Skip to content

Leere Hüllen

6. Juni 2014

Mittlerweile könnte Joss Whedon wahrscheinlich einen Film darüber drehen, wie Gras wächst und alle Welt würde ins Kino rennen und sich das anschauen… und es wahrscheinlich gut finden. Was daran liegen könnte, dass alles, was ich bis jetzt von Joss Whedon kenne, immer irgendwie ein Erfolg wird. Und aller-, allerspätestens nach „The Avengers“ weiß das nun wirklich auch jeder. Doch das war ja nicht immer so… gerade was seine Serien anbelangte, musste Whedon auch einige Rückschläge einstecken. Man nehme nur „Firefly“. Wäre die Serie jetzt erst ins Fernsehen gekommen, hätte sich wahrscheinlich niemand getraut, dass Ding nach nur einer Staffel abzusetzen. Aber es ist passiert… und „Firefly“ ist nicht das einzige Beispiel dafür, wie „schlecht“ Whedon früher mal behandelt wurde.

Ein sehr guter Freund von mir brachte mich nämlich auf eine „neue“ Serie von Whedon, die leider Gottes auch nach zwei Staffeln das Zeitliche segnen musste – und auch hier vollkommen zu Unrecht: Denn Joss Whedons „Dollhouse“ ist eine Serie, die einfach nur grandios ist. Punkt! Das liegt an einem ziemlich coolen Konzept, tollen Darstellern, einer Story, die von Anfang an zu begeistern weiß… und einem Staffelfinale (in der ersten Staffel), dass euch die Schuhe auszieht. Aber fangen wir von vorne an…

Das „Dollhouse“ ist eine mysteriöse Organisation, die sich darauf spezialisiert hat, Menschen mit bestimmten Persönlichkeiten auszustatten. Die sogenannten „Actives“ binden sich vertraglich an das Dollhouse, lassen ihre eigene Persönlichkeit löschen und können so für jede Art von Auftrag noch „bespielt“ werden. Für uns von großem Interesse ist Active Echo (Eliza Dushku), bei der immer wieder ihre alte Persönlichkeit hervorkommt. Zusätzlich droht noch Gefahr durch einen FBI-Agenten, der nach dem „Dollhouse“ sucht und einem früherem Active namens Alpha, vor dem wirklich alle Angst haben.

Darf’s heute mal ein Psycho sein? Sind im Angebot…

Was mir gleich von Anfang an gut gefallen hat, ist die Tatsache, dass Whedon sein Publikum nicht für dumm hält. Und deswegen schmeißt er uns gleich in der ersten Folge mitten rein ins Geschehen. Statt den Piloten damit zu verschwenden, uns ausführliche Charaktereinführungen zu geben und die Story bis ins kleinste Detail zu erläutern, sind wir einfach mitten drin. Echos erster Auftrag… und fertig. Was hier wie funktioniert kriegt man halt so nebenbei mit. Gute Geschichten haben das so an sich. Da braucht’s keine Off-Stimme oder irgendwelche ewigen Prologe.

Und so bleibt „Dollhouse“ zum Glück auch. Ich habe in der ersten Staffel nicht eine einzige Folge gesehen, die mich nicht begeistert hat. Von Anfang an liefert Whedon eine Story im Hintergrund (hauptsächlich die um den mysteriösen Alpha und FBI-Agent Paul Ballard), die sich mit jeder Folge weiterentwickelt. Gleichzeitig liefert jede Folge aber auch spannende und abwechslungsreiche Einzelstories, die sehr gut mit der spannenden „tabula rasa“-Idee der Serie umgehen. Dabei gibt’s durchaus auch Folgen, die sich mal nicht ganz zu ernst nehmen, was die Laune erheblich verbessert.

