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Snow White and No Huntsman

28. April 2014

2012 wurde es mit den Schneewittchen-Filmen gleich doppelt märchenhaft. Allerdings habe ich damals nur einen Film davon gesehen… und zwar „Snow White & the Huntsman“. Einfach weil es „Thor“ als Huntsman gab und das Ganze irgendwie cooler aussah, weniger Disney-mäßig und dann waren da ja immer noch die Trailer-Bilder von einer Charlize Theron, die aus einem Milchbad auftauchte – alles schrie förmlich danach, dass dieser Film gut sein muss (naja, bis auf die Tatsache, dass Kristen „Dead Face“ Stewart die Hauptrolle spielte).

An die Tarsem Singh-Verfilmung „Mirror Mirror“ hatte ich vor allem deswegen nicht getraut, weil Singh mich einfach zu schwer enttäuscht hatte. „The Fall“ zählt immer noch zu meinen absoluten Lieblingsfilmen und ich schwatzte den auch jedem auf, der nicht danach gefragt hat. Aber danach versuchte sich Singh mit „Krieg der Götter“ und landete einen riesigen Flop, der auch nur an ein paar Stellen wirklich cool aussah. Dementsprechend hatte ich Angst… vollkommen unbegründet, wie sich jetzt herausstellte:

Tarsems „Mirror Mirror“ ist eine wunderbare und vor allem witzige Story – wirklich nichts im Vergleich zu dem ernsten und düsteren Ton von „Snow White & The Huntsman“. Es gibt in „Mirror Mirror“ sogar ein paar Stellen, bei denen ich halb erwartet hatte, dass die Darsteller mit dem Singen anfangen würden. Aber das bleibt uns zum Glück erspart.

Ansonsten ist „Mirror Mirror“ aber wirklich viel sehenswerter und sehr viel sympathischer als das Möchtegern-Schauermärchen mit Bella. Das hat mehrere Gründe: Zuallerst nimmt sich Tarsem nicht wirklich all zu ernst. Da dürfen Diener auch mal in Kakerlaken verwandelt werden, da darf ein Armie Hammer einen leicht duseligen Prinz spielen, der irgendwann mit dem Hundeliebeszauber zum Stöckchen-Fanatiker wird und da gibt’s Zwerge, die auf Stelzen laufen, um als Riesen zu Banditen zu werden. „Mirror Mirror“ will seine Lacher und die bekommt er auch, es ist zwar vielleicht manchmal auch etwas Kleinkind-Humor dabei, aber was soll’s?

No apple today keeps death away.

Immerhin hatte Tarsem Singh vernünftige, „echte“ Zwerge. Ja, ich habe sie Zwerge genannt, aber bei Schneewittchen darf man das vielleicht gerade noch so sagen. Überhaupt fand ich die Darsteller durchaus passend besetzt.

Lily Collins fand ich ja als Schneewittchen sehr bezaubernd. Das muss ich jetzt einfach mal so sagen. Sie verstrahlt da genau den Charme, den ich von so einem Schneewittchen er erwarte – irgendwie unschuldig und süß, ein bisschen naiv, aber trotzdem nicht blöd. Collins erledigt den Job ziemlich gut. Noch besser fand ich da nur Julia Roberts, die in meinen Augen in der Rolle der bösen Königin richtig aufgegangen ist. Da hätte ich fast noch viel mehr von sehen wollen, aber man muss ja auch immer die Story im Hinterkopf behalten – und in der dreht sich ja alles um eine andere Person. Auf jeden Fall ist Roberts herrlich süffisant, ironisch und selbstverliebt – eine tolle Königin! „Lone Ranger“ Armie Hammer spielt einen Prinzen, den man von mir aus gerne nicht ganz so bescheuert hätte machen müssen, aber im Endeffekt zeigt auch sein Tölpel von Prinz nur, dass „Mirror Mirror“ wirklich nicht zu ernst genommen werden sollte. Was sich dann am Ende auch in den wunderbaren Darstellern für die Zwerge zeigt – einfach nur witzig und unterhaltsam!

Wo Tarsem Singh dann auch wieder extrem gut punkten kann, ist beim Visuellen: Obwohl sich das dieses Mal weniger auf die Kulissen, sondern vielmehr auf die Kostüme bezieht – die dann auch zurecht mit einer Oscar-Nominierung belohnt wurden. Überhaupt passt Singhs leicht überbordender Stil ganz gut zum Film, auch wenn sich das im Endeffekt nur auf das Schloss der Königin beschränkt. Aber die kleine Märchenwelt, die Singh uns in „Mirror Mirror“ vorsetzt, ist schon toll… besonders cool ist natürlich der umgestürzte Baum, in dem die Zwerge leben.

Bis zum Schluss gefiel mir „Mirror Mirror“ auch eigentlich echt gut, nur dann geht’s ein bisschen mit Singh durch und es kommt so ein leicht merkwürdiges Ende. Aber das verschmerze ich gern.

Wertung: 8 von 10 Punkten (zwar kein würdiger Singh, aber durchaus einer mit viel Charme)

9 Kommentare leave one →
  1. 28. April 2014 10:07

    Auf jeden Fall ist hier ein Riesenabstand zum “ Bellaschneewitchen“, der mich seinerzeit richtig verärgert hatte. Tarsems Version gewinnt mit der Anzahl der Sichtungen und ich muss gestehen ihn viel zu streng bewertet zu haben. Heute würde ich ebenfalls eher 8 statt 6 Punkte geben, einfach weil er so viele feine Details hat und Seele und Humor natürlich, trotz Julia Roberts 🙂

    • donpozuelo permalink*
      28. April 2014 10:52

      Ich glaube auch, dass ich Singhs Film härter beurteilt hätte, wenn ich ihn damals im Kino geguckt hätte. Aber selbst so im TV und auf Deutsch und mit WErbung zwischendurch hat’s mir trotzdem sehr gut unterhalten. Ein witziger und sympathischer Film.

  2. 28. April 2014 19:00

    Da hat mir „Snow White & the Huntsman“ trotz Kristen „Dead Face“ Stewart (ich habe sehr gelacht XD) doch besser gefallen, was wohl an der etwas düsteren Grundstimmung lag. Zwar finde ich hier auch viele Ideen süß, aber irgendwie haben mich die Dialoge oft ganz schön gelangweilt. Dabei hat der Film soviele gute Zutaten. Er ist bunt, hat gute Darsteller, ist ein bisschen frech anders und es kommen Zwerge/Kleinwüchsige drin vor. Das fand ich auch mal toll, anstatt sich da irgendwelchen Computeranimationen oder Tricks zu bedienen – richtig so, echte Darsteller zu nehmen. Aber so richtig gefunkt hats zwischen mir und dem Film nicht … leider!

    • donpozuelo permalink*
      29. April 2014 08:11

      Passiert… 😉 Ich fand ja „Snow White & the Huntsman“ jetzt auch nicht sooo schlecht, aber mittlerweile ziehe ich „Mirror Mirror“ doch vor, da der Film viele schöne eigene Ideen hatte, während „Snow White…“ ja doch an vielen Stellen ordentlich zusammengeklaut war. Vielleicht liegt’s aber auch nur an der leichten Abneigung gegen Stewart. Hätte man eine andere wählen sollen.

  3. olivesunshine91 permalink
    30. April 2014 11:52

    Kann ich dir nur zustimmen, ich fand den Film auch viel besser als „Snow White and the Huntsman“. Und mir hat diese Snow White auch viel besser gefallen! Nur Julia Roberts war mir ein Dorn im Auge… ich kann die Frau einfach nicht ausstehen.

    • donpozuelo permalink*
      30. April 2014 15:00

      Echt, warum denn??? Was hat die böse Frau Roberts dir angetan??? 😉

      Lily Collins als Schneewittchen war toll. Das stimmt… auch so hat mich der Film mehr begeistert als „Snow White“…

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