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Mutanten-Zeitreise

26. Mai 2014

Die „X-Men“ haben es gar nicht so einfach. Während alle anderen Marvel-Helden auch gekonnt in Einzel-Abenteuern bestehen können, schwächelt dieses Konzept bei den Mutanten extrem. Das hat man leider nur zu gut bei den Versuchen gesehen, Wolverine in Solo-Abenteuer zu stecken. Solo-Abenteuer und „X-Men“ geht einfach nicht… sonst würde es ja „X-Man“ und nicht „Men“ heißen. Die Mutanten funktionieren nur als Team, weil jeder einzelne von ihnen auch nur in der Gruppe funktioniert… was man vor allem an Wolverine immer wieder sehr schön beobachten kann: Der braucht seine zahlreichen „Gegenspieler“, um zynisch-knurrige Sprüche abzuliefern.

Und damit Wolverine endlich mal wieder so richtig zur Geltung kommt, spielt er die wichtigste Rolle im neuen Film „X-Men: Days of Future Past“ (ich verweigere mich auch an dieser Stelle mal wieder den schwachsinnigen deutschen Titel auszuschreiben!!!): Wolverine (Hugh Jackman) wird nämlich in der Zeit zurückgeschickt. Die Zukunft sieht dank der Übermacht gefährlicher Killer-Roboter, die Sentinels, verdammt düster für Menschen und Mutanten aus. In der Vergangenheit soll Wolverine nun mit Hilfe von Charles Xavier (James McAvoy) und Erik Lehnsherr (Michael Fassbender) verhindern, dass Bolivar Trask (Peter Dinklage) sein Sentinel-Projekt an den Start bringen kann.

Das X markiert… den X-Men!

Dieser Film wurde natürlich damit angepriesen, dass Regisseur Bryan Singer alle Mutanten in einem Film zusammenführt – sprich also die alte Riege aus der X-Men-Trilogie und die neuen „alten“ Mutanten aus dem Reboot „First Class„. Und genau an diesem Punkt hatte ich so meine Zweifel, ob dieses Konzept nicht eher dazu führen würde, dass es zu einem Mutanten-Overkill kommt. Zum Glück für uns alle verzichtet Singer aber darauf… der Hauptschwerpunkt liegt auf den jungen X-Men aus dem Reboot, während die alte Riege für eine gute Rahmenhandlung sorgt.

„X-Men: Days of Future Past“ erlaubt es Singer, alle vorangegangenen „X-Men“-Filme zu zitieren, weswegen sich der Kinobesuch wirklich nur so richtig lohnt, wenn man sich in dem Bereich auch auskennt. Wenn nicht, funktionieren manche der Witze einfach nicht. Aber selbst wer einige der Gags nicht richtig verfolgen kann… die Story sorgt für gute Unterhaltung. Zumindest für die erste Hälfte des Films.

Denn hier liefert Singer wirklich gutes Comic-Kino. Erst befinden wir uns in der Zukunft, erleben den harten Kampf gegen die Sentinels, dann sind wir in der Vergangenheit und müssen mit Wolverine mitfiebern, der auf seine charmante Art und Weise versucht, alte Feinde wieder als Freunde zu vereinen. Hier funktioniert die Dynamik zwischen den Figuren, weil Wolverine nicht unbedingt der beste Mediator ist. Grummeliger Wolf trifft auf depressiven Professor… eine wunderbare Kombination, die für viel Zündstoff, aber auch für sehr viel Komik sorgt.

Komisch und tragisch zugleich ist dann auch der Auftritt von Quicksilver (Evan Peters). Komisch, weil Peters einfach nur großartig und eine der lustigsten Szenen im ganzen Film für sich behaupten darf. Tragisch, weil der Gute einfach viel zu schnell wieder verschwunden ist.

Und verschwunden ist irgendwann auch so ein bisschen die Spannung. Irgendwann zur Mitte geht „X-Men: Days of Future Past“ einfach die Luft aus. Warum??? Weil gefühlt die gleiche Geschichte aus der ersten Hälfte noch einmal erzählt wird… nur mit leicht anderen Voraussetzungen. Was anfangs noch schnell und gut erzählt wurde, verliert sich zum Ende hin ein bisschen in sich selbst und dann ist die Luft so ein bisschen raus. Da hätte man sich dann vielleicht doch auf ein spannenderes Ende vorbereiten können.