Für gute Laune ist sowieso der Spezialist selbst am Werk. Fran Kranz spielt den herrlich amüsanten Techniker Topher. Fans von „The Cabin in the Woods“ dürfte er als Marty bekannt sein. Kranz ist so das komödiantische Highlight der Serie, während Eliza Dushku als Echo eine erstaunliche Wandlungsfähigkeit zeigt (wie übrigens alle, die im Dollhouse als „Actives“ unterwegs sind). Immerhin ist „Dollhouse“, was das Schauspielen angeht, durchaus herausfordernd, da Dushku und ihre Kollegen selten ein und dieselbe Person zweimal spielen. Hier kann die gute Eliza dann zeigen, dass sie nicht nur gut aussieht, sondern auch wirklich was kann.

Man könnte auch darstellerisch noch viel mehr über diese Serie schwärmen. Besonders zu erwähnen sei hier definitiv noch Olivia Williams, die als Chefin Adelle DeWitt über das „Dollhouse“ wacht. Ebenfalls einfach nur großartig!

Ich kann meine Begeisterung für die erste Staffel von „Dollhouse“ nur schwer unter Kontrolle halten. Ich habe die Folgen durchgezogen wie ein Verrückter. Es gibt wirklich nichts an dieser Serie zu meckern… und wie gesagt, das Finale zieht euch die Schuhe aus. Denn diese eine Folge macht so einen Riesensprung… und schleudert die Serie dabei noch einmal in eine ganz andere, unerwartete Richtung. Da bin ich jetzt schon gespannt auf die zweite Staffel.

Joss Whedon zeigt sich hier einmal mehr von seiner besten Seite… und das lange bevor er Marvels Oberguru wurde. Und vielleicht war genau das sein Problem. Ich glaube, der gute Mann war seiner Zeit einfach zu weit voraus. Heutzutage wäre „Dollhouse“ ewig gelaufen (und die Möglichkeiten dazu wären durchaus da gewesen), aber wer weiß… vielleicht ist es auch gut, dass so gute Serien nicht zu sehr ausgeschlachtet wurden. So können wir sie heute noch viel mehr würdigen. Also bitte: Wenn ihr mal freie Kapazitäten von all dem „Game of Thrones“-Gucken habt, guckt „Dollhouse“!

Wertung: 10 von 10 Punkten (ich habe mal wirklich nichts an dieser Serie zu meckern – einfach nur großartig und verdammt unterhaltsam)

Advertisements
10 Kommentare leave one →
  1. 6. Juni 2014 20:16

    Freut mich, dass du die Serie für dich entdeckt hast! Ich fand sie auch toll, wenn auch nicht ganz so großartig, wie du (hatte 8 Punkte gegeben). Übrigens denke ich, dass die Serie heute ebenso schnell von der Bildfläche verschwinden würde. Selbst Whedons SHIELD-Serie hätte es ja beinahe nicht in die 2. Staffel geschafft…

    • donpozuelo permalink*
      8. Juni 2014 09:51

      Whedons SHIELD ist aber auch wirklich nicht so dolle. Nach vier Folgen habe ich da, ehrlich gesagt, auch aufgehört. Hat mich dann doch nicht so interessiert. Da hat „Dollhouse“ dann doch sehr viel coolere Ideen und ein spannenderes Konzept zu bieten.

      • 8. Juni 2014 10:50

        SHIELD soll sich aber gegen Ende sehr gut und whedonesque entwickeln… habe bisher aber auch nur eine Episode gesehen.

        • donpozuelo permalink*
          8. Juni 2014 12:53

          Echt? Dann sollte ich das vielleicht mal wieder anfangen 😉

  2. 8. Juni 2014 17:38

    Stimmt … das gibts ja auch noch. Wollte ich vor einer Ewigkeit mal sehen und war dann so geschockt, dass es abgesetzt wurde, dass ich es achtlos von der Watchliste gestrichen habe. Ein Frevel.

    • donpozuelo permalink*
      9. Juni 2014 01:56

      Wirklich ein Frevel… denn es ist wirklich eine spannende Serie. Unbedingt wieder auf die Liste setzen.

Trackbacks

  1. Kampf der Puppen | Going To The Movies
  2. Shakespeare’s House Party | Going To The Movies
  3. Ripley Nr. 8 | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: