ihr schon eine etwas bessere Perücke geben können)… und auch Ethan Hawke schlägt sich recht wacker.

Aber wie gesagt, ich will ja eigentlich nicht nur meckern, denn irgendwie hat mir „The Purge“ trotzdem Spaß gemacht. Was vor allem am Anfang und am Ende liegt. Denn gerade hier zeigt uns Regisseur James DeMonaco eigentlich das, weswegen wir diesen Film sehen wollten: Anarchie und Selbstjustiz. Zwar sind es anfangs nur kurze, schnelle Bilder… aber hier erkennt man schon, was man aus dem Stoff alles hätte machen können, wenn man sich nicht hinter der Home-Invasion-Geschichte versteckt hätte.

Immerhin holt „The Purge“ ihre Saubermach-Aktion am Ende des Films noch einmal so richtig schön raus… und auch hier wünschte man sich wieder sehr viel mehr davon. Das war fies und gemein. Naja…

Es bleibt ja noch die Hoffnung auf „The Purge: Anarchy“, der sich dann ja wirklich auf eine gesamte Stadt bezieht und dessen Trailer sehr viel mehr verspricht als der erste Teil geliefert hat. Und sollte das auch nichts werden, habe ich ja immer noch Hoffnung, dass es zu „The Purge“ vielleicht mal ein asiatisches Remake geben könnte: Die wären da so richtig schön skrupellos… und das Ganze wäre dann wohl so eine Art „Battle Royale“ in der Stadt. Würde ich mir auf jeden Fall anschauen.

Somit ist „The Purge“ an sich nicht schlecht, wenn es nicht so eine fiese Mogelpackung wäre, die nicht liefert, was sie verspricht. Die Sequenzen, in denen es um die Purge geht, sind aber richtig gut, der Rest ist halt altbekanntes und wenig spektakuläres. Aber… wir hoffen einfach mal auf Teil 2!!!

Wertung: 6 von 10 Punkten (die Idee ist klasse, der Film nicht so richtig… ich erwarte Wiedergutmachung!!!)

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13 Kommentare leave one →
  1. 2. Juli 2014 11:21

    Hier hat man sich glaube ich auch irgendwie selber einige Hürden in den Weg gelegt. Das Problem ist nämlich, dass die Story an sich zwar verspricht, dass überall das reinste Chaos herrscht, diese dadurch aber auch direkt wieder auf der Strecke bleiben wird, wenn man das Setting auf die ganze Stadt ausdehnt. Mehr Charaktere ohne Tiefgang werden uns da wohl erwarten. Eigentlich das übliche Horrorfilmschema. Einen guten ersten Teil machen (was jetzt hier nicht der Fall war) und dann in der Fortsetzung einfach jede Menge Charaktere auf die Leinwand klatschen, damit man möglichst viel rummetzeln kann, und sich um die Geschichte an sich keine Sorgen mehr machen braucht, weil dafür ohnehin keine Zeit mehr bleibt. Ähnliches erwarte ich hier auch.

    • donpozuelo permalink*
      2. Juli 2014 12:05

      Ja, das könnte wohl wirklich genau so werden. Aber wir werden das ja bald sehen. Wie gesagt, bei der Story hätte ich mir wirklich gewünscht, die Koreaner und Japaner würden das machen. Würde da wahrscheinlich sogar funktionieren…

      • 2. Juli 2014 12:16

        Ja, die können sowas ganz gut. Bei Hollywood ist da aber eigentlich jetzt schon jede Hoffnung verloren.

        • donpozuelo permalink*
          2. Juli 2014 12:22

          😀 Leider hast du da Recht!!! Das kann nach dem Start eigentlich nicht wirklich viel besser werden. Jetzt ist die Idee eh schon hin. Wahrscheinlich werden sie jetzt wirklich nur ordentlich viele kleine Episoden reinstreuen und dabei wieder irgendwas anderes vernachlässigen.

        • 2. Juli 2014 12:23

          Einfach erst mal nix erwarten, dann kann man auch nicht enttäuscht werden.

        • donpozuelo permalink*
          2. Juli 2014 12:41

          Genau!!! Immer die richtige Einstellung bei solchen Filmen.

  2. 6. Juli 2014 17:50

    Steht noch auf meiner Watchlist – und wird demnächst geschaut. Deine Review erscheint mir aber sehr … ähm. Realistisch!? Ich konnte den teilweise extrem begeisterten Kritikern und Filmfans nicht so richtig abkaufen, dass es so toll und anders sein soll, weil ich mir immer dacht „ja und dann spielt es in dem Haus? Oder? Also ist es Home Invasion wie schon 30.000 Filme zuvor? oder?“ … ich habs doch gleich gewusst … ich liebe es, wenn ich das sagen kann. Gucken muss ich es aber natürlich trotzdem noch 😉

    LOL … und als ich das Foto sehe, denke ich noch „Hat die da ’ne Perrücke auf???“

    • donpozuelo permalink*
      7. Juli 2014 09:34

      Wo hast du denn die begeisterten Kritiken her? Ich kannte eigentlich nur enttäuschte Stimmen zu dem Film, der ja leider Gottes wirklich nicht wirklich viel aus seiner tollen Idee macht.

      • 7. Juli 2014 22:13

        Auf Youtube schaue ich einige Filmkritiker, u.a. Robert von DVDKritik. Der war zum Beispiel unendlich begeistert. Oder sollte ich besser sagen „schaute“, ich habe schon ewig keine Reviews von denen mehr geschaut, die sind mir irgendwie zu Mainstream. … oh. Da wars. Ich habs gesagt. Dödödödödöööm.

        • donpozuelo permalink*
          8. Juli 2014 09:18

          😀 Schon okay. Wir dürfen uns ja auch wirklich nicht zu sehr dem Mainstream hingeben…

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