Skip to content

Die Unbändige

23. Juni 2014

Jeder, der mich ein bisschen kennt, weiß, dass ich Cameron Crowes „Vanilla Sky“ abgöttisch liebe. Und weil ich das selbst am besten weiß, wollte ich mich mal ein bisschen mit den Filmen beschäftigen, die im Film am prägnantesten zitiert. Da wäre zum einen „Wer die Nachtigall stört“ und „Jules und Jim“. Da ich im Moment erst noch das Buch zu „Wer die Nachtigall stört“ lese und mir erst später den Film anschauen werde, kommt nun als erstes Francois Truffauts „Jules und Jim“ dran. Am deutlichsten wird der Film in „Vanilla Sky“ durch ein übergroßes Filmposter gezeigt, auf dem die bezaubernde Jeanne Moreau uns ihr Lächeln zeigt. Doch nachdem ich jetzt endlich den Film selbst gesehen habe, steckt ja soviel mehr von „Jules und Jim“ in „Vanilla Sky“ als ich jemals gedacht hätte. Aber ich will hier nicht mit Vergleichen langweilen – für den Fall, dass jemand meine Leidenschaft für „Vanilla Sky“ nicht teilt. Stattdessen will ich von dem merkwürdigsten, bezauberndsten und verstörendsten Liebesfilm sprechen, der mir bisher untergekommen ist.

„Jules und Jim“ erzählt die Geschichte einer sonderbaren Liebe. Der Franzose Jim (Henri Serre) und der Deutsche Jules (Oskar Werner) lernen sich in Paris kennen und werden beste Freunde. Während Jim ein rechter Aufreißer ist, will Jules mit den Frauen nicht so ganz klar kommen, bis beide Catherine (Jeanne Moreau) kennenlernen und Jules Jim von vornherein bittet: „Die bitte nicht, denn ich liebe sie!“ Und die Beziehung zu der lebensfrohen Frau scheint auch zu funktionieren… doch dann kommt der erste Weltkrieg, der sowohl die Liebenden als auch die Freunde von einander trennt. Und danach ist nichts mehr wie früher, denn als Jim Jules und Catherine besuchen kommt, ist die Ehe nicht mehr die selbe und Jim und Catherine kommen sich näher…

Drei sind halt doch einer zu viel…

Ich komme mit diesem Film ehrlich gesagt nicht so wirklich klar. Nicht weil Mist ist, im Gegenteil: „Jules und Jim“ ist ein wirklich toller Film. Aber diese Frau, die Truffaut uns da präsentiert, ist ein unfassbares Wesen. Und genau hier liegt der Charme des Films: in Jeanne Moreau. Taucht sie das erste Mal auf, versteht man sofort, was Jules und Jim an ihr finden. Sie ist umwerfend, verrückt, spontan, unvorhersehbar und nicht zu stoppen. Sie ist impulsiv, springt in die Seine, verkleidet sich als Mann und lebt ihr Leben so, wie sie es für richtig hält. Wer würde sich – als Mann – nicht von so einer Frau angezogen fühlen?

Gleichzeitig spürt man mit ihrem ersten Auftritt, dass sie für die beiden Freunde den Untergang bedeuten könnte. Und hier prescht Truffaut dann auch direkt in die Vollen. Hier zerstört Truffaut auch jede Hoffnung auf Normalität. Wer „Jules und Jim“ guckt, der muss sich klar sein, dass hier nichts normal ist. Genau wie Catherine es verabscheut, normal genannt zu werden, so verabscheut auch der Film diese Bezeichnung. Aber was ist dann „Jules und Jim“? Es ist eine sonderbar ehrliche und verstörende Betrachtung einer Liebesgemeinschaft, in der keiner den anderen verletzen will, nur dass keiner wirklich zu merken scheint, dass Liebe so nicht funktionieren kann.

Ich kann nicht wirklich sagen, wieso, aber mich hat dieser Film echt schwer getroffen. Vielleicht liegt es daran, dass so viel Wahrheit in diesem kleinen wunderbaren Film steckt. Vielleicht liegt es auch daran, wie unfassbar gelassen alle Figuren mit dieser Situation umgehen. Ich weiß es nicht. Es fiel mehr immer wieder schwer, Jeanne Moreaus Catherine nicht zu hassen. Aber dann ist sie auf der anderen Seite auch wieder so verdammt charmant, und wenn man es ganz genau nimmt, erkennt man von Anfang an, dass sie für diese ganze Ehe-Nummer einfach nicht geschaffen ist. Sie ist ein Freigeist, den man einfach nicht „einsperren“ kann. Und wahrscheinlich erkennen das dann auch Jules und Jim und sind einfach nur froh, überhaupt Zeit mit ihr verbringen zu können. Wer weiß das schon??? Auf jeden Fall macht „Jules und Jim“ uns eines sehr deutlich: Liebe ist etwas, das man einfach nicht rational erklären kann. Man kann auch über nichts entscheiden, man wird zum Mitläufer und hofft einfach nur, dass die Richtung, in die es geht, auch die gewollte ist.

„Jules und Jim“ ist ein grandioser, aber auch schmerzhafter Film, so voller Leben, Liebe und Tragik.

Wertung: 10 von 10 Punkten (Liebe tut weh!)

Advertisements
3 Kommentare leave one →
  1. 23. Juni 2014 22:51

    Wow! Klingt aussergewöhnlich und ganz toll. Mich hast du überzeugt … ist direkt auf der Watchlist gelandet. Ich bin gespannt auf die Parallelen zu Vanilla Sky.

    • donpozuelo permalink*
      24. Juni 2014 08:53

      Ist es auch und es freut mich, dass ich dich überzeugen konnte. Die Parallelen zu „Vanilla Sky“ werde ich demnächst selbst mal aufstellen. Vorher will ich aber noch „To Kill A Mockingbird“ gucken!

Trackbacks

  1. Filmforum Bremen » Das Bloggen der Anderen (23-06-14)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: