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Los Pollos Hermanos

9. Mai 2014

Wenn sich Serienmacher wohl fühlen, weil die Fans ihre Serie abgöttisch feiern und lieben, dann trauen die sich auch mal was. Bestreiten etwas ungewöhnlichere Wege, verlassen die Komfortzone der Serie und wagen interessante Experimente. Ganz beliebt waren früher immer Musical-Folgen – die gab’s bei Buffy, Scrubs oder Akte X. Es gab auch themenbezogene Folgen oder vielleicht auch mal Cartoon-Folgen (wie zum Beispiel bei „Fringe“). Aber solche Sachen gehen halt nur, wenn es gerade so richtig gut läuft.

Für die Macher von „Breaking Bad“ dürfte nach den ersten beiden Staffeln auch klar gewesen sein: „Das Ding läuft! Da probieren wir mal andere Sachen aus.“ Doch statt einer „Breaking Bad“-Musical-Folge (die ich nur zu gerne gesehen hätte 😉 ), gab’s was ganz anderes. In der Folge „Fly“ dürfen wir dabei zusehen, wie Walt (Bryan Cranston) und Jesse (Aaron Paul) in ihrem neuen Super-Labor eine Fliege jagen. 45 Minuten, zwei Männer, eine Fliege. Mehr passiert da eigentlich nicht… es war zwar irgendwie nett, aber am Ende war ich mehr als einmal dazu geneigt, vorzuspulen. Denn diese Folge fühlte sich wie ein schnell gemachter Platzhalter an. Es war weder wirklich sinnvoll für die Staffel an sich (außer vielleicht, dass es die Ruhe vor dem Sturm war) und die Charaktere hat es auch nicht sonderlich vorangebracht. Somit ist „Fly“ für mich nicht nur die schnarchigste „Breaking Bad“-Folge, sondern auch eine der schnarchigsten Folgen aller Zeiten (bezogen auf alle Serien, die ich bis jetzt gesehen habe).

Allerdings ist „Fly“ ja auch erst die zehnte Folge, darauf folgt ein Finale, dass es in sich hat und einen mit viel „Vorfreude“ auf die vierte Staffel hoffen lässt. Und davor kommen die Folgen der dritten Staffel, die zwar nett sind, aber dem Standard der vorherigen Staffeln nicht so richtig gerecht wird.

Es fängt herrlich skurril damit an, dass zwei Typen mit vielen anderen Menschen auf allen vieren durch ein mexikanisches Dorf krabbeln und anschließend vor einer Statue das Bildnis von Heisenberg ablegen. Diese beiden wollen den Tod von Tuco (Walts und Jesses Boss, der in der zweiten Staffel von Hank gekillt wird) rächen. Das sind zwei sehr, sehr schweigsame Typen, die scheinbar alles gemeinsam machen. Anfangs ist das irgendwie ganz nett, später eher langweilig.

Interessanter wird’s da schon mit dem neuen Boss Gustavo Fring (Giancarlo Esposito), der Jesse und Walt ein neues Superlabor verschafft, in dem ordentlich Meth produziert werden darf. Gleichzeitig geht damit aber auch so ein bisschen dieser nette Wohnmobil-Charme verloren. Meth kochen war noch nie so leicht wie in Staffel 3!!! Dafür werden die Probleme, die nicht unbedingt mit dem Kochen zu tun haben, größer.

I’m really sorry, Sir, but we’re out of the Jesse-Pinkman-Bobbleheads!

„Breaking Bad“ fährt hier mehrgleisig, um möglichst parallel zueinander die „Schicksale“ der verschiedensten Charaktere darzustellen. Jesse trauert immer noch und versucht sein eigenes Ding durchzuziehen, Walts Schwager Hank kommt dem Mythos Heisenberg mehr und mehr auf die Spur und Walt kämpft nach wie vor mit seiner durchgeknallten Frau Skyler, die es auch in der dritten Staffel nicht verpasst, mir tierisch auf die Eier zu gehen.

