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Die Schuld der Sterne

11. Juni 2014

Ich meckere ja gerne mal über Filmtitel und ihre unsägliche deutsche… ja, was eigentlich? Übersetzung darf man das ja in den seltensten Fällen wirklich nennen. Selbst freie Übersetzung ist in vielen Fällen einfach noch eine zu krasse Übertreibung. Ich stelle mir da immer sehr gerne, die Verantwortlichen beim Würfeln vor… oder vielleicht spielen sie auch nur einer merkwürdige Variante von Scrabble. Doch bei unserem heutigen Film haben nicht einmal die Film-Verleiher Schuld, sondern die Herrschaften, die das Buch übersetzt haben. Statt einen schön klingenden Titel Titel sein zu lassen, machten sie daraus etwas, das sich leider Gottes zu sehr nach Rosamunde Pilcher anhört: Aus „The Fault in our Stars“ wird bei uns „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“.

Was will uns dieser Titel sagen??? Wie kann uns das Schicksal verraten, wenn wir es nicht einmal kennen? Schicksal ist doch immer irgendwie die romantische Ausrede dafür, dass wir unser Leben doch nicht selbst bestimmen. Wie können wir also davon verraten werden? „Die Schuld der Sterne“ würde nicht nur besser klingen, sondern wäre ja immerhin die richtige Übersetzung des Shakespeare-Zitats: „Nicht durch die Schuld der Sterne, lieber Brutus, durch eigne Schuld nur sind wir Schwächlinge“ Und das passt perfekt zum Buch!

Naja, auf jeden Fall ist das Schicksal deswegen ein Verräter, weil es nicht zulassen kann, dass sich Hazel (Shailene Woodley) und Gus (Ansel Elgort) nicht für immer lieben können. Denn Hazel hat Krebs und lernt Gus in einer Selbsthilfegruppe kennen. Während Gus sofort von ihr begeistert ist, sträubt sich Hazel… schließlich will sie den Menschen um sich herum, nicht noch mehr Schwierigkeiten und Kummer bereiten. Doch Gus ist hartnäckig und zum Glück auch bereit, Hazels Lieblingsbuch „An Imperial Affliction“ genau so sehr zu lieben wie sie. Und damit geht das Schicksal dann seine verräterischen Wege.

In ihren Blick könnt ihr jetzt rein interpretieren, was auch immer ihr wollt.

Das Buch von John Green gehört zu den wenigen Werken, die mich wirklich zu Tränen gerührt haben. Es ist ein schönes Buch, dass sich weniger um die Krebsthematik, als vielmehr um die Menschen an sich kümmert. Gus ist dabei ein neunmalkluger, aber dennoch verdammt liebenswerter Philosoph, den man für jede romantische Notiz zitieren könnte, um zum Erfolg zu kommen. Hazel ist ein taffes junges Mädchen, dass auf eigenen Beinen stehen will und sich nicht wehrlos ihrem verräterischen Schicksal ergeben will. Ein wirklich tolles Buch mit verdammt sympathischen Charakteren…

Und der Film schafft es anfangs auch tatsächlich, dass auf die Leinwand zu bringen. Shailene Woodley und Ansel Elgort – in „Divergent“ noch Bruder und Schwester – überzeugen hier als echte Sympathieträger. Elgort spielt den Gus selbstsicher und Woodley kann einfach nur ihren Charme spielen lassen und man weiß sofort, warum Gus sich so für sie interessiert. Auf menschlicher Ebene funktioniert „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ hier also bestens. Bis in die kleinsten Nebenrollen stimmt hier wirklich alles.

Regisseur Josh Boone macht, so möchte man meinen, dem Buch alle Ehre. Und tatsächlich tut er das. Denn wenn man Boone eins nicht vorwerfen kann, dann, dass er sich nicht ans Buch hält. Im Gegenteil… die Story bleibt so gut wie unangetastet. Selbst Dialoge und wichtige Zitate finden 1:1 ihren Weg in den Film. Möglicherweise… und ich sage das jetzt mit äußerster Vorsicht… liegt genau hier mein Problem mit dem Film.

Ich möchte noch einmal betonen, dass mich das Buch echt tief bewegt hat. Etwas, was der Film leider überhaupt nicht geschafft hat. Es könnte natürlich daran liegen, dass meine Erwartungen dieses Mal unendlich hoch waren. Aber es gab einen Punkt, wo mich der Film einfach nur noch langweilte. Während das Buch natürlich immer schön in Hazels Kopf gucken kann und wir mehr mit ihr mitfiebern, fehlt das in der zweiten Hälfte des Films. Die erste Hälfte ist voller witziger kleiner Momente: das ewige Warten auf eine Nachricht, erste vorsichtige Annäherungsversuche und sowas alles. Doch die zweite Hälfte streckt sich dann unendlich in die Länge. Und nochmal: Boone verfilmt das Buch bis ins kleinste Detail, aber scheinbar wären hier einige Details weniger vielleicht gar nicht verkehrt gewesen.

Ich tue mich schwer, „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ komplett zu verreißen, hatte ich doch gerade zu Beginn und dank toller Darsteller durchaus meinen Spaß. Doch viele Dinge, die im Buch funktioniert haben, taten es hier einfach nicht. Ich kann da nicht einmal genau mit dem Finger drauf zeigen… obwohl, kann ich schon: Allein die Kussszene im Anne-Frank-Haus. Im Buch sehr schön, hier irgendwie nur peinlich.

Wahrscheinlich ist die Erinnerung an das Buch einfach zu gut… deswegen werde ich hier jetzt aufhören. Mir hat der Film wirklich nur bis zur Hälfte zugesagt… aber er ist trotzdem nicht schlecht. Mir hat er nur einfach nicht gefallen. Es ist ein toller Film mit wunderbaren Schauspielern, die ihren Charakteren wirklich Leben verleihen. Man fiebert mit ihnen… naja gut, ich nur bis zu einem bestimmten Punkt… aber so ist das wohl mit wirklich guten Büchern. Verfilmungen sind halt immer schwer.

„Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ist für mich selbst ein bisschen zum Verräter geworden. Doch das ist nur meine bescheidene Meinung. Unter anderen Umständen und weniger großen Erwartungen würde ich Euch diesen Film bestimmt nur wärmstens ans Herz legen. Schon lange war nichts romantischers mehr im Kino gesehen. Also, für eine kühle Date-Night im klimatisierten Kino der perfekte Film.

Wertung: 6 von 10 Punkten (ein wirklich sympathischer Film mit tollen Darstellern, der sich Gott sei Dank genau wie das Buch nicht an der Krebsgeschichte hochzieht, sondern eben an seinen Schauspielern. Ohne große Erwartungen wären es sicherlich mindestens 9 von 10 Punkten geworden)

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