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Deus ex machina

5. Mai 2014

Manchmal würde ich mich gerne wie ein Einsiedler irgendwo im Wald verkriechen – bloß ich, eine kleine Holzhütte und die Natur. Sonst nichts weiter, kein Telefon, kein Internet, kein gar nichts. Technik gleich Null, back to the roots. Problem dabei ist nur, dass ich wahrscheinlich schon am ersten Tag nichts zu fressen finden würde und nach drei Tagen halb verdurstet in meiner Hütte hänge und mir vorstelle, wie es wäre, wieder richtig zu Hause zu sein. Man merke also: Ich bin kein Naturbursche, aber der Technik würde ich hin und wieder schon gerne mal den Rücken zu kehren.

So denken auch die Kollegen von „R.I.F.T“ – eine kleine Terrorgruppe, die sich gegen die immer stärker werdende Abhängigkeit vom Mensch zur Technik wehren will. In „Transcendence“ verüben sie deswegen einen folgenschweren Anschlag auf den Wissenschaftler Will Caster (Johnny Depp). Folgenschwer deswegen, weil Caster von seiner Frau Evelyn (Rebecca Hall) auf einen Computer hochgeladen. Noch folgenschwerer wird es, als Will sich ins Netz laden lässt und von nun an immer mächtiger und mächtiger wird… bis er zu einer Bedrohung für die Menschen wird (oder ein Evolutionsantrieb – je nachdem, wie man es sehen mag).

Computer-Johnny… bald auch für Android

„Transcendence“ hat einen großen Pluspunkt: Die Story rund um künstliche Intelligenz, um die Frage, ob sich das menschliche Bewusstsein in eine Maschine laden lässt, ist schon ziemlich spannend. Spannend vor allem deswegen, weil es halt nur zum Teil fiktive Spinnerei ist. KIs, Nano-Roboter und sonstiges ist heute aber schon lange kein reines Sci-Fi-Geschwätz mehr, sondern echte Wissenschaft. Und hier hat „Transcendence“ eigentlich die besten Voraussetzungen, eine wirklich spannende Geschichte erzählen zu können.

Leider, und jetzt kommen die vielen tausende Minus-Punkte des Films, gelingt hier wirklich gar nichts. Aus einer gute Idee wird amateurhaftes Hollywood-Kino, bei dem sehr deutlich wird, warum Christopher Nolan als Executive Producer seinen Namen schön im Hintergrund behält (da will sich ja schließlich auch niemand die PR für „Interstellar“ versauen).

Wally Pfister ist eigentlich Stammkameramann von Nolan und wäre es mal lieber auch geblieben. Denn der Mann mag vielleicht „The Dark Knight“ oder „Inception“ zu tollen Bildern verholfen haben, aber tolle Bilder allein (oder auch eine gute Idee) machen noch lange keinen guten Film. Dass Pfister nicht das Zeug zum Regie-Führen hat, merkt man schon von Minute eins an: Allein die Tatsache, dass er uns gleich zu Beginn einen Blick darauf gibt, wie der ganze Film endet, nimmt in diesem Fall die komplette Spannung. Blöd gelaufen, Wally.

Dazu kommt, dass Pfister keinen richtigen Erzählfluss zustande bringt. Jede Szene dauert bei ihm etwa zwei Minuten. Es dürfen maximal drei, vier Sätze pro Person gesprochen werden, dann folgt sofort der Cut und wir befinden uns wieder woanders. Somit wirkt „Transcendence“ wild zusammengewürfelt – ohne das dabei den Charakteren oder der Story die Zeit gegeben wird, sich zu entfalten. Blöd gelaufen, Wally.

Allerdings hätte man bei „Transcendence“ ja wenigstens noch auf die Darsteller hoffen können: Johnny Depp, Rebecca Hall, Cillian Murphy, Paul Bettany, Kate Mara oder Morgan Freeman – große Namen, die eigentlich dafür bekannt sind, dass sie schauspielern können. Zumindest, wenn ihnen jemand die richtigen Anweisungen gibt. Leider kann Pfister das scheinbar nicht. Egal wer, in diesem Film wirken sie alle wie Anfänger, wie Amateure… aber wie sollen sie sich auch entfalten, wenn sie nichts aufbauen dürfen??? Kurz quatschen und weiter… das ist wirklich blöd gelaufen, Wally.

„Transcendence“ hätte ein guter Film werden können, er hat alle Voraussetzungen dafür. Nur Wally Pfister kriegt es einfach nicht hin, all die Zutaten zusammen in einen Topf zu werfen und was Tolles draus zu machen. Und so langweilt man sich zwei Stunden, weint wegen der vielen vertanen Möglichkeiten und wünscht sich in eine Hütte irgendwo im Wald… weit weg von diesem Film…

Wertung: 2 von 10 Punkten (die Idee ist interessant, die Besetzung klingt auf dem Papier toll, aber was man geboten kriegt, ist amateurhaft zusammengeklatscht und langweilig)

8 Kommentare leave one →
  1. 5. Mai 2014 12:45

    Das machst Du mit Absicht. Da freue ich mich mal auf einen Film und dann machst Du ihn zur Minna :-)) Maaan.

    • donpozuelo permalink*
      5. Mai 2014 13:08

      😀 Sorry, keine Absicht!!! Ehrlich!!! Versprochen!!! Der Film ist wirklich einfach nur mies. Tolle Idee, aber mies umgesetzt.

  2. 5. Mai 2014 14:21

    Oh je … der ist ja sehr schlecht bei dir weggekommen.

    • donpozuelo permalink*
      5. Mai 2014 14:46

      Oops… 😀 ging bei mir leider nicht anders. Ich fand den einfach nur unglaublich schlecht und so amateurhaft. Schade, dass diese ganzen tollen Ideen und die Darsteller alle nicht so richtig genutzt wurden, um was wirklich spannendes zu erzählen. Und wie gesagt, in diesem Fall fand ich es halt auch echt unnötig, dass sie schon zu Beginn verraten, wie der Film endet. Das hat nichts für die Spannung getan und war komplett überflüssig.

  3. 7. Mai 2014 14:29

    In vielen Punkten hast du Recht – vieles läuft nicht optimal und das mit dem Ende am Anfang war ein doofer Einfall. Doch ich finde, der Film schneidet ein spannendes Thema an, das ja schon in Her behandelt wurde (und sicher auch in Avengers 2 in den Fokus rückt). Und dabei wirft er interessante Fragen auf und ist überraschend kritisch – auf beide Seiten. Optisch ist er auch schick, trotz der vielen Wassertropfenshots. Sicher kein Meisterwerk, aber ein solider Einstand für einen Regisseur. Macht sich besser im Portfolio als ein Snow White and the Huntsman o.ä. Ich bin jedenfalls gespannt, was da noch folgt…

    • donpozuelo permalink*
      7. Mai 2014 19:00

      😀 Sorry, dann doch lieber „Snow White…“ 😀 😀 😀

      Die Ideen des Films waren toll, das will ich auch wirklich nicht abstreiten. Da war vieles, was zum Nachdenken anregt… aber daraus wird ja noch keine flüssige und spannende Geschichte. Und das hat Pfister meiner Meinung nach einfach nicht hinbekommen. Aber gut, das kann ja alles noch werden. War ja jetzt schließlich auch sein Erstling. Nur bei der Besetzung sind die Erwartungen hoch… und ich fand, dass keiner von den Darstellern wirklich überzeugen konnte, was aber mehr am Drehbuch und der Regie liegt.

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