Skip to content

König der Monster

19. Mai 2014

Wenn ich mir einen Monster-Film anschaue, dann erwarte ich normalerweise nicht sonderlich viel. Ich bin schließlich mit jeder Menge Monster-Filmen aufgewachsen. „Godzilla“ war für mich schon als kleiner Junge großes Kino. Monster-Film heißt für Zerstörung, Zerstörung, Zerstörung. Eine Handlung ist dabei eigentlich Nebensache. Doch dann kam irgendwann Gareth Edwards und drehte mit „Monsters“ einen Monster-Film, der eigentlich gar keiner war. Stattdessen gab’s nur Andeutungen und im Hintergrund agierende Monster, während im Vordergrund eine bewegende und spannende Geschichte stand. „Monsters“ war ein Hit und deswegen hat es wohl auch niemanden verwundert, dass ausgerechnet Edwards den Zuschlag bekam, den König der Monster Godzilla wieder aus der Versenkung hervorzuholen. Schließlich versprach ein Edwards Monster und Inhalt… woah…

Doch genau da wird es schwierig, denn selten ist in einem Monster-Film wirklich Platz für beides. Und das spürt man leider auch viel zu sehr an Edwards „Godzilla“. Der versucht sich sehr stark auf seine Geschichte zu konzentrieren: Erst ist es eine zwischen Vater (Bryan Cranston) und Sohn (Aaron „Kick-Ass“ Taylor-Johnson). Später dann eine zwischen Ehemann und Ehefrau (Elizabeth Olsen)… und irgendwie mittendrin gibt’s dann noch die Monster.

So von der Seite betrachtet, wirkt Godzi doch ein bisschen pummeliger als sonst…

Und so nebenbei, wie ich die hier erwähne, bleiben sie dann auch im Film. Denn, wenn man mal ganz ehrlich ist, gibt es viel zu wenig Godzilla in einem Film, der „Godzilla“ heißt. Über eine Stunde lang sehen wir so gut wie nichts von dem König und Städte-Zerstörer… stattdessen kriegen wir andere blöde Viecher zu Gesicht, die dann auch noch mit einer selten dämlichen Hintergrund-Story versehen werden. Ich meine, versteht mich nicht falsch, ich erwarte bei einem Monster-Film nur dämliches Zeug. Solange es Spaß macht, bin ich voll dabei… siehe „Pacific Rim“. Aber Edwards verpasst uns eine doofe Hintergrund-Story, die so an den Haaren herbeigezogen und albern erscheint, dass ich sie einfach nicht „ernst“ nehmen konnte.

Das Schlimmste aber war, dass mich Edwards auch nie wirklich von der ganzen doofen Story mit ordentlich Action ablenkt. Immer dann, wenn es mal ordentlich zur Sache geht, werden wir mit einem Cut bestraft und befinden uns wieder irgendwo anders. Richtige Monster-Action bekommt man erst am Ende zu sehen. Der Kampf ist dann aber wenigstens auch sehenswert und man fragt sich, warum man nicht schon früher mehr davon zu sehen bekommen hat.

Aber vorher muss man sich da ja noch diese „menschliche“ Geschichte antun. Der Teil mit Bryan Cranston ist noch super, weil Cranston einfach großartig ist. Aber Aaron Taylor-Johnson und Elizabeth Olsen sind eine komplette Fehlbesetzung… zumal die beiden auch nicht wirklich glaubhaft ein Ehepaar spielen können, dass bereits einen fünfjährigen Sohn groß zieht. Johnson rennt dann mit immer dem gleichen Gesichtsausdruck durchs Getümmel, während man Olsen nur so hin und wieder mal zu sehen kriegt.