Aber gut, immerhin sind alle X-Men wieder da, egal wie kurz manch ein Auftritt auch sein mag (manche sind wirklich sehr kurz, also gut aufpassen!!!). Jackman beweist, dass er als Wolverine nach wie vor super ist und dass er einfach die anderen X-Men braucht. Fassbender und McAvoy erweisen sich als würdige Nachfolger/ Vorgänger zu Patrick Stewart und Ian McKellen. Ein kleines bisschen zu kurz gekommen ist mir tatsächlich Peter Dinklage… aber der wird ja wahrscheinlich wegen „Game of Thrones“ einfach nicht so viel Zeit gehabt haben…

„X-Men: Days of Future Past“ macht bis zu einem gewissen Punkt (so knapp die Hälfte des Films) richtig, richtig viel Spaß, kann das Niveau dann aber nicht so halten. Trotzdem ist es ein unterhaltsamer Film geworden, der allein auch schon wegen der zahlreichen Gastauftritte und Zitate aus den anderen Filmen sehenswert ist.

Wertung: 7 von 10 Punkten (dann hoffen wir mal auf „X-Men: Apocalypse“ als großen X-Men-Knaller)

15 Kommentare leave one →
  1. 26. Mai 2014 07:23

    Vielleicht wäre es als TV-Serie einfacher, denn eine Folge mit einer weitgehenden Solo-Vorstellung zu füllen, halte ich für wesentlich einfacher als einen ganzen Kinofilm, der Millionnen Produktionskosten wieder einspielen muss. Ein Beweis ist „Stargate: SG-1“, dort gibt es durchaus einzelne Folgen die von einzelnen Teammitgliedern dominiert werden.
    Ob ich mir Days of Future Past anschauen werde, weiß ich nicht, aber vermutlich eher nicht im Kino.

    • donpozuelo permalink*
      27. Mai 2014 11:02

      Gut, TV-Serien bieten bei solchen Stoffen natürlich immer sehr viel bessere Möglichkeiten, die Geschichte zu erzählen… da kann man dann noch sehr viel mehr draus machen. „Days of Future Past“ wäre sicherlich auch eine interessante Serie, funktioniert aber auch so eigentlich ganz gut. Es ist unterhaltsam 😀

  2. 26. Mai 2014 10:31

    Huch, das kann ich jetzt nicht nachvollziehen – mir machte der Film total viel Spass. Hatte null Probleme. Und das will bei mir was heissen.

    • donpozuelo permalink*
      27. Mai 2014 11:03

      Spaß gemacht hat er mir auch, nur in der zweiten Hälfte war für mich ein bisschen die Luft raus. Aber wie gesagt, ich habe wahrscheinlich wieder zu viel erwartet.

  3. olivesunshine91 permalink
    26. Mai 2014 13:04

    Mh, schon interessant, wie unterschiedlich Zuschauer einen Film sehen – ich kann meinem Vorkommentator nur zustimmen: Ich war absolut begeistert davon!

    • donpozuelo permalink*
      27. Mai 2014 11:03

      So ist das halt mit den Filmen… 😀 Alles andere wäre ja aber auch langweilig.

      • olivesunshine91 permalink
        27. Mai 2014 23:23

        Stimmt auch wieder 🙂 Ich finde es auch gerade deshalb so spannend, weil gerade scheinbar mehrere Blogger den Film gesehen haben und jeder eine andere Meinung dazu hat!

  4. 26. Mai 2014 22:05

    Hm, nein ich lasse mir meine Vorfreude jetzt nicht dämpfen…nein, nein :))

    • donpozuelo permalink*
      27. Mai 2014 11:04

      Ich hatte da auch nie vor, die Vorfreude zu dämpfen. Ich sage ja auch nicht, dass der Film schlecht ist. Im Gegenteil, er ist unterhaltsam und gut gemacht… schwächelt dann meiner Meinung nach aber ein bisschen am Ende. Trotzdem ist es tolles Comic-Kino!!!

  5. 28. Mai 2014 01:24

    Wolverine an sich ist in der Comicwelt aber ja auch mal „allein“ unterwegs. Hab den zweiten jetzt noch nicht gesehen, aber den ersten Film mit ihm fand ich besser als die X-Men Filme.

    • donpozuelo permalink*
      30. Mai 2014 08:29

      Ja, aber Wolverine in der Comic-Welt hat allein gut funktioniert, in den Filmen aber leider nie. Denn da wollten sie immer zu sehr diese psychologische Schiene fahren, anstatt den Haudrauf einfach nur Haudrauf sein zu lassen.

  6. 29. Mai 2014 13:37

    „Tragisch, weil der Gute einfach viel zu schnell wieder verschwunden ist.“ Kein Wunder, bei seiner Geschwindigkeit. 😉 Das sah ich ganz genau so. Dennoch bin ich verwundert, dass dir der Film nicht besser gefiel. Und dass die Luft ab der 2. Hälfte raus ist, kann ich mal ganz und gar nicht bestätigen. Nein nein. 😉

    • donpozuelo permalink*
      30. Mai 2014 08:30

      Okay, okay… dann halt nicht 😀

      Aber Quicksilver war echt cool…

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