Ich weiß gar nicht so recht, wie ich es ausdrücken soll, aber „Fly“ steht für mich ein bisschen stellvertretend für die gesamte dritte Staffel und einmal mehr hinterfragte ich den großen Hype hinter dieser Serie. Die dritte Staffel ist nett, an einigen Stellen auch spannend, aber an vielen Stellen war’s mir auch einfach zu dröge, zu langsam, zu unspektakulär. Trotzdem fand ich es auch toll, wie die Macher verschiedene Stränge (auch aus den vorherigen Staffeln) hier wieder zusammen führen, aber trotzdem tat ich mich mit dieser Staffel irgendwie schwer.

Dabei gab es grandiose und bemerkenswerte Momente – die endgültige Zerstörung des Wohnmobils, das neue Labor, der Angriff auf Hank – doch irgendwie ist halt ein bisschen Ruhe eingekehrt in „Breaking Bad“. Ich sage es jetzt einfach mal: Es wurde mir ein bisschen eintönig. Keine Figur entwickelt sich wirklich stark weiter. Es gibt einfach einen neuen „Bösen“, aber mehr nicht. Immerhin ist mit Giancarlo Esposito jemand Neues an Bord, der einfach nur grandios ist. Dieser Typ ist so unheimlich, selbst wenn er gar nichts macht… großartig gespielt, wirklich großartig. Ein würdiger „Gegenspieler“ für Cranston.

Aber immerhin scheuchen uns die Macher aus dieser Schlafphase mit einem grandiosen Finale, nach dem man definitiv wieder wach und bereit ist… und die Fliegen sind nach dem Knall garantiert auch alle verschwunden.

Wertung: 7 von 10 Punkten (die Großküche des Meth gerät zu sehr zur Routine)

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20 Kommentare leave one →
  1. 9. Mai 2014 09:51

    Fand die Fly-Episode absolut großartig, weil sie anhand eben dieser Fliege einfach mal großartig beleuchtet, was für verschiedene Typen Walt und Jesse eigentlich sind. Außerdem schwebte die ganze Zeit der Gedanke in der Luft, das Walt jeden Moment mit der Wahrheit über Janes Tod rausrücken könnte.
    Jedenfalls interessant, dass du ausgerechnet die dritte Staffel am niedrigsten bewertest, mit der für viele – mich eingeschlossen – Breaking Bad eigentlich erst so richtig startet.

    • donpozuelo permalink*
      9. Mai 2014 10:31

      Zum Ende hin fand ich die Folge auch ein bisschen spannend – gerade dieser Moment, ob nun die Wahrheit ans Licht kommt, hatte schon was. Aber so auf 45 Minuten verteilt hat mich das echt sehr genervt.
      Staffel 3 und ich sind irgendwie nicht so richtig Freunde geworden… und ich kann nicht einmal so richtig sagen, woran es lag. Es gab tolle Momente, aber vieles war mir auch einfach ein bisschen zu langsam… keine Ahnung…

      • 9. Mai 2014 11:29

        Breaking Bad lässt sich aber ja von Anfang an viel Zeit mit der Erzählweise. Gerade das macht für mich diese Serie aus. Die Charaktere haben richtig Zeit sich zu entwickeln, aber wenn es dann mal knallt, dann richtig. Wie gefiel dir denn die One Minute Folge? Die halte ich ja für die Zweitbeste der ganzen Serie.

        • donpozuelo permalink*
          9. Mai 2014 12:33

          Das hat man ja schon von Anfang an gemerkt, nur hatte ich hier halt das Gefühl, dass es mich langsam so ein bisschen stört. Denn nach zwei Staffeln kann ruhig auch ein bisschen mehr passieren… 😉

          Die „One Minute“-Folge fand ich super!!!

        • 9. Mai 2014 20:38

          Sind wir uns da ja wenigstens einig.

    • 15. Mai 2014 13:32

      Ohne viele Worte kann ich mich eigentlich nur filmschrott anschließen. Im Gegensatz zu dir fand ich „Fly“ die beste Folge der gesamten Serie, wenn nicht sogar die beste Folge in der Geschichte aller Serien. Sie war einfach perfekt. Und ich fand sie sogar unheimlich spannend!!“ 😀 Lustig, wie unterschiedlich sie wahrgenommen wird.