Hier merkt man, dass sich Edwards zu sehr in seiner „Human-Story“ verliert. Er will uns zu viele Emotionen und dramatische Geschichten erzählen, nur sind die leider nur halb so gut, wie das, was er in „Monsters“ gemacht hat. Und während er noch versucht, dass alles am Laufen zu halten, muss er da ja auch noch irgendwie die Monster mit reinbringen. Das alles kann „Godzilla“ nicht ordentlich balancieren und kippt zu Gunsten einer überflüssig langen und langweiligen Geschichte um Aaron Taylor-Johnson, der versucht, zu seiner Frau zu kommen und nebenbei die Welt zu retten.

Vieles liegt auch an den großen Erwartungen… und ganz ehrlich: Es ärgert mich mittlerweile sehr viel mehr, dass schon im Vorfeld klar war, dass es mehr Monster geben wird als nur Godzilla. Denn allein die „Theorien“, welche alten Gegner auftauchen könnten, haben die Erwartungen noch viel höher geschraubt. Cooler wäre es doch gewesen, man hätte uns darüber im Dunkeln gelassen, bis man es tatsächlich sieht. Naja… Wunschdenken muss ja auch noch sein.

Da kann man nur hoffen, dass der zweite Teil irgendwie mehr zu bieten hat. Denn so war mir Edwards „Godzilla“ mit echt zu viel Story versehen… unglaublich, dass ich sowas mal schreiben würde. Zu viel Story 😉 Mehr Godzilla wäre auf jeden Fall sehr, sehr wünschenswert gewesen.

Wertung: 5 von 10 Punkten (2,5 gehen an Bryan Cranston, der einfach nur großartig ist und 2,5 gehen an den letzten Fight, denn so habe ich mir das vorgestellt)

Advertisements
14 Kommentare leave one →
  1. 19. Mai 2014 08:33

    Wir sind uns einig, sehr schön. 🙂
    Die Idee, einen Film wie „Godzilla“ mit einer menschlich interessanten Story anzueichern, finde ich persönlich hervorragend, aber mir ging es im Endeffekt wie dir: Wie soll man sich mit solch unfassbar uninteressanten Figuren wie Ford und seiner Frau identifizieren, die wie Leerstellen in der Gegend herumstehen und zu schreien scheinen: „Seht her, ich bin ein Mensch mit Familie, das sollte als Identifikationspotential doch reichen!“ Nun gut. Bryan Cranston fand ich allerdings auch großartig, er hat es geschafft, mich mit jeder Regung emotional zu involvieren. So sind die ersten 40 Minuten des Films eine schöne Mischung aus Cranston und diversen Filmzitaten, danach fällt alles ab.
    Rhetorische Frage zum Schluss Was wäre „Godzilla“ wohl für ein Film geworden, wenn man den Trailern hätte Glauben schenken können? 😉

    • donpozuelo permalink*
      19. Mai 2014 09:32

      Da sind wir uns sehr einig. Cranston war wirklich super, der Rest eher mau. Und ja, die Antwort auf deine rethorische Frage zum Schluss wäre ein toller Godzilla-Film geworden 😀

  2. luzifel permalink
    19. Mai 2014 17:59

    Hail to the King! Ich mochte den Film sehr gern. Er war witzig und die völlig an den Haaren herbei gezogenen Erklärungen für die Existenz der Monster wurden mit viel Gelächter kommentiert.

    Ich mochte auch das anfangs nur Andeutungen zum König aller Monster in Form von Bildern dabei waren. Später kam er dann mal ins Bild und das Ende des Kampfes gegen die Mücke wurde gekappt. Das war der Moment wo ich zunehmend gespannt war. Dann der Auftritt in San Francisco und die sich schließende Tür. Meine Spannung steigerte sich da noch mehr.

    Und dann knallen alle 3 Viecher aufeinander und beginnt so richtig zu scheppern. Da hab ich sehr gejubelt und mich gefreut. Also die Verzögerung hat zumindest für mich gut funktioniert und auch Spaß gemacht.

    Die PlotLücken in denen man noch viele weitere Atombomben hätte parken können und die völlige Dummheit des Militär war auch sehr dem Genre angemessen.