      Ich habe das damals ja auch ausführlich beschrieben. 😉 http://ergothek.com/2014/01/09/breaking-bad-staffel-3/

      • donpozuelo permalink*
        15. Mai 2014 14:25

        Ja, ja… so ist das mit der Wahrnehmung 😀 Mich kannst du mit der Folge zum größten Teil echt jagen 😀

        • 15. Mai 2014 14:27

          vielleicht sieht du sie dir ja einfach nochmal an. 😉

        • donpozuelo permalink*
          15. Mai 2014 15:03

          Eher schwierig 😉 Ich glaube, bevor ich mir das noch einmal anschaue, gucke ich erst einmal noch ein paar andere Sachen. Vielleicht irgendwann mal… mein Problem ist halt nur, dass mir „Breaking Bad“ nicht als „Wiederholungsserie“ im Gedächtnis bleiben wird.

        • 15. Mai 2014 15:51

          Stimmt. Ich muss so schnell auch nicht wieder … 😉

  2. 9. Mai 2014 18:46

    Die Folge mit der Fliege war das mit Abstand langweiligste, was ich je gesehen habe. Mein Gott, da hätte ich fast komplett mit der Serie aufgehört, so hat mich das genervt! 😀 Staffel 3 fand ich auch sehr mäßig (bis auf das Finale), das einzig Gute ist tatsächlich Gustavo Fring, den ich besonders in Staffel 4 viel spannender fand als Walter und Jesse…irgendwie bezeichnend.
    Nach wie vor kann ich fast alles unterschreiben, was du zu BB erörterst – der Hype ist mir ein Rätsel.

    • donpozuelo permalink*
      12. Mai 2014 09:15

      😀 Danke fürs Verständnis… ich dachte ja schon ein bisschen, ich würde ganz allein da stehen. Gustavo Fring hat schon vieles gerettet für mich… das stimmt. Eine sehr interessante Figur, die mir – wenn ich ganz ehrlich sein soll – wohl am längsten von allen in Erinnerung bleiben wird.

  3. 9. Mai 2014 21:39

    Ich fand die dritte Staffel durchaus stark. Die vierte und fünfte aber noch besser. Dennoch ist es mir auch ein Rätsel, warum gerade die Serie so gehyped wurde, gibt es meiner Meinung nach doch etliche gleichwertige oder sogar teils bessere.

    • donpozuelo permalink*
      12. Mai 2014 09:17

      Danke. Was mich auch so extrem irritiert hat, war der Aufdruck auf der DVD-Box, die mir mein Bruder geliehen hatte: „die beste Serie aller Zeiten“. Klar für einige sicherlich, aber ich finde auch, dass es besseres gibt.

  4. kulii permalink
    10. Mai 2014 12:25

    Ja die Folge Fly polarisiert die Fans schon sehr. Die einen finde sie großartig, die anderen eher öde.
    Mir hat sie sehr gefallen, weil sie trotz der recht eintönigen Handlung doch irgendwie meine Aufmerksamkeit erregt hat. Und ich finde Szenarien, die nur in einer und der selbe Kulisse statt finden sowieso immer ziemlich interessant (Breakfast Club, Die 12 Geschworenen, der Gott des Gemetzels, etc.).
    Dass das Kochen jetzt immer mehr zur Routine wird merkt man schon, aber da dieser Prozess des Kochens jetzt schon in den Staffeln davor genug durchgekaut wurde, finde ich es gar nicht schlecht dass die Macher sich hier ein bisschen davon distanzieren und sich auf andere Schwerpunkte konzentrieren, wie z. B, die Charaktertiefe (hier haben mir Hank und auch Jesse sehr gut gefallen)
    Beim Finale muss ich dir voll und ganz zustimmen, dass war mit das Beste was ich in der ganzen Serie gesehen habe.

    • donpozuelo permalink*
      12. Mai 2014 09:21

      Dass die Folge Fly polarisiert, war mir sofort klar, nachdem ich mich da durchgequält hatte 😉 Die Filme, die du nennst, mag ich auch alle sehr und ich mag auch Szenarien, in ein und derselben Kulisse, aber hier… hat’s mich halt echt irgendwie gelangweilt. Naja… Man kann ja auch nicht alles mögen 😀

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