    Ich hatte also richtig viel Spaß und hoffe auf eine Fortsetzung mit mehr Godzilla und Monstermoschen..

    • donpozuelo permalink*
      20. Mai 2014 09:04

      Dem Genre angemessen war vieles, nur ich glaube einfach, ich habe durch Trailer und Co. etwas erwartet, was für einen Monster-Film untypisch gewesen wäre und was Edwards ja mit seiner eigenen Variante „Monsters“ bewiesen hat: Dass ein Monster-Film auch mit Story gut funktionieren kann. Nur leider war die Story hier doch schon sehr unterirdisch und arg an den Haaren herbeigezogen. Wenn sie wenigstens offensichtlich auf trashig gemacht worden wäre, dann hätte ich auch alles andere gut verkraftet. Aber der Film nimmt sich selbst so ernst, dass ich ihn nicht ernst nehmen konnte.

  3. 19. Mai 2014 20:29

    Da will ich dann zum ersten Mal 2014 wieder ins Kino – und dann solche Kritiken. Nee, nee, der muss einfach gut werden! 😀

    • donpozuelo permalink*
      20. Mai 2014 09:05

      Die Kritiken zu „Godzilla“ sind ja schon recht unterschiedlich… das geht ja wirklich von total super bis zu total beschissen. Ich bin da ja noch irgendwo in der Mitte. Von daher solltest du dir den einfach angucken… ich meine, es ist Godzilla. Da überlegt man nicht lange 😀

  4. 19. Mai 2014 22:42

    Mich störte vorallem, dass Godzilla ein Guter war. Er war der Batman der Monster, „not the hero they deserve, but the one they need“, blah, blah, blah. Hallo? Das ist ein Monsterviech, das Städte zertrümmert, ich will ihn gefälligst auch als gemeines Monsterviech sehen. Das Städtezertrümmern überliess er ja vorallem dem Ehepaar mit den doofen Visagen. Und ich meine nicht Taylor-Johnson/Olsen. Ich hoffe, die legen für Avengers 2 einen Zacken zu, hier gefielen mir die nicht.

    Im IMAX war der ganze Spass aber wunderbar anzusehen. Optisch und soundtechnisch eine Wucht. Als die MUTO-Motte sich aufs Schiff stürzte, segelte eine kleine Mücke in an meinem Hals herab, was mich aufspringen liess, wie ein… ein… etwas was aufspringt. Meine Freundin hat sich da ein bisschen gewundert, glaube ich.

    Und eben – von mir gibt’s auch die 5. Weil eigentlich wärs nicht schlecht, aber sehr ungeschickt umgesetzt.

    • donpozuelo permalink*
      20. Mai 2014 09:08

      Nun gut, dass Godzilla ein Guter war fand ich jetzt nicht so dramatisch. Das haben sie schließlich auch in früheren Filmen schon so gehandhabt. Allerdings hätte ich es bei diesem Reboot (darf man das so nennen?) auch cooler gefunden, wenn Godzilla der eigentliche Bösewicht gewesen wäre. Optisch war das schon toll, leider habe ich nur „normales 3D“ gehabt… und musste deswegen nirgends aufspringen wie ein kleines… äh, naja, wie etwas, was aufspringt 😉

      Bei Olsen und Taylor-Johnson hoffe ich einfach mal, dass die Bruder-Schwester-Geschichte in „Avengers“ sehr viel glaubwürdiger wird, als die Ehepaar-Sache mit Kind. Das war einfach zu viel.

Trackbacks

  1. Hammer-Girl & Baseball-Bat-Man | Going To The Movies
  2. 2014 | Going To The Movies
  3. Dino-Dompteur | Going To The Movies
  4. Eins mit der Macht | Going To The Movies
  5. König Kong | Going To The Movies
  6. Dr. Jekyll und Mr. Fury | